Neuer Wein in alten Schläuchen: das neue Ferienlager
23.06.2026 LauenenAm Tag der offenen Tür im alten Schulhaus zeigte die Gemeinde Lauenen die Renovationen und Anpassungen, die in den letzten Monaten getätigt wurden, der Öffentlichkeit. Gemeinderätin Claudia Ryter und die Hausverwalterin Daniela Annen führten die Besucher:innen durch das Gebäude, das ...
Am Tag der offenen Tür im alten Schulhaus zeigte die Gemeinde Lauenen die Renovationen und Anpassungen, die in den letzten Monaten getätigt wurden, der Öffentlichkeit. Gemeinderätin Claudia Ryter und die Hausverwalterin Daniela Annen führten die Besucher:innen durch das Gebäude, das sich vom Schulhaus über eine Militärunterkunft bis zu einem beliebten Lagerhaus entwickelte.
VRENI MÜLLENER
Das alte Schulhaus in der «Altstadt» Lauenen wurde 1847 als Holzkonstruktion erbaut. Viele Generationen, unzählige Kinder lernten dort Lesen und Rechnen. 1962 wurde das jetzige Schulhaus fertiggestellt und die Schüler:innen und ihre Lehrer zogen im Neubau ein. Bis in die späten Achtzigerjahre belebten WK-Soldaten der Schweizer Armee das nun leer stehende Gebäude, das für diesen Zweck bauliche Anpassungen erfuhr.
Nachdem die Schweizer Armee verkleinert worden war, kamen keine Soldaten mehr ins Bergdorf. Das über 100-jährige Haus mit vier Etagen fand seine neue Bestimmung als Unterkunft für verschiedene Ferienlager im Sommer und im Winter. 1996 wurde es umfassend renoviert, den neueren Bedürfnissen angepasst und gemütlich eingerichtet.
Seit längerer Zeit war die Sanierung der Liegenschaft im Finanzplan der Gemeinde vorgesehen. Nun konnte die erneute Anpassung und damit der Schritt in die Neuzeit fertiggestellt werden. Anfang Juli 2026 werden die ersten Kinder- und Jugendlager einziehen und ihre Ferienwochen im beliebten Bergtal verbringen.
«Das Highlight für die Benutzenden wird die Abwaschmaschine sein»
INTERVIEW: VRENI MÜLLENER
Als Köchin lag Ihnen sicher die Erneuerung der Küche am Herzen. Die riesigen Kochkessel aus Militärunterkunftszeiten und der träge Herd mit Backofen haben ausgedient. Auf was können sich die Lagerteilnehmer:innen und ihr Kochpersonal freuen?
Über die neue Abwaschmaschine werden sich bestimmt alle Jugendlichen freuen, die ein Ämtli in der Küche auszuführen haben. Für Köch:innen werden der Kombisteamer und der neue Herd eine grosse Arbeitserleichterung bringen. Wir bauten die Küche nach den Hygieneanforderungen des Lebensmittelgesetzes.
Welche Jahreszeit läuft besser, Sommer oder Winter?
Unser Lagerhaus ist im Sommer und Winter ausgeglichen gebucht. Die Küche und der Essraum im Erdgeschoss sollen in der Zwischensaison der einheimischen Bevölkerung für private Aktivitäten zur Verfügung stehen.
Was für Gruppen sind an diesem Angebot interessiert?
Grosse Gruppen reservieren die Unterkunft meistens sehr frühzeitig, das ist ein grosser Vorteil. Wenn wir Kapazität haben, sind wir natürlich auch an kleineren Gruppen interessiert. Es kommen Pfadi-, Blauring-, Jungschar-, Musikund andere Lager, mehrtägige Schulreisen, manchmal nur durchreisende Gruppen für eine Nacht, das Haus erfüllt ganz verschiedene Bedürfnisse.
Wie sind die Schlafplätze ausgestattet?
In den Mehrbettzimmern befinden sich Etagenbetten. Kissen und Wolldecken sind vorhanden, Schlafsäcke müssen mitgebracht werden.
Haben Sie Mehrarbeit, während ein Lager einquartiert ist?
Alle unsere Gruppen sind Selbstversorger, sie bringen jemanden mit, der/die die Lagerteilnehmer:innen bekocht. Am Ende der Lagerzeit muss das Haus gereinigt zurückgegeben werden. Das heisst, so sauber, wie man es gerne selber antreffen möchte. Das klappt in der Regel gut. Die weitläufigere Putzarbeit ist dann meine Aufgabe.
Machen Sie auch die Abrechnung mit den Gruppen?
Die Abrechnung der Aufenthalte erfolgt am Abreisetag mit den verantwortlichen Personen unserer Gästegruppen. Hier werden auch beschädigtes Inventar und allfällige Schäden aufgenommen. Die Rechnungsstellung inklusive Kurtaxen erfolgt dann durch die Finanzverwaltung der Gemeinde.
«Es ist ein grosser ‹Hosenlupf› für die Gemeinde»
INTERVIEW: VRENI MÜLLENER
Aufgrund von welchen Überlegungen hat sich der Gemeinderat für die Sanierung des Ferienlagers entschieden?
Wohnungen für Einheimische zu erstellen wäre zwar ein Bedürfnis, aber mit einem unverhältnismässig grossen Aufwand verbunden gewesen. Mit dem Entscheid, das Ferienlager zu sanieren, wollte die Behörde das Angebot für günstige Unterkünfte in der Gemeinde erhalten.
Wie ging es weiter, nachdem sich der Gemeinderat darauf geeinigt hatte, das als erhaltenswert eingestufte Ferienlager zu sanieren und auch weiterhin den Betrieb zu übernehmen?
Nach diesem Entscheid wurde ein Bauausschuss aus Mitgliedern des Gemeinderats, der Bau- und Finanzkommission sowie der Verwalterin des Hauses gebildet. In Zusammenarbeit mit FSW Kreatektur AG wurde ein zweckdienliches Projekt ausgearbeitet, das den Anforderungen der kantonalen Behörden, den baupolizeilichen Vorschriften sowie den neuen Brandschutzstandards gerecht wurde.
Welches sind die wichtigsten Veränderungen, die gemacht wurden?
Ein Lagerhaus mit 70 Betten ist eher selten und unser grosser Trumpf. Dennoch haben wir die Wohnung im dritten Stock in zwei Wohneinheiten mit Massenlagern umgebaut, um auch kleinere Gruppen berücksichtigen zu können. Der Zustand der grossen Küche im Erdgeschoss sowie die Einrichtung der sanitären Anlagen waren nicht mehr zeitgemäss. Einzelduschen und moderne Lavabos ersetzen nun die offenen Duschen und langen Waschtröge. Die älteren Fenster wurden ersetzt, die Bodenplatten im Eingang und Treppenhaus erneuert. Dank der hohen Räume war es kein Problem, die Böden mit Entkopplungsmatten und Vinylboden zu versehen.
Wie seht die zukünftige Nutzung energietechnisch aus?
Das Haus wird wie bisher mit Fernwärme aus der Schnitzelheizung beim Schulhaus versorgt. Mit teilweise neuen Fenstern und der verbesserten Wärmedämmung der Wände wurde der Aufwand für das Heizen optimiert. Mit der Erneuerung sämtlicher elektrischer Anlagen und der Installation von LED-Lampen kann der Energieverbrauch gesenkt werden. Auf der anderen Seite stehen die heutigen Bedürfnisse, der Zugang zu WLAN ist auf jedem Stock eingerichtet, ebenso die Mehrfachladestationen für Handys.
Konnte das einheimische Gewerbe berücksichtigt werden?
So weit es möglich war, wurde das Lauener Gewerbe berücksichtigt. Es gab auch Aufträge, die niemand in der Gemeinde ausführen konnte, beispielsweise die Gastroküche.
Die Gemeindeversammlung hat den Baukredit von 1,237 Mio. Franken einstimmig genehmigt. Was bedeutet das für die Gemeinde Lauenen?
Es tat gut, zu wissen, dass die Bevölkerung voll hinter dem Projekt steht. Aber es wird ein grosser finanzieller «Hosenlupf» für unsere Gemeinde. Drei Viertel der Bausumme werden als werterhaltend eingestuft, das heisst, dass der Betrag von 928’000 Franken als Unterhalt gilt und in der Jahresrechnung der Gemeinde direkt als Aufwand ausgewiesen wird. Aufgrund der erneuerten Einrichtung erhöhten wir die Benutzertarife, sind aber nach wie vor im Rahmen von vergleichbaren Unterkünften.
Nach dem Beitritt zu den Bergsteigerdörfern – Verbund von Bergdörfern im gesamten deutschen Alpenraum – letztes Jahr ist die Sanierung des Ferienlagers für den Gemeinderat Lauenen ein weiterer Schritt, nachhaltigen Tourismus zu fördern – die jugendlichen Lagerbewohner sollen unsere Gäste der Zukunft sein!





