Ein Viertel Jahrhundert auf musikalischen Gipfeln

  16.01.2025 Kultur

Die diesjährige Ausgabe der Sommets Musicaux ist eine ganz besondere: Das Festival wird 25 Jahre alt. Direktorin Ombretta Ravessoud verrät, welche Geschenke das Publikum anlässlich des Jubiläums erwarten darf.

SONJA WOLF
«25 Jahre, das muss gefeiert werden», findet Festivaldirektorin Ombretta Ravessoud. Und daher ist vieles ein wenig anders in dieser Ausgabe: Den Mentor beispielsweise sucht der langjährige «Sommets»-Fan vergeblich. Der betreut normalerweise täglich die jungen Talente, bis sich einer von ihnen den Thierry-Scherz-Preis erspielt. Und war da nicht jeweils ein Instrument, das bei jeder Ausgabe im Fokus stand? Und wo ist der Residenz-Komponist, dessen Stück die jungen Talente spielen, um den André-Hoffmann-Preis zu gewinnen?

Ein Wiedersehen mit den Preisträgern der letzten Dekade
Tatsächlich fällt der ganze Teil der Talentförderung an der diesjährigen Jubiläumsausgabe weg. «Zur 25-Jahr-Feier haben wir ausnahmsweise keine jungen, (noch) unbekannten Hoffnungsträger eingeladen, sondern die Preisträger, die in den letzten zehn Jahren bei uns den Thierry-Scherz-Preis gewonnen haben», sagt Ombretta Ravessoud im Interview. «Es sind Künstler, die mittlerweile grosse Säle füllen. Das ist unser Jubiläumsgeschenk ans Publikum.» Zu hören sein werden die «Rising Stars» dort, wo sie ihre Karriere seinerzeit als Preisträger begonnen haben: im Kapälli Gstaad. Daher gibt es dieses Jahr also auch kein bestimmtes Instrument, das im Fokus steht. Denn die Laureaten der vergangenen Festivals sind inzwischen bekannte Pianisten, Cellisten oder Geiger geworden und präsentieren ein Programm aus ihrem Repertoire, das sie sich selbst ausgewählt haben.

Carte Blanche für Renaud Capuçon und für Comiczeichner Zep
Ein weiteres spezielles Highlight ist das Abschlusskonzert, bei dem Artistic Director Renaud Capuçon mit seinem Bruder Gautier die «Carte Blanche» bekommt und zusammen mit einigen der Laureaten ein buntes Überraschungsprogramm bieten wird.

Spannung verspricht laut Ravessoud auch das Kinderprogramm: An einem Dienstagvormittag haben die Organisatoren alle öffentlichen Schulen der Region und auch Schüler der Privatschulen JFK und Le Rosey eingeladen, zusammen das Programm «L'Odyssée de Doublecroche» zu verfolgen.

Dabei wird Zep, der Zeichner der bekannten Comicfigur «Titeuf» live zu den Geigenklängen von Renaud Capuçon performen. Ombretta Ravessoud: «Der kleine Titeuf wird gleichsam einen musikalischen Spaziergang auf den Noten machen.» Und sie präzisiert mit einem Augenzwinkern, dass diese spezielle Live-Performance nicht nur den Kindern gefallen wird: «Alle sind willkommen, auch die Grossen. Dieses Konzert ist übrigens mit freiem Eintritt.»

Gratiskonzerte, die manchmal den Skiern zum Opfer fallen
Das erste Kinderkonzert im Rahmen der Sommets Musicaux fand übrigens 2016 statt. «Das hat Renaud Capuçon initiert, als er die musikalische Direktion übernahm», erinnert sich Ravessoud. «Genauso wie das Gratiskonzert, das es seither jeweils an einem Sonntagvormittag gibt.» Und das sicher immer gut besucht ist? «Ganz ehrlich,» antwortet die Direktorin, «wenn es ein sonniger Sonntagvormittag mit tollen Schneeverhältnissen ist, gehen manche lieber Skifahren als ins Konzert... Aber das ist ja verständlich!»


«Seit 25 Jahren eine unerschöpfliche Quelle der Freude und Zufriedenheit»

SONJA WOLF

Ombretta Ravessoud, Sie sind nicht nur die Direktorin des Festivals, sondern auch die Co-Gründerin. Erinnern Sie sich, wie es zur Gründungsidee gekommen ist?

Ja. Thierry Scherz hatte damals das Gefühl, dass Besuchern und Einheimischen nach einem ausgefüllten Wintersporttag die Kultur in Gstaad fehle. Und Thierry war ein grosser Musikliebhaber. Als er mich fragte, ob wir zusammen ein klassisches Musikfestival aufziehen möchten, habe ich sofort Ja gesagt! Denn ich selbst hatte eine sehr enge Beziehung zu Gstaad. Mein Mann verbrachte hier seine Ferien, seit er ein kleines Kind war und wir hatten damals jahrelang ein Chalet in der Grubenstrasse gemietet.

Was ist Ihre eigene Beziehung zur Musik? Spielen Sie selbst ein Instrument?

Nein, leider nicht. Aber ich liebe die Musik und ich kenne die Stücke, die das Festivalprogramm ausmachen. Diese dann live verfolgen zu können, empfinde ich als ein Geschenk.

Und hat sich bei Ihnen nach 25 Jahren keine Müdigkeit eingestellt, das Festival jedes Jahr zu organisieren?

Nein, ganz und gar nicht! Im Gegenteil: Seit 25 Jahren dieses Festival zu organisieren, ist für mich eine unerschöpfliche Quelle der Freude und Zufriedenheit. Die Künstler:innen nach einem Jahr intensiver Vorbereitungsarbeit endlich auf der Bühne zu sehen, ist für mich eine aussergewöhnliche Belohnung.

Was sind Ihre Aufgaben als Festivaldirektorin?

Renaud Capuçon als künstlerischer Direktor kümmert sich um die Künstler und das Programm und ich um den Rest. Das sind zum Beispiel die Kommunikation, die Sponsoren, die Einhaltung des Budgets oder die Verträge mit den Künstlern.

Sie haben eine enge Beziehung zum Menuhin Festival. Wie äussert sich die?

Wir arbeiten eng zusammen. Wir haben eine gemeinsame Werbung und Kommunikation. Unsere künstlerischen Direktoren Renaud Capuçon und Daniel Hope tauschen sich aus. Und wir helfen uns bei logistischen Problemen aus: Es kommt schon mal vor, dass wir uns zum Beispiel Notenpulte bei ihnen ausleihen.

Auf welches Konzert freuen Sie sich an der diesjährigen Jubiläumsausgabe am meisten?

Oh, das ist sehr schwer zu sagen! Vielleicht auf das Chamber Orchestra of Europe, weil ich es noch nie live gehört habe, genauso wie den A-cappella-Chor «Les Métaboles». Ich freue mich selbstverständlich auch ganz besonders darauf, Yo-Yo Ma wieder in einem Konzert zu erleben – begleitet vom Orchestre de Chambre de Lausanne unter der Leitung von Renaud Capuçon. Es wird ein aussergewöhnlicher Moment, der in der einzigartigen Intimität der Kirche von Saanen stattfindet.


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