Ein Sprachrohr für die Destination
11.09.2026 GstaadNeuigkeiten aus der Destination erfahren, mitdiskutieren und eigene Anliegen einbringen: Der Destinationsrat soll in beide Richtungen funktionieren. An seiner jüngsten Sitzung gab es entsprechend viel zu besprechen – vom neuen Winterversprechen über das künftige Four ...
Neuigkeiten aus der Destination erfahren, mitdiskutieren und eigene Anliegen einbringen: Der Destinationsrat soll in beide Richtungen funktionieren. An seiner jüngsten Sitzung gab es entsprechend viel zu besprechen – vom neuen Winterversprechen über das künftige Four Seasons bis zu Verkehrsproblemen und Bikewegen. Und der Gstaad Yacht Club erklärte, was er mit seiner internationalen Vernetzung in das Gremium einbringen möchte – und warum ihm zugleich der Austausch mit der Region wichtig ist.
SONJA WOLF
Viel Information, viele Updates – und einige ganz konkrete Anliegen: An der jüngsten Sitzung des Destinationsrats im Gstaad Yacht Club funktionierte der Austausch in beide Richtungen. GST und seine Partner informierten über neue Projekte, die Mitglieder brachten ihrerseits Themen ein, bei denen der Schuh drückt. «Für uns ist es wichtig, euch zu hören und zu spüren und das auch bei dieser Plattform zu diskutieren», fasste GST-Präsident Oliver Waser den Sinn des Gremiums zusammen.
«Pistengenuss von November bis April»
Eine der Neuigkeiten, die GST an diesem Abend erstmals präsentierte, soll künftig möglichst oft zu sehen sein: «Pistengenuss von November bis April» steht auf einem neuen Stempel, mit dem die Destination ihr Profil als Ski- und Winterdestination schärfen will. Möglich ist diese lange Saison durch den Einbezug von Glacier 3000.
Die wissenschaftliche Studie «Kompass Schnee» hatte gezeigt, dass Skifahren in Gstaad auch bis 2050 möglich bleibe – allerdings unter veränderten klimatischen Bedingungen und mit entsprechenden Investitionen (wir haben berichtet). Gleichzeitig sieht GST Handlungsbedarf bei der Wahrnehmung: Die Ferienregion Gstaad soll stärker als verlässliche Ski- und Winterdestination im Bewusstsein verankert werden.
Dabei setzt GST auf die gesamte Destination. Hotels, Geschäfte, Bergbahnen und weitere Leistungspartner sollen den Stempel auf Websites, in Broschüren und Newslettern, in E-Mail-Signaturen, an Türen oder auf Fahrzeugen einsetzen. Durch die ständige Wiederholung soll ein gemeinsames «Grundrauschen» entstehen. «Wir brauchen euch als Botschafter», appellierte Marketingleiterin Ariane Ludwig an die Mitglieder des Destinationsrats. Und GST-Direktor Flurin Riedi unterstrich den Gedanken: Wenn man innerhalb der Destination selbst nicht mehr an den Winter glaube, werde es schwierig, Gäste davon zu überzeugen.
Die Botschaft soll zugleich mit konkreten Investitionen unterlegt werden. Die Bergbahnen investieren weiter in Beschneiung und Infrastruktur. Unter anderem soll der geplante Speichersee die Möglichkeiten verbessern, grössere Teile des Skigebiets innerhalb kurzer Kältefenster gleichzeitig zu beschneien, wie Bergbahnen-Geschäftsführer Matthias In-Albon ausführte.
Four Seasons peilt Sommer 2027 an
Wie es beim «The Park Gstaad, a Four Seasons Hotel» vorangeht, erläuterte General Manager Reto Moser. Nach aktuellem Stand soll das Haus im Sommer 2027 eröffnen. Geplant sind 51 Zimmer, 18 Suiten und fünf Residenzen.
Das Four Seasons wolle nicht einfach bestehende Gäste innerhalb Gstaads umverteilen, sondern zusätzliche internationale Kundschaft in die Destination bringen, sagte Moser. Ein wichtiger Markt sei Nordamerika. Gleichzeitig sollen die Restaurants auch der einheimischen Bevölkerung offenstehen und das Spa Tagesgäste empfangen.
Rund 250 Mitarbeitende werden für den Betrieb benötigt, davon voraussichtlich etwa 200 saisonal. Bestehende Personalhäuser werden renoviert, weitere Unterkünfte sind geplant. Langfristig hofft Moser zudem, die zunächst vorgesehenen Saisonöffnungszeiten ausweiten zu können.
Austausch in beide Richtungen
Gastgeber für die Sitzung war diesmal der Gstaad Yacht Club, der seit dem Frühjahr auch im Destinationsrat vertreten ist. Geschäftsführerin Cindy Schönrich stellte den Club im offiziellen Teil der Sitzung vor: 405 Mitglieder aus mehr als 45 Ländern gehören ihm an, rund ein Viertel davon sind Junior Members. Dazu kommt ein Netzwerk von rund 45 befreundeten Clubs weltweit. Die Aktivitäten reichen vom eigenen Racing Team und internationalen Segelanlässen bis zum Juniorentraining und zu gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen.
Doch weshalb möchte ein privater, international ausgerichteter Yacht Club im Destinationsrat mitwirken? Im Gespräch mit dieser Zeitung nach der Sitzung erklärte Schönrich, viele Mitglieder seien eng mit Gstaad verbunden, verbrächten hier Zeit und brächten Familie, Freunde und Geschäftspartner mit. «Wir sind selbst ein Stück Tourismus.» Gleichzeitig sei der Club weder Hotel noch klassischer Gewerbebetrieb und lasse sich damit keiner der bestehenden Interessenvertretungen eindeutig zuordnen.
Im Destinationsrat habe der Club nun ein «Sprachrohr» gefunden und zugleich die Möglichkeit, näher mit anderen Akteuren der Region in Kontakt zu kommen. Er wolle erfahren, was Gstaad bewegt, sich austauschen und dort, wo es passe, auch die Sicht seiner internationalen Mitglieder einbringen. Viele von ihnen seien eng mit Gstaad verbunden, könnten an einer Gemeindeversammlung jedoch nicht mitbestimmen; teilweise kämen sprachliche Hürden hinzu. «Uns geht es um den Austausch in beide Richtungen.»
Diesen Austausch möchte der Club auch mit der einheimischen Bevölkerung vertiefen. Dahinter stehe der Wunsch der Mitglieder, der Region etwas zurückzugeben und die Begegnung zwischen der internationalen Clubwelt und dem lokalen Leben zu fördern. Möglichkeiten dazu gibt es bereits: Beim Juniorensegeln lernen Kinder aus der Region neben dem Sport auch Teamwork, Verantwortung und den Umgang mit der Natur kennen. Mit den «Gstaad Cultural Encounters» – einer öffentlichen Veranstaltungsreihe mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen – möchte der Club zudem Wissen und Denkanstösse mit einem breiteren Publikum teilen. «Sharing is caring», findet Schönrich.
Die Privatsphäre der Mitglieder bleibe für einen Private Members Club zentral. Öffnung und Diskretion seien dennoch kein Widerspruch, sagt Schönrich: «Nur wenn man sich öffnet, kann man auch willkommen geheissen werden.»
Wenn die Mitglieder das Wort ergreifen
Mit seinem Wunsch nach einem «Sprachrohr» trifft der Yacht Club ziemlich genau eine der Funktionen des Destinationsrats. Auch andere Mitglieder brachten ihre Anliegen vor.
Philipp Reber, selbst Gewerbetreibender an einem Gstaader Verkehrshotspot, hatte eine ganze Präsentation zum Verkehr in Gstaad mitgebracht. Das Thema sei bereits im Vorstand des Gewerbevereins und in diversen Parteivorständen diskutiert worden. Anhand zahlreicher Bilder zeigte er, wo es regelmässig klemmt: bei den Zufahrten, rund um den Coop-Parkplatz oder dort, wo sich Fussgänger und Fahrzeuge in die Quere kommen. Reisecars, Anlieferungen und falsch abgestellte Fahrzeuge verschärften die Situation zusätzlich.
Reber betonte, dass die Problematik längst erkannt sei. Tatsächlich arbeitet die Gemeinde an einem Verkehrskonzept, zudem befasst sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Gemeinden, GST, Bergbahnen, Hotelier- und Gewerbeverein mit der Besucherlenkung. Ihm gehe es deshalb nicht darum, Untätigkeit anzuprangern. Zu häufig könne aber erst reagiert werden, wenn das Problem bereits entstanden sei.
Reber formulierte deshalb fünf Handlungsfelder: Fussgänger schützen und Gehbereiche freihalten, den Parkverkehr besser lenken und freie Kapazitäten sichtbar machen, Reisecars gezielt führen und den Lieferverkehr mit definierten Zeitfenstern ordnen. Für die kommende Wintersaison brauche es zudem einen Notfallplan für die Spitzenzeiten. Wo es kritisch werde, müsse der Verkehr notfalls auch «von Hand» geregelt werden oder provisorische Parkplätze in der Peripherie zur Verfügung gestellt werden. Ganz nach dem Credo: «Kurzfristig handeln. Mittelfristig lenken. Langfristig planen.»
Vor allem fordert Reber mehr Kommunikation gegenüber der Bevölkerung. Man könne auch darüber informieren, dass an einer Lösung gearbeitet werde, selbst wenn diese noch nicht spruchreif sei. Tourismusdirektor Riedi, selbst in die bestehende Arbeitsgruppe involviert, bezeichnete Rebers Bilder und Beispiele als wertvollen Input, den er in die Arbeitsgruppe einbringen wolle.
Zum Thema Verkehr passte auch ein sehr praktischer Hinweis von Tanja Röthlin: In den Gstaader Parkhäusern fehlten Abstellplätze für Velos. Auch dieses Thema will Riedi in die Arbeitsgruppe mitnehmen.
David Perreten wiederum hakte bei den Biketrails und -routen nach. Er habe die Bestrebungen zur Lenkung des Bikeverkehrs stets unterstützt. Als Präsident einer privaten Weggenossenschaft vermisse er jedoch Antworten darauf, wie mit Wegen umgegangen werde, die von Privaten unterhalten und stark von Bikern genutzt würden. Das Anliegen habe er bereits mehrfach bei verschiedenen Stellen vorgebracht. Würden solche Fragen nicht ernst genommen, warnte Perreten, könnte auch die Toleranz der Landwirtschaft schwinden. Die Verantwortlichen räumten ein, dass die Prozesse länger dauerten als gewünscht; Fragen wie Durchgangsrechte, Routenführung und Entschädigungen würden jedoch in der laufenden Routenplanung aufgenommen.
KURZ NOTIERT
Auch darüber wurde gesprochen: eine Auswahl weiterer Themen aus dem Destinationsrat.
Guter Sommer – mit einer Ausnahme
Ein spontanes Mentimeter-Stimmungsbild zur Sommersaison fiel ausgesprochen positiv aus: Die meisten Teilnehmenden bewerteten sie als «sehr gut», oder «gut». Nur einmal wurde «durchschnittlich» gewählt – von der MOB. Sie verzeichnete rund zehn Prozent weniger Reisende als im Vorjahressommer. Als Gründe nannte Generaldirektor Yves Marclay geopolitische Faktoren, den nachlassenden Neuheitseffekt des GoldenPass Express sowie eigene Qualitätsprobleme wie Baustellen, fehlende durchgehende Fahrpläne und Ausfälle.
Feuerwerk: erst die Abstimmung abwarten
Die vier Gemeinden haben sich mit möglichen Einschränkungen für Feuerwerke beschäftigt. Vorerst wollen sie die eidgenössische Abstimmung Ende November abwarten. Bis dahin soll GST verstärkt für einen zurückhaltenden Umgang mit Feuerwerk sensibilisieren.
Bike-Trails: Gut Ding will Weile haben
Für das Gebiet Horneggli werden rund zwölf Kilometer neue Biketrails geplant. Die Detailplanung sei inzwischen zu 80 bis 90 Prozent abgeschlossen, berichtete Jan Brand, Leiter Infrastrukturen & Projekte bei GST. Die Verfahren brauchten zwar viel Zeit, dafür ist Brand vom Resultat überzeugt: Es entstehe ein attraktives Angebot für ein breites Publikum – von genussorientierten Bikern bis zu sportlicheren Fahrern. Das Baugesuch soll möglichst noch im Herbst eingereicht werden.
Wie viel Tourismus ist willkommen?
Mit einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung wollen die vier Gemeinden und GST genauer erfahren, wie die Bevölkerung den Tourismus wahrnimmt und wo Problemfelder liegen. Die Befragung soll noch diesen Herbst starten.
SWO





