Filmpodium Saanenland zeigt: «Black Box Diaries»
13.02.2026 VorschauAm kommenden Montag, 16. Februar, zeigt das Filmpodium Saanenland den Dokumentarfilm «Black Box Diaries» von Shiori Ito, im Kino Gstaad.
«Man kann kein Problem lösen, das man nicht kennt. Ich möchte weiterhin Dinge sichtbar machen, sie ans Licht ...
Am kommenden Montag, 16. Februar, zeigt das Filmpodium Saanenland den Dokumentarfilm «Black Box Diaries» von Shiori Ito, im Kino Gstaad.
«Man kann kein Problem lösen, das man nicht kennt. Ich möchte weiterhin Dinge sichtbar machen, sie ans Licht bringen. Denn nur so werden sie sich verändern», so Regisseurin Shiori Ito. Bei ihrer Geschichte handelt es sich nicht um einen individuellen Fall, sondern um den Kampf gegen das Schweigen und um die Suche nach Gerechtigkeit. Die Regisseurin wird schliesslich auch zu einer Ikone der japanischen #MeToo-Bewegung.
2015: Shiori Ito, 25 Jahre alt, absolviert ein Praktikum beim Medienkonzern Thomas Reuters. Sie wird vom bekannten japanischen Fernsehjournalisten Noriyuki Yamaguchi zu einem Abendessen eingeladen. Der 54-jährige Yamaguchi ist auch Freund und Biograf des damaligen japanischen Premierministers Shinzo Abe. Laut Ito wurde ihr auf der Toilette schlecht und sie verlor das Bewusstsein. Überwachungskameras zeigen, wie Yamaguchi die junge Frau in ein Hotelzimmer brachte, wo sie von ihm vergewaltigt worden sei – sagt Ito. Zwei Jahre lang versuchte sie ohne Erfolg, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Es war, als könne sich Yamaguchi auf mächtige Freunde verlassen. Die Staatsanwaltschaft beschloss schliesslich, den Fall wegen Mangel an Beweisen nicht weiter zu verfolgen.
2017: Shiori Ito richtet die Kamera auf sich selbst und dokumentiert. Sie will ihren Fall bei einer Pressekonferenz öffentlich machen und Zivilklage gegen Yamaguchi einreichen. Der Film «Black Box Diaries» entsteht aus dem Bedürfnis heraus, ihre Ermittlungen aufzuzeigen, als Reaktion auf die Weigerung der Behörden, den Fall gründlich zu verfolgen. Gleichwohl auch, um ihre Ängste und Gedanken festzuhalten, und getrieben von der Hoffnung, mit dem Film in der japanischen Gesellschaft sowie dem Justizsystem etwas zu verändern.
Ito verarbeitet mit dem Film das eigene Trauma und deckt Missstände grundsätzlich auf. Weil Opfer sexueller Gewalt sich in Japan normalerweise schämen und lieber darüber schweigen. Ein Gang an die Öffentlichkeit ist ein absolutes Tabu. Viele denken, es sei ein Fehlverhalten der Frau, wenn sie Opfer eines Übergriffs wird. Japans Sexualstrafrecht stammt im Kern von 1907, als Frauen in Japan noch kein Wahlrecht hatten. Vergewaltigte müssen beweisen, dass ihr Peiniger ihnen körperlichen oder seelischen Schaden zugefügt hat. Die Hürde für eine Anklage ist hoch. Laut einer Untersuchung der japanischen Regierung wenden sich nur vier Prozent der betroffenen Frauen an die Polizei.
Shiori Ito wagt den Schritt an die Öffentlichkeit. Über persönliche Videotagebucheinträge, Archivmaterial, geheime Ermittlungsvideos, Tonaufnahmen und Interviews mit Expert:innen erhalten wir als Zuschauerinnen und Zuschauer einen einmaligen Einblick in die Aufarbeitung des Falls. Ein Kampf, den sie von ihrem 27. bis zum 33. Lebensjahr mit der Kamera begleitete.
FILMPODIUM SAANENLAND
Das Filmpodium Saanenland zeigt «Black Box Diaries» am kommenden Montag, 16. Februar, um 20.30 Uhr im Kino Gstaad. Nichtmitglieder sind herzlich willkommen und zahlen an der Abendkasse.

