Als familiär-freundschaftliches Kammermusizieren kündigte der Intendant Daniel Hope am Mittwoch das erlebnisreiche Konzert in der Kirche Lauenen an. Nebst dieser wirklich vertrauten Atmosphäre lag da noch eine Neugier im Raum. Gespannt lauschte das Publikum in der ...
Als familiär-freundschaftliches Kammermusizieren kündigte der Intendant Daniel Hope am Mittwoch das erlebnisreiche Konzert in der Kirche Lauenen an. Nebst dieser wirklich vertrauten Atmosphäre lag da noch eine Neugier im Raum. Gespannt lauschte das Publikum in der ausverkauften Kirche einer Uraufführung von Jeremy Menuhin. Die Erwartungen wurden dabei bei vielen Musikfreunden weitaus übertroffen.
LOTTE BRENNER
Das Konzert stand unter dem Label «Menuhin’s Legacy», unter welchem das Erbe des Festivalgründers Yehudi Menuhin lebendig gehalten und Ideale von Humanität und musikalischer Verbundenheit weitergetragen werden sollen. Ebenso gut passt das Jahresthema 2026, «Family Matters»: «Musik als verbindende Kraft zwischen Generationen, Freunden und Künstlerfamilien.» Denn im Mittelpunkt standen Jeremy Menuhin und Dimitri Ashkenazy, beides Söhne aus berühmten Musikerfamilien sowie das Brodsky Quartett, bestehend aus Krysia Osostowicz, Violine I (sie studierte in den 70er-Jahren bei Menuhin), Jan Beiton, Violine II, Paul Cassidy, Viola, und Jacqueline Thomas, Violoncello.
Zwei Klarinettenquintette
Nebst dem bekannten, immer wieder berührenden Klarinettenkonzert in A-Dur, KV 581 von Mozart wurde dasjenige von Jeremy Menuhin präsentiert – ideenreich und bildhaft. Es lädt zum Sinnieren ein, und mit feinem Humor zart durchwirkt manchmal auch zu einem kleinen Schmunzeln. Es ist Musik, der man sich hingeben kann. Menuhin geht dabei wunderschön auf den Charakter der Klarinette ein, was Dimitri Ashkenazy dankbar entgegennimmt und mit wunderbaren Ton-Modulationen meisterhaft umsetzt. Faszinierend ist seine äussere Ruhe und sein doch so bewegtes Spiel.
Wunderbar eingebettet war der subtile Klarinettist von vier Streichinstrumenten, gespielt von den sensiblen Musikerinnen und Musikern des 1972 gegründeten und seither weltbekannten Brodsky Quartetts, die auf hochwertigen Instrumenten von berühmten Geigenbaumeistern spielen, welche teils aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen. Wie harmonisch rein und weich das Quartett spielt, brachte es eingangs schon in Dimitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 11, f-Moll, op122, berührend zum Ausdruck.
Musik mit Zukunft
Wie Jeremy Menuhin über seine Komposition schreibt, liegen seinem Werk vor allem der Kontrapunkt sowie die wohltemperierte Stimmung zugrunde. Die drei Klavierstücke von Claude Debussy, die er als Pianist im Konzert darbot, lassen erahnen, dass er sich beim Komponieren auch impressionistisch beeinflussen liess. Möge man über das neue Klarinettenquintett nachdenken was und wie man will – sicher ist: Es ist wunderschön und für das Solo-Instrument ein dankbares Stück, das wohl beständig in die Klarinetten-Literatur eingehen mag.
Und schliesslich entsprach das Konzert dem, was dem Festivalgründer Menuhin so am Herzen lag: ein familiäres Musizieren unter Freunden.