Eine Sinfonie der Schlaginstrumente...
23.10.2026 Kultur... so liesse sich das Konzert treffend beschreiben, das am späten Samstagnachmittag, 17. Oktober, im Rahmen des Festivals «Le Bois qui Chante» stattfand.
ETIENNE ROCH
Es war ein abwechslungsreicher Festivaltag mit vielen musikalischen ...
... so liesse sich das Konzert treffend beschreiben, das am späten Samstagnachmittag, 17. Oktober, im Rahmen des Festivals «Le Bois qui Chante» stattfand.
ETIENNE ROCH
Es war ein abwechslungsreicher Festivaltag mit vielen musikalischen Eindrücken. Ein Ausflug in den Wald von Les Arses lag bereits hinter den Besuchenden. Und vor dem Konzert trafen sie sich zu einem gemütlichen Apéro vor der Kirche Rougemont.
Ab 17.30 Uhr gehörte die Bühne den 26 Schülerinnen und Schülern der Musikschule Saanenland-Obersimmental (MSSO). Die vom «Tchiki duo» gegründete Schlagzeugklasse brachte die altehrwürdige Kirche zum Klingen. Trommeln, Basstrommeln, Becken und Marimbas – um nur einige der zahlreichen Schlaginstrumente zu nennen – sorgten für Rhythmen, die dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben dürften.
Unter der Leitung von Sandro Frautschi, dem Dirigenten der Musikgesellschaft Gstaad, sowie Nicolas Suter und Jacques Hostettler, zwei Schlagzeugern und ausgewiesenen Marimba-Spezialisten, zeigten die jungen Musikerinnen und Musiker ihr Können. Mit grossem Engagement präsentierten sie einen vielfältigen Einblick in ihr Repertoire.
Wenn Klänge durch den Raum wandern
Das Publikum entdeckte dabei ungewohnte Seiten der Schlaginstrumente, die allzu oft auf ihre Rolle als Begleitung anderer Instrumente reduziert werden. Eine kurze Demonstration zeigte beispielsweise, wie sich das Rhythmusgefühl bereits durch einfaches Händeklatschen schulen lässt. Anschliessend sorgten die Musiker mit einem besonderen Klangerlebnis für Staunen: Sie hatten rund um den Mittelraum der Kirche Becken aufgestellt. Deren Klänge schienen durch den Raum zu wandern – ein faszinierender Effekt, der an die Geräuscheffekte im Kino erinnerte.
Danach bewiesen vier Jugendliche mit einem Trommelstück ihr Rhythmusgefühl. Es folgte das «Tchiki duo», das auf zwei Marimbas ein eindrucksvolles Werk interpretierte. Die Marimba hat afrikanische Wurzeln und wurde in Mittelamerika, insbesondere in Mexiko und Guatemala, weiterentwickelt. Sie wird im Stehen gespielt, häufig mit vier Schlägeln. Ihr warmer Klang und ihre grosse musikalische Bandbreite machen sie zu einem besonders vielseitigen Instrument.
Die aufwendigen Umbauten zwischen den Darbietungen boten Gelegenheit, Sandro Frautschi für seine Arbeit mit den jungen Musikschülerinnen und Musikschülern zu würdigen. Das Publikum aus dem Pays-d’Enhaut und dem Saanenland, darunter zahlreiche Eltern der auftretenden Kinder und Jugendlichen, dankte ihm mit kräftigem Applaus.
Anschliessend versammelte der Schlagzeuger und Komponist Stéphane Borel die jungen Musikerinnen und Musiker um sich. Gemeinsam entlockten sie runden, flachen Steinen ungewöhnliche Klänge, die allmählich immer intensiver wurden. Auch dieses besondere Klangerlebnis schuf eine überraschende Atmosphäre.
Eine Schaukel voller Schlaginstrumente
Im hinteren Teil der Bühne stand ein grosses Instrument, das bisher noch nicht zum Einsatz gekommen war. Was hatte es damit auf sich? Nach einer spannungsvollen Wartezeit nahmen drei Schlagzeuger ihre Plätze ein. Einer stellte sich hinter die Konstruktion, die beiden anderen positionierten sich seitlich und befestigten Gurte an ihren Körpern – fast wie Akrobaten, die sich für einen waghalsigen Einsatz sichern.
Die ungewöhnliche Konstruktion trägt den Spitznamen «Schaukel». Sie besteht aus einer grossen Trommel, Becken und Tamburinen, die auf einem eigens dafür entwickelten, sorgfältig durchdachten Metallrahmen montiert sind. Die drei Musiker begannen wie wild zu spielen. Nach einigen Minuten setzte sich die gesamte Konstruktion in Bewegung und kippte in Richtung Publikum. So konnten die Zuschauer dieses einzigartige, zu einer Einheit verbundene Schlaginstrument noch besser bestaunen.
Von leisen Tönen bis zu Rhythmusexplosionen
Zum Abschluss dieses ebenso abwechslungsreichen wie klanggewaltigen Konzerts vereinten sich die jüngeren und älteren Musiker noch einmal zur «Samba Tutti». Der Titel des lebhaften, fröhlichen Stücks passte bestens zur ausgelassenen Stimmung, die es verbreitete.
Immer wieder wechselten sich ruhige, geheimnisvolle Passagen mit regelrechten Rhythmusexplosionen ab. Dabei kamen die Präzision und das perfekte Zusammenspiel der Musiker besonders zur Geltung. Die verschiedenen Instrumente entfalteten ihre ganze Klangvielfalt: tiefe und hohe, sanfte und kraftvolle, trockene und nachhallende Töne. Unterschiedliche Tempi und reizvolle Kontraste sorgten für immer neue musikalische Eindrücke.
Mit dieser Sinfonie der Schlaginstrumente gelang es den Musikerinnen und Musikern verschiedener Generationen, eine einzigartige Atmosphäre zu schaffen und das Publikum zu begeistern. Der herzliche Schlussapplaus zeigte, wie sehr die Zuhörerinnen und Zuhörer das Konzert genossen hatten – ein Erlebnis, bei dem es nicht nur viel zu sehen, sondern vor allem viel zu hören gab.





