Erstkontakt mit dem Schnee
19.03.2026 SportVom ersten Versuch auf dem Snowboard bis zu sicheren Sprüngen im Snowpark: Im Saanenland liefen bis letzte Woche Programme wie «Deux im Schnee» und die «Sunrise Snow Days», die Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Schnee erleichtern sollen, ob auf Ski oder ...
Vom ersten Versuch auf dem Snowboard bis zu sicheren Sprüngen im Snowpark: Im Saanenland liefen bis letzte Woche Programme wie «Deux im Schnee» und die «Sunrise Snow Days», die Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Schnee erleichtern sollen, ob auf Ski oder auf dem Snowboard.
JONATHAN SCHOPFER
«Umfallen ist am Anfang normal», sagt Mia, eine Viertklässlerin aus Hinterkappelen, die an diesem Tag zum ersten Mal auf dem Snowboard steht. «Ja, am Anfang muss man schon ein wenig aufpassen», meint ihre Schulkollegin Noelle. Und Noelia ergänzt: «Einfach nie aufgeben!» Was die drei bisher gelernt haben? Die Antwort kommt fast aus einem Mund: «Bremsen!»
Die Primarklasse aus Hinterkappelen nimmt an den «Sunrise Snow Days» teil, einem Angebot für Schulklassen, das Kindern einen niederschwelligen Zugang zum Schneesport ermöglichen will. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt «Deux Im Schnee», allerdings über eine ganze Woche hinweg und verbunden mit sprachlichem Austausch.
Snowboarden über die Sprachgrenzen hinweg
Dieses Jahr gibt es bei «Deux im Schnee» erstmals auch ein eigenes Angebot für Snowboarderinnen und Snowboarder. Früher waren sie meist mit den Skifahrenden unterwegs. Der Unterricht wird von der Snowboardschule Pure organisiert. Angemeldet sind unter anderem
Lisa, Simon und Marvin aus der 8. Klasse der Sekundarschule Sandgruben aus Basel. Ihr Snowboardlehrer Mathis Bouguen spricht kein Deutsch. «Die drei sind schon geübte Snowboarder», sagt Bouguen anerkennend. Er könne ihnen noch kleine technische Hinweise geben, auf Französisch und wenn nötig auf Englisch, sagt er schmunzelnd.
«Man geht an die Sprache über einen sportlichen Weg. Das öffnet viele Türen», sagt Zoe, ihre Lehrerin. Weil die Jugendlichen gemeinsam auf der Piste unterwegs seien und auch die Zimmer teilten, entstehe der Kontakt fast von selbst. Die Klasse aus Basel teilt die Jugendherberge mit einer Klasse aus der Romandie. «Am Anfang weichen sie immer aufs Englische aus. Und Ende Woche haben sie schon gegenseitigen Slang angenommen.» Ihr Lehrerkollege Jan Wolf schätzt zudem, dass das Angebot auch Jugendlichen den Schneesport ermögliche, die sonst kaum Gelegenheit dazu hätten.
Vom Lernpark zu den Schanzen
Lisa, Marvin und Simon springen im Snowpark in Saanenmöser über die Schanzen. Sie haben vom Lehrer gelernt, wie sie höher abspringen und das Board besser kontrollieren können. Auch im Französischen seien ihnen ein paar Wörter hängen geblieben: «On y va, à gauche.» Bei Mia, Noelle und Noelia aus Hinterkappelen, die heute zum ersten Mal auf dem Snowboard stehen, sind Sprünge dagegen noch kein Thema. Sie üben in Saanenmöser im Lernpark. Snowboardlehrer Janosch Rosenmund vom Alpinzentrum Ski- und Snowboardschool Saanenmöser unterstützt sie dabei. «Ich gebe euch eine Lebensweisheit mit: Hört einfach auf den Lehrer», sagt er lachend. Vorwärtsfahren und Switch haben sie bereits gelernt. Mia zieht ein Fazit: «Snowboarden ist gar nicht so schwierig.»
Die Organisation im Hintergrund
Für Katrin Espiasse, die bei Gstaad Saanenland Tourismus (GST) für Nachhaltigkeit und die Sport- und Freizeitkoordination zuständig ist, ist entscheidend, dass die Hemmschwelle für den Schneesport abgebaut wird. «Für uns vom GST und der Region ist es wichtig, dass die Schneesportförderung auf verschiedenen Ebenen geschieht», sagt sie. Kinder und Jugendliche sollten eine Beziehung zum Schnee aufbauen können, unabhängig davon, ob sie aus Hinterkappelen, Genf oder Basel kämen. «Wenn sie danach zu ihren Eltern gehen und sagen: ‹Schneesport fägt – wann gehen wir das nächste Mal?› – dann ist viel erreicht. Genau das ist für die Nachwuchsförderung im Schneesport so wichtig – die Begeisterung in frühen Jahren zu wecken.»
Ein weiterer Punkt sei der Aufwand für die Lehrpersonen. «Es gab Lehrpersonen, denen es zu kompliziert wurde, einen Skitag zu organisieren. Welches Niveau haben die Schulkinder? Wo kann ich buchen?» Genau hier setzten die Programme an. Hinter beiden Angeboten stehen Organisationen wie GoSnow und Swiss Ski, die den Aufwand für die Schulen klein halten. «Diese Organisationen übernehmen die gesamte Administration», erklärt Katrin Espiasse. «Wir – also GST, die Ski- und Snowboardschule Saanenmöser und die Skischule Gstaad – koordinieren vor Ort und versuchen, den Lehrpersonen den Aufenthalt so einfach wie möglich zu gestalten.» Das heisst, im Hintergrund werden GST, regionale Ski- und Snowboardschulen, Sportgeschäfte, die Jugendherberge, die Bergbahnen und mehrere Bergrestaurants im Saanenland aktiv. An beiden Programmen beteiligen sich die regionalen Partner mit günstigen Konditionen und zusammen mit den nationalen Sponsoren werden diese Angebote für Schulen attraktiv.
Erfolgreiche Programme
Der Erfolg zeigt sich auch in den Zahlen: «Deux im Schnee» fand in diesem Winter bereits zum elften Mal statt. 2026 nahmen 22 Klassen teil, davon elf deutschsprachige und elf französischsprachige. Insgesamt waren knapp 430 Schülerinnen und Schüler sowie 52 erwachsene Begleitpersonen dabei. Die Klassen kamen aus den Kantonen Bern, Genf, Nidwalden, Basel-Stadt, Luzern, Jura und Wallis.
Auch die «Sunrise Snow Days» erreichen viele Kinder. Bis Ende März können schweizweit über 9000 Kinder aus rund 50 Ortschaften einen Schneetag erleben. Jährlich werden mehr als 130 Schneetage in 16 Destinationen durchgeführt. Davon waren knapp 400 Kinder in Saanenmöser unterwegs. Die Angebote sind für die Region auch deshalb wichtig, weil sie in der Nebensaison stattfinden.

































