Eine Sache des Herzens
22.05.2024 LeserbriefeWenn wir uns eine Meinung über Sol-Sarine 2.0 und das Klimagesetz machen wollen, müssen wir uns meiner Meinung nach drei Fragen stellen: Wollen wir Natur und Umwelt schützen und bewahren? Wollen wir eine freie und unabhängige Schweiz? Wie wollen wir unser Geld investieren?
Wir alle erinnern uns an den Sommer 2022, als Bauern viele Tausend Liter Wasser auf ihre Berge führen mussten. Die Berghänge waren vielerorts braun und das Vieh musste früh ins Tal. In den Flüssen verendeten wegen Wassermangels die Fische – und wer beobachtet, wie unsere Gletscher davonschwimmen, muss meines Erachtens besorgt sein. All die Meldungen aus dem Ausland müssen hier gar nicht erwähnt werden. Leider war das kein Einzelfall. Die Klimarekorde jagen sich im Monatstakt. Dass der Mensch daran zu einem grossen Teil mitschuldig ist, streitet mittlerweile kein ernstzunehmender Wissenschaftler mehr ab. Vor 30 Jahren hat man prophezeit, was passieren werde, wenn nichts geändert wird. Genau das können wir heute real sehen und erleben. Wenn uns die Natur wirklich am Herzen liegt, haben wir meiner Meinung nach keine andere Wahl, als endlich zu handeln und in erneuerbare Energien zu investieren.
Bisher konnten wir unsere Stromlücken immer ganz bequem durch Strom aus dem Ausland decken. Wenn nun aber wirklich eine europaweite Mangellage entsteht, werden diese Länder den Strom selber brauchen oder den Preis diktieren und das könnte für uns sehr teuer werden, so wie es im Herbst 2022 geschehen ist. Wir sind durch diese Abhängigkeiten von Treibstoff und Strom aus fremden Ländern gebunden und dadurch erpressbar. Daher finde ich, dass es mehr als sinnvoll wäre, uns endlich unabhängiger von fremden Staaten zu machen.
Jedes Jahr schicken wir Milliarden Franken für Öl, Gas, und Uran an Despoten wie Putin, bin Salman usw., die damit ihre Kriege finanzieren und ihr Volk unterdrücken. Mir wäre es lieber, wenn wir unser Geld im (Saanen-)Land behalten und uns ablösen von solchen Leuten.
Es wird oft gesagt, es sei Verschandelung der Landschaft. Na ja, unsere Bergbahnen sind auch nicht gerade dekorativ. Zudem führen sie gut sichtbar vom Dorf auf den Berg mit grosser Station, während SolSarine 2.0 in versteckten Geländekammern installiert wird. Meines Erachtens geht es am Ende bei beiden um das Gleiche: Wertschöpfung im Saanenland. Nicht alle Wanderer fühlen sich vom Anblick von Solaranlagen gestört. Es gibt durchaus auch Zeitgenossen, die sie als Zeichen für Nachhaltigkeit und Fortschritt zu deuten wissen. Es kommt auch darauf an, wie es den Gästen kommuniziert wird: als «Verschandelung» oder als «Beitrag zu einem nachhaltigen Tourismus». Ich appelliere an alle Tourismusverantwortlichen und Hoteliers, das Projekt bei den Gästen ins rechte Licht zu rücken, denn Begeisterung ist ansteckend. Und falls das Ei des Kolumbus gefunden und die Anlage nicht mehr gebraucht wird, kann sie einfach zurückgebaut werden. Anders als AKWs!
Wenn wir die ersten zwei Fragen mit Ja beantworten können, sagt uns unser Herz, was wir abstimmen sollen.
SEPP DOPPMANN, GSTAAD
