Livemusik mitten im Schilf
18.08.2026 KulturLivemusik, Zirkuszelt und eine Zwei-Meter-Discokugel mitten in der Bergwelt: Mit «Musig im Schilf» wagte sich die Jeunesse Saanenland erstmals an ein eigenes Festival.
MAXIME VÖGELE
Ein Zirkuszelt, eine Zwei-Meter-Discokugel, eine Bar und ein Foodtruck und die ...
Livemusik, Zirkuszelt und eine Zwei-Meter-Discokugel mitten in der Bergwelt: Mit «Musig im Schilf» wagte sich die Jeunesse Saanenland erstmals an ein eigenes Festival.
MAXIME VÖGELE
Ein Zirkuszelt, eine Zwei-Meter-Discokugel, eine Bar und ein Foodtruck und die Reusch bei Gsteig ist bereit für das «Musig im Schilf». Ein Festival zu organisieren stand schon länger auf der Todo-Liste der Jeunesse Saanenland. Mit dem Motto «Zäme öppis fürischrisse – bisch derbi?» hat sich die junge Truppe zum Ziel gesetzt, die Ausgangsmöglichkeiten in der Region zu beleben. Nun wagte sie sich erstmals an ein eigenes Festival.
Pünktlich zum Beginn des ersten Konzerts zieht sich auch das Gewitter zurück, das am Freitagnachmittag noch über dem Saanenland wütete. Für einmal ist eher «Jäggli-Wetter» statt gewohnten sommerlichen Temperaturen angesagt.
Ab ins Schilf
«Hört man mich überhaupt im Video?», fragt Nick Blum, Präsident der Jeunesse Saanenland, im Gespräch mit dem «Anzeiger von Saanen», während die einheimische Coverband «SchoccoRocco» im Hintergrund für Stimmung sorgt.
Blum erzählt, die Idee eines Festivals im Saanenland sei bei der Jeunesse schon länger im Raum gestanden. Als sie sich vergangenen November dazu entschieden, die Idee anzugehen, ging es darum, eine passende Location zu finden. Zur Auswahl standen der Mettlenwald in Gstaad und die Reusch bei Gsteig. «Das Panorama hier hat sich gegen die Event-Lokalität in Gstaad durchgesetzt», erzählt Nick Blum. Von mächtigen Bergwänden umgeben, bietet die Reusch eine eindrückliche Kulisse für das Festival.
Mit dem Veranstaltungsort erklärt sich auch der Name «Musig im Schilf»: Reusch geht auf die mittelhochdeutschen Begriffe «Rüsch» oder «Riusch» für Schilf zurück. Damit wurde ursprünglich ein schilfbewachsener oder sumpfiger Ort bezeichnet. «Musig im Schilf» greift diese Bedeutung auf und spielt gleichzeitig darauf an, dass etwas «im Schilf» auch für einen abgelegenen, besonderen Ort stehen kann – passend zur Lage des Festivals mitten in der Natur.
Dass die Reusch etwas ab vom Schuss liegt und für die meisten Besuchenden nicht gerade vor der Haustür liegt, versuchen die Veranstalter mit Shuttlebussen aufzufangen. Auch die Anreise mit Auto oder Camper ist möglich.
Das bisher grösste Projekt
Nach Besucherzahlen ist «Musig im Schilf» nicht der grösste Anlass, den die Jeunesse Saanenland bisher durchgeführt hat. An der Silvesterparty vor einigen Jahren feierten rund 800 Nachtschwärmer mit. Was Organisation, Material, Bands und Eventbau betrifft, betreten die jungen Organisatorinnen Organisatoren mit dem Festival jedoch Neuland.
Von Berner Rap zum Mitwippen, über Punk-Pop, der einen musikalisch in die 2000er zurückversetzt, bis Cover-Songs zum Mitgrölen war im Zirkuszelt alles mit dabei. Der bunte Mix zwischen den Musikrichtungen sei bewusst gewählt worden, sagt Nick Blum: «Wir haben geschaut, dass wir ein breites Publikum ansprechen.» Das Line-up zusammenzustellen entpuppte sich aber auch als Herausforderung. Als die Planung so richtig losging, waren viele grössere Künstler:innen schon ausgebucht. «Dann war es ein Zusammenspiel zwischen den verfügbaren Künstlern und was im Budget liegt.» Zusätzliche Arbeit verursachten kurzfristige Änderungen: Bei einigen Main-Acts habe man bereits eine Zusage gehabt und später doch wieder Ersatz suchen müssen. «Das war mühsam», sagt Blum.
Beim Bau war vor allem die Herausforderung, dass das Gelände schräg ist. Blum erzählt, man sei froh, dass das Wetter mitspielte. «Der ganze Bau an sich hat gewisse Schwierigkeiten mit sich gebracht, aber ich glaube, wir sind da kompetent aufgestellt, dass wir das ausgleichen können.»
Für jeden etwas dabei
Am Freitag eröffneten «Batteries and Sweets» das Festival mit Skate-Rock, eigenen Stücken und Coversongs. Dass ihr eigenes Repertoire für anderthalb Stunden noch nicht ganz ausreicht, nahm die junge Band mit Humor: «Also alle Songs, die ihr nicht kennt, sind von uns, die anderen sind Covers.»
Danach sorgten die Lokalmatadoren von «SchoccoRocco» mit Coversongs und viel Humor für gute Laune im Schilf.
Am Samstag gehörte die Bühne der Rockband «Death by Chocolate», den Berner Routiniers von «Churchhill» und der Zürcher Band «Baba Shrimps». Nach den Liveacts ging es jeweils mit DJs weiter: am Freitag mit DJ Sexy Kilo, am Samstag mit DJ Giannex.
Belohnter Aufwand
Hinter dem zweitägigen Festival steckt viel Freiwilligenarbeit. Die Organisation stemmen die Vorstandsmitglieder der Jeunesse Saanenland neben ihren Vollzeitjobs. Für die Aufbauwoche nahmen fünf von ihnen eine ganze Woche Ferien, für den Abbau nochmals rund eine halbe.
Ob «Musig im Schilf» künftig einen festen Platz im Eventkalender erhält, lässt Blum noch offen. «Wenn die schönen Erinnerungen überwiegen, sind wir sicher gewillt, weiterzufahren.»
Zumindest am Freitagabend scheint sich der Aufwand gelohnt zu haben. Während hinter ihm die Band noch immer spielt, blickt Blum zufrieden über das Festivalgelände. Am meisten freue ihn, «das ganze Set-up einfach so zu sehen, wie wir es uns vorgestellt haben» – und natürlich die Bands. «Ich bin ein sehr grosser Fan von Livemusik.»






