Eine Konferenz mit Aussicht
04.09.2026 RegionGeschäftliche Konferenzen können lange Vorträge in dicht bestuhlten Sälen bedeuten. Sie können aber auch eine kurze Wanderung zu einem Festgelände beinhalten, wo die Teilnehmenden unter freiem Himmel und umgeben von einer eindrücklichen Berglandschaft eine ...
Geschäftliche Konferenzen können lange Vorträge in dicht bestuhlten Sälen bedeuten. Sie können aber auch eine kurze Wanderung zu einem Festgelände beinhalten, wo die Teilnehmenden unter freiem Himmel und umgeben von einer eindrücklichen Berglandschaft eine Podiumsdiskussion verfolgen. Für diese besondere Form des Austauschs stehen das Saanenland und der Schweizer Wandergipfel, den die Organisatoren Schweizer Wanderwege und Gstaad Saanenland Tourismus bereits zum dritten Mal in unserer Region durchführten. Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Bereichen des Schweizer Tourismus besuchten die Vorträge und Workshops.
Das zweitägige Programm hatte einiges zu bieten, darunter die sogenannten Wandercafés, an denen auch wir teilnahmen. Dabei wurden verschiedene aktuelle Themen diskutiert, etwa die Bedeutung gemeinschaftlicher Wanderevents und die Koexistenz von Wandernden und Mountainbikenden.
Was die Wanderwelt bewegt
Vom gemeinsamen Zieleinlauf bis zur Koexistenz mit Mountainbikenden: Der Schweizer Wandergipfel im Saanenland zeigte, wie vielfältig die Fragen rund ums Wandern geworden sind. Im Zentrum stand dabei, was Wandernde heute suchen und wie sich die Angebote darauf einstellen.
MAXIME VÖGELE
Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung wandert. Entsprechend gross ist das Interesse an der Frage, wie sich das Wandern verändert. Bereits zum dritten Mal traf sich die Branche dafür am 1. und 2. September im Saanenland zum Schweizer Wandergipfel.
Nach der Mittagspause erklärte Moderator Nik Hartmann das Programm – und erinnerte daran, sich für die spätere Wanderung aufs Eggli dem Wetter entsprechend anzuziehen. Es könne frisch werden. Dann schob er nach: «Aber wer an den Wandergipfel kommt und die falsche Kleidung dabei hat, ist eh falsch.»
Gewandert wurde am Dienstagnachmittag allerdings zunächst nur von einem Wandercafé zum nächsten. Vom Hotel Landhaus in Saanen spazierten die Teilnehmenden anschliessend in kleinen Gruppen zu verschiedenen Stationen, wo aktuelle Themen aus der Wanderwelt diskutiert wurden.
Wandern als Erlebnis
«Die Ziellinie ist heilig», erklärt Miguel Alvarez den gespannten Gesichtern im Alpinzentrum Gstaad. So wandern beim Rockand Hike bis zu 3000 Teil-nehmende rund um den Zürichsee und legen dabei teilweise bis zu 100 Kilometer zurück. Was sich für die einen nach Pflichtprogramm im Militär anhören mag, ist ein ausverkauftes Event.
Warum solche Wanderevents funktionieren, fasst Alvarez mit wenigen Begriffen zusammen: Verbindlichkeit und Gemeinschaft. Wer sich anmeldet, bezahlt, trainiert und Freunden davon erzählt, bindet sich stärker an das Vorhaben. Gleichzeitig gehe es um das gemeinsame Erlebnis: «Alleine geht man wandern, gemeinsam geht man ein bisschen weiter.»
Überrascht habe die Veranstalter vor allem, wie wichtig den Teilnehmenden die Ziellinie sei. «Bis jetzt war eigentlich der Finisher-Moment einem Marathon oder schnellen Athleten vorbehalten.» Bei Wanderevents stehe dagegen «der Wille und die Ausdauer im Vordergrund, viel mehr als Race-Pace». Damit werde dieser Finisher-Moment gewissermassen demokratisiert. Die Ziellinie sei deshalb jeweils das Letzte, was abgebaut werde – auch damit die später Eintreffenden ihren Zieleinlauf noch erleben können.
Wenn sich Wege kreuzen
Vom Wanderevent ging es anschliessend zu einem konfliktträchtigeren Thema: dem Miteinander von Wandernden und Mountainbikenden. Der Fussmarsch vom Landhaus zum Hotel Spitzhorn dauerte etwas länger als jener zuvor zum Alpinzentrum. «Die wollen wohl auch nicht übers Biken reden», witzelte ein Teilnehmer unterwegs.
Die Diskussion zeigte vor allem eines: Die vermeintlichen Lager sind weniger klar getrennt, als es oft scheint.
Rund die Hälfte der Anwesenden gab an, sowohl zu wandern als auch zu biken. Auch die präsentierten Zahlen weisen in diese Richtung: 65 Prozent der Mountainbikenden wandern ebenfalls. «Man kann auch schon davon ausgehen, dass man das gegenseitige Verständnis eigentlich hat oder haben sollte», sagte Alice Bögli von SchweizMobil.
Zudem gebe es nicht «die Mountainbikenden» mit denselben Bedürfnissen. Manche suchten breite Natur- und Waldwege, andere Singletrails oder speziell gebaute Strecken. Entsprechend unterschiedlich seien auch die Anforderungen an Planung und Koexistenz.
Wie unterschiedlich die Ausgangslagen sein können, zeigte ein Teilnehmer aus Österreich. Dort dürfe auf Wanderund Forstwegen grundsätzlich nur mit dem Fahrrad gefahren werden, wenn dies ausdrücklich erlaubt sei. «Für uns ist das Radfahren verboten auf allen Wegen, wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist», erklärte er. Dass in der Schweiz Wandernde und Bikende vielerorts dieselben Wege nutzen, sei für ihn «eigentlich unvorstellbar».
Erkenntnisse vom Gipfel
Nach zwei Tagen mit unterschiedlichsten Blickwinkeln zum Wandern zieht Flurin Riedi, CEO von Gstaad Saanenland Tourismus, ein positives Fazit: «Das Programm ist auf grosses Interesse gestossen.»
Für ihn gelte es vor allem, den Blick nach vorne zu richten und Entwicklungen nicht zu verpassen. Auch als Mitinitiant wolle er selbst vom Austausch am Wandergipfel profitieren. Besonders wichtig sei für ihn die Erkenntnis, dass heute ein sehr breites Publikum auf den Wanderwegen unterwegs ist: «Es ist nicht mehr der Wanderer mit hohen Bergschuhen und Proviant im Rucksack.» Aus touristischer Sicht sei es deshalb entscheidend, die Beweggründe dieser unterschiedlichen Gäste zu verstehen und die Angebote entsprechend weiterzuentwickeln.
Gstaad als Ausgangspunkt
Dass der Wandergipfel bisher in Gstaad stattgefunden hat, ist kein Zufall. Michael Roschi, Geschäftsleiter des Verbands Schweizer Wanderwege, und Flurin Riedi hatten die Initiative für den Anlass gemeinsam ergriffen. «Gstaad als Austragungsort ist wie perfekt für einen Wandergipfel», sagt Roschi – nicht zuletzt wegen der Vielseitigkeit der Region.
Bisher wurde der Schweizer Wandergipfel dreimal im Zweijahresrhythmus in Gstaad ausgetragen. Ob das auch beim nächsten Mal so sein wird, ist noch offen. Möglich sei, die nächste Austragung in eine andere Destination zu verlegen, erklärt Flurin Riedi. Fest steht für ihn aber: «Er wird immer wieder nach Gstaad zurückkehren.»
ZUM VERBAND SCHWEIZER WANDERWEGE
Der Verband Schweizer Wanderwege ist der Dachverband der 26 kantonalen Wanderweg-Fachorganisationen. Im Auftrag des Bundesamts für Strassen (ASTRA) wirkt er bei der Planung und Qualitätssicherung des über 65’000 Kilometer langen Schweizer Wanderwegnetzes mit. Dazu erarbeitet er unter anderem Grundlagen zu Bau und Unterhalt, Signalisation, Netzplanung, Naturgefahren und Haftungsfragen und berät die Kantone. Zudem vertritt der Verband auf nationaler Ebene die Interessen der Wandernden und fördert das Wandern als Freizeitaktivität.
Die konkrete Umsetzung erfolgt in Zusammenarbeit mit den kantonalen Wanderwegorganisationen, die für ihre jeweiligen Gebiete zuständig sind. Der nationale Verband übernimmt dabei vor allem koordinierende, beratende und fachliche Aufgaben und stellt Grundlagen für eine möglichst einheitliche Qualität des Wanderwegnetzes bereit.
MAV
PRIX RANDO 2026 IN GSTAAD VERLIEHEN
Im Rahmen des Schweizer Wandergipfels in Gstaad wurde der Prix Rando 2026 verliehen. Der Preis wird alle zwei Jahre vom Verband Schweizer Wanderwege und dem Bundesamt für Strassen ASTRA vergeben und zeichnet beispielhafte Bau- und Unterhaltsprojekte im Wanderwegnetz aus.
Den mit 20’000 Franken dotierten Hauptpreis erhielt die Gemeinde Sumvitg GR. Wegen Steinschlaggefahr wurde dort ein rund 900 Meter langer Abschnitt des Wanderwegs im Val Sumvitg auf die andere Seite des Rein da Sumvitg verlegt. Teil des Projekts ist zudem eine neue Brücke, die vor dem Winter demontiert und so vor Lawinenschäden geschützt werden kann. Die Jury würdigte insbesondere die höhere Sicherheit, den langfristigen Nutzen und das nachhaltige Konzept.
Ein Sonderpreis von 7500 Franken ging an Isenthal UR, wo ein historischer Wanderweg ins Kleintal wiederhergestellt und damit der bisherige Abschnitt entlang der Autostrasse ersetzt wurde.
Der zweite Sonderpreis von 7500 Franken ging an Willisau LU für die Sanierung eines hochwassergeschädigten Wanderwegs im Naturschutzgebiet Ostergauermoos.
PD/MAV







