Ein rundum perfektes Wintermärchen

  30.12.2024

Mit den heurigen Saaner Altjahrskonzerten gelang ein perfektes Wintermärchen, das den Kummer und die Sorgen um die garstige Weltlage für eine Weile in den Hintergrund rücken liess. Tschaikowskys wunderbare «Nussknacker-Suite» war eine reine Wohltat inmitten einer schwierigen politischen und wirtschaftlichen Situation und für die Ausführenden wie für das Publikum eine Kraftquelle besonderer Art.

LOTTE BRENNER
Zweimal im Jahr kommen sie zusammen, Musikerinnen und Musiker aus der Region Saanen und solche, die sich dem Saanenland verbunden fühlen – darunter sehr viele Berufsmusizierende, Lehrkörper der Musikschule Saanenland-Obersimmental.

Das Orchester, das den Namen «Orchestra degli Amici» trägt, trat in den Altjahrskonzerten auch dieses Jahr wieder unter der kundigen Leitung von Michael S. Bach auf, unterstützt durch die Konzertmeisterin Sibylla Leuenberger. Das Programm war vielversprechend populär, doch musikalisch auch für die vielen professionellen Orchestermitglieder sehr anspruchsvoll. Die meisten Melodien aus der «Nussknacker-Suite» von Peter Iljitsch Tschaikowsky sind wohl bekannt und werden von berühmten Balletts in aller Welt getanzt. Doch gerade, weil die Musik in aller Ohren ist, bedarf sie einer besonders wirbligen Lebendigkeit und Präzision, was dem «Orchestra degli Amici» und seinem einfühlsamen Dirigenten mit grosser Begeisterung bestens gelang. Zudem konnte sich jedes Instrument einbringen. Einmal war es die Flöte, einmal das Horn – dann wiederum erzählte die Harfe. Im Orchester blieb keine Gelegenheit aus, die Episoden aufs Feinste zu illustrieren.

Es war einmal…
Ursprünglich basiert die «Nussknacker-Suite» auf einem Märchen von E.T.A. Hoffmann. Der heutige Leser findet sich allerdings durch diese Wirren voller überschäumender Fantasie nur schwer zurecht. Durch die Bearbeitung durch Alexandre Dumas wurde die fantastische Traumerzählung dann schlichter, ohne dabei an Zauber zu verlieren. Berühmt wurde die Erzählung schliesslich durch die Musik. Tschaikowsky liess sich durch die Wanderung durch Märchenwelten inspirieren und durch ihre Bilder musikalisch hinreissen.

«Was für ein herrlicher Weihnachtszauber!», stellte der Erzähler Tobias König mit glänzenden Augen fest, nachdem er das weihnächtlich geschmückte Zimmer der Familie Stahlbaum beschrieb, wo Clara unter der reichen Bescherung ihren Nussknacker findet, der in der Weihnachtsnacht lebendig wird und sie durch die vielen Traumwelten führt, die Tobias König genüsslich illustrierte.

Originell und bunt
Seien es die lustige Puppenmusik, der altertümlich-schwungvolle Grossvatertanz oder der Tanz der Zuckermandelfee, der arabische-, chinesische- oder Rohrflötentanz: An Vielfalt und Fantasie fehlte es dem Tonkünstler Tschaikowsky ebenso wenig wie an musikalisch anmutiger Schönheit. Vom feurigen Kosakentanz bis zu spanischen Kastagnetten liess der Komponist nichts aus. Doch auch im sanften Bild weidender Schafe und einer weiten Landschaft, in welcher das Schilfrohr sanft im Wind bewegt, verlangt die Musik den Ausführenden höchste rhythmische Präzision ab, bevor der Blumenwalzer in ausladender Pracht die Suite beschliesst.

Die Prachtstage mit verschneiten, besonnten Landschaften und blauem Himmel waren wie bestellt für die herrliche «Nussknacker»-Aufführung in der Kirche Saanen. Die wundersame Märchenwelt mit verwunschenen Prinzen, Blumenköniginnen, Elfen und allerlei Traumgestalten sowie die eindrücklich schöne Musik werden noch lange nachklingen.


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