Feier zu Ehren der neuen Grossratspräsidentin – ein besonderer Moment
12.06.2026 PolitikDer Grosse Rat des Kantons Bern hat Anne Speiser am 1. Juni zur neuen Präsidentin gewählt. Als «höchste Bernerin» wird sie während ihres Amtsjahres die Grossratssitzungen leiten und das Kantonsparlament nach aussen vertreten. In ihrer Heimatgemeinde Zweisimmen fand am 4. Juni die ...
Der Grosse Rat des Kantons Bern hat Anne Speiser am 1. Juni zur neuen Präsidentin gewählt. Als «höchste Bernerin» wird sie während ihres Amtsjahres die Grossratssitzungen leiten und das Kantonsparlament nach aussen vertreten. In ihrer Heimatgemeinde Zweisimmen fand am 4. Juni die offizielle Feier zu Ehren der neuen Grossratspräsidentin statt. Für die 64-Jährige war es ein besonderer Moment – nicht nur persönlich, sondern auch für ihre Wohngemeinde, aus der erstmals jemand dieses Amt übernehmen durfte.
Seit 2014 gehört Anne Speiser dem Grossen Rat an – und schaffte es als erste Politikerin aus dem Obersimmental bis zum Präsidium: Zu Beginn der Sommersession wählte der Grosse Rat des Kantons Bern Anne Speiser für das Amtsjahr 2026/2027 zur «höchsten Bernerin». Die Feierlichkeiten zu Ehren der neuen Grossratspräsidentin fanden letzten Donnerstag in der Simmental Arena in Zweisimmen statt.
Regen verhinderte Ehrensalut-Schiessen
Unzählige Einheimische waren der Einladung der Gemeinde Zweisimmen gefolgt und warteten gespannt auf das Eintreffen des Cars mit den Politikerinnen und Politikern an Bord, die mitten in der Sommersession direkt von Bern nach Zweisimmen reisten, um Anne Speiser die Ehre zu erweisen. Kurz nach 16 Uhr fuhr der Car vor und Anne Speiser entstieg ihm freudestrahlend, derweil die Musikgesellschaft Zweisimmen die frisch gebackene Grossratspräsidentin in ihrer Heimat musikalisch willkommen hiess.
Da es kurz zuvor zu regnen begann, entschied das lokale OK unter der umsichtigen Leitung von Gemeinderatspräsidentin Beatrice Zeller, das Schlechtwetterprogramm durchzuführen. Und so stellte sich die Ehrenformation des Kantons Bern in der Simmental Arena auf und der Ehrensalut fiel dem Wetter zum Opfer. Doch auch so machten die rund 30 Kantonspolizisten in historischer Uniform den Anlass zu einem besonderen Ereignis – speziell, als Anne Speiser die Ehrenformation abschritt, waren alle vom feierlichen Moment beeindruckt – ebenso wie vom Berner Marsch, der durch die Musikgesellschaft Zweisimmen eindrücklich gespielt wurde.
Brückenbauerin an der Spitze des Kantonsparlaments
In ihrer Ansprache zeigte sich Anne Speiser geehrt, als erste Vertreterin aus dem Obersimmental das Amt der Grossratspräsidentin zu übernehmen. Zweisimmen sei vor nahezu 30 Jahren zur Wahlheimat der gebürtigen Elsässerin geworden: «Schon früh interessierte ich mich für das öffentliche Leben – zunächst als junge Mutter in schulischen Fragen, später in der Schulkommission, im Gemeinderat und als Gemeinderatspräsidentin.» Ihre Präsidien in der Spitex Saane-Simme und der Maternité Alpine zeigten ihr Engagement für die Bevölkerung der Region. Nun freut sich die 64-Jährige auf das kommende Präsidialjahr: «Auch künftig werde ich mich mit Überzeugung dafür einsetzen, Brücken zu bauen – zwischen Stadt und Land, zwischen verschiedenen politischen Ansichten und zwischen den Sprachregionen unseres zweisprachigen Kantons», so die SVP-Politikerin, die mit Elsässer Herkunft Bilingue ist und so dem zweisprachigen Kanton Bern einen völker- und sprachverbindenden Dienst erweisen kann.
Kantonale Projekte gemeinsam meistern
Auch der neu gewählte Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg erwähnte dies in seiner Rede wohlwollend und blickte auf die bisherige Zusammenarbeit mit Anne Speiser zurück. Beide wurden 2014 in den Grossen Rat gewählt und konnten bereits einige Projekte erfolgreich umsetzen. Besonders stolz sei er auf die Eröffnung des Geburtshauses Maternité Alpine in Zweisimmen, dessen Genossenschaftsverwaltung Anne Speiser präsidiert. «Mit dir haben wir eine Person als Grossratspräsidentin, die weiss, was es bedeutet, sich in unserem Kanton zu bewegen und zu beweisen», sagte Pierre Alain Schnegg: «Dir ist bewusst, dass das Wichtigste an der politischen Arbeit der Dialog mit der Bevölkerung ist.»
Erste Grossratspräsidentin aus demObersimmental
Beatrice Zeller begrüsste als Gemeindepräsidentin von Zweisimmen die Anwesenden herzlich und freute sich ganz besonders über die Wahl der ersten Obersimmentaler Grossratspräsidentin. Anne Speiser vertrete nicht nur ihre Wohngemeinde, sondern die ganze Region: «Somit sind die Bedeutung und die Ehre deiner Wahl noch um einiges grösser.»
Auch SVP-Fraktionspräsidentin Barbara Josi würdigte das langjährige politische Engagement von Anne Speiser in der Region. Sie bringe den Mut und das Verantwortungsbewusstsein mit, das dieses Amt brauche: «Als SVP-Mitglied und Simmentalerin bin ich stolz, dass du unser Parlament nun während eines ganzen Jahres lenken und unseren Kanton repräsentieren wirst.» Mit einem humorvollen Seitenblick verglich die Wimmiserin Barbara Josi den Sprung von Anne Speiser ins kalte Wasser der Simme: «Du bist direkt ins Amt der ersten Grossrat-Vizepräsidentin eingetaucht wie ein Fisch im Wasser und ohne vorgängigen Schwimmkurs! Dieses ungewöhnliche Ereignis ist eingetreten, weil Raphael Lanz aufgrund seiner Regierungsratskandidatur demisioniert hatte – zum Glück – nun haben wir sowohl einen exzellenten Regierungsrat als auch eine exzellente Grossratspräsidentin!»
Amtsübergabe des Präsidiums
Auch die abtretende Grossratspräsidentin Edith Siegenthaler bedankte sich bei Anne Speiser für die gute Zusammenarbeit im vergangenen Amtsjahr und wünschte ihr alles Gute sowie viel Freude bei der Leitung des Ratsbetriebs: «Es ist ein wunderbares Amt und ein grosses Privileg, zur höchsten Bernerin gewählt zu werden.» Mit einer speziellen Vase beschenkte die abtretende Grossratspräsidentin ihre Nachfolgerin – wohlwissend, dass Blumen im Präsidialjahr ein häufiges Präsent sind. Nach der Ansprache ihrer Vorgängerin ergriff Anne Speiser selbst das Wort – begleitet von ihren beiden strahlenden Grosstöchtern Zoé und Joëlle in Tracht.
Spezialität aus dem Elsass offeriert
Anne Speisers Familie stand an diesem einzigartigen Tag mit Ehemann Stephan Speiser, den erwachsenen Kindern Désirée, Cédric und Jérôme sowie den beiden Grosskindern Zoé und Joëlle, die ihr Nani auf diesem einzigartigen Weg begleiten durften, an ihrer Seite. Berührt war die 64-Jährige auch von der Anwesenheit sämtlicher Geschwister, die zu ihrer Überraschung extra aus dem Elsass angereist waren. Bruder Christian sorgte mit seiner Partnerin und weiteren Angehörigen zudem für ein kulinarisches Highlight: Die unzähligen Flammkuchen, die auf Wunsch von Anne Speiser den Gästen frisch zubereitet offeriert wurden, waren ein Genuss und machten ihrem Namen als Elsässer Spezialität alle Ehre – ebenso wie der einheimische Hobelkäse.
Daneben stiessen die anwesenden Gäste mit Sekt auf und mit der höchsten Bernerin an. Ein sympathischer Anlass, der Anne Speiser als Start in ihr herausforderndes Jahr als Grossratspräsidentin bestimmt Freude und Kraft geben wird. Nach dem offiziellen Festakt endeten die Feierlichkeiten mit einem gemeinsamen Abendessen der geladenen Gäste in der Simmental Arena.
«SIMMENTAL ZEITUNG»/LUZIA WYSSEN





