Filmpodium Saanenland zeigt: «Namaste Seelisberg»
05.06.2026 VorschauDas Filmpodium Saanenland zeigt am kommenden Montag, 8. Juni, den Film «Namaste Seelisberg» im Kino Gstaad.
Seelisberg, ein Urner Bergdorf mit 700 Einwohnenden, direkt über der Rütliwiese gelegen, wird 1970 abrupt aus seinem Dornröschenschlaf ...
Das Filmpodium Saanenland zeigt am kommenden Montag, 8. Juni, den Film «Namaste Seelisberg» im Kino Gstaad.
Seelisberg, ein Urner Bergdorf mit 700 Einwohnenden, direkt über der Rütliwiese gelegen, wird 1970 abrupt aus seinem Dornröschenschlaf gerissen. Der indische Guru Maharishi Mahesh Yoga übernimmt mit seiner Anhängerschaft das Grandhotel Sonnenberg und macht es zum Zentrum für seine neohinduistische Meditationsbewegung. Bekannt wurde seine Lehre als «Transzendentale Meditation» und zu Spitzenzeiten hatte sie nach eigenen Angaben über zwei Millionen Praktizierende weltweit. Auch Weltstars erhofften sich durch die Transzendentale Meditation künstlerische Inspiration. An vorderster Front sassen die Beatles, die Beach Boys, Mia Farrow, David Lynch oder Clint Eastwood zu Füssen des Gurus.
Bis zu 300 Personen wohnten in den Siebziger- und Achtzigerjahren in den Hotelräumen und übten sich in den Lehren des Maharishi und vor allem im sogenannten «yogischen Fliegen», mit welchem sie die Schwerkraft überwinden wollten. Der Guru selbst flog regelmässig mit dem Helikopter in Seelisberg ein.
Sein am 12. Januar 1975 in Seelisberg ausgerufenes «Zeitalter der Erleuchtung» und die 1976 gegründete «Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung» mit zehn «Ministerien» (darunter ein «Ministerium zur Gesundheit und Unsterblichkeit») irritierte nicht nur Skeptiker. Die plakativ-provozierende Ausrufung dieser «neuen Ära» in Metropolen wie New York, London, Paris, Hamburg und Berlin rief zunehmend Kritiker auf den Plan, die in der Bewegung eine «gefährliche Jugendsekte» sahen.
In den Neunzigerjahren forderte der Maharishi seine Anhänger vermehrt auch dazu auf, politisch aktiv zu werden. Als Folge wurde auch in der Schweiz die Naturgesetzpartei gegründet und es gab erfolglose Kandidaturen für den Nationalrat und den Zürcher Regierungsrat. Zum Wahlprogramm gehörte die Anstellung von 300 yogischen Fliegern. Sie sollten rund um die Uhr meditieren und damit ein Kraftfeld erzeugen, um den Kanton Zürich friedlich und unbesiegbar zu machen.
Der Zenit der Seelisberger Yogis war danach aber bald überschritten und die Aktivitäten der Transzendentalen Meditation beschränkten sich fortan nur noch auf eine kleine Randgruppe, welche noch bis Ende des letzten Jahres im ehemaligen Hauptsitz über dem Vierwaldstädtersee wohnten.
Der Urner Filmemacher Felice Zenoni interessiert sich in seinem Dokumentarfilm «Namaste Seelisberg» weniger für die Lehre der Transzendentalen Meditation als für die Veränderungen, welche die Ankunft der Yogis in Seelisberg auslösten. 1964 in Altdorf geboren, erlebte Zenoni die Aktivitäten der Yogis während seiner Kindheit und als Jugendlicher aus nächster Nähe.
«Die spirituelle Bewegung traf auf eine katholisch geprägte Bevölkerung in einem traditionellen Schweizer Bergdorf», beschreibt der Filmemacher Felice Zenoni die explosive Situation in Seelisberg in den Siebzigerjahren. Zwei unterschiedliche Kulturen prallten aufeinander. Zu Beginn hätten die Menschen in Seelisberg ablehnend reagiert. Unter anderem seien Gerüchte kursiert über den angeblichen Drogenkonsum der Yogis.
Über die Jahrzehnte hätten sich die Yogis und die Einheimischen aneinander gewöhnt, sagt Felice Zenoni, der für seinen Film mit Personen von beiden Seiten gesprochen hat. «Und die Dorfbevölkerung merkte, dass sich mit den Yogis Geschäfte machen lassen.» Beispielsweise verkauften sie ihnen Blumen. Zenoni spricht im Film mit Zeitzeugen und zeigt viel Archivmaterial, teilweise noch unveröffentlichte Aufnahmen aus dem Umfeld der Yogis vom Seelisberg.
Ende letzten Jahres ging die Ära der Yogis in Seelisberg zu Ende. Bereits mit dem Tod von Maharishi Mahesh Yogi im Jahr 2008 hatte die Bewegung an Bedeutung verloren. In den letzten Jahren lebten noch knapp 20 Yogis im Grandhotel Sonnenberg. Schliesslich verkauften sie die Hotelanlage an eine Luzerner Immobilienfirma, die sie wieder als Hotel und für Wohnungen nutzen will. «Für die Bevölkerung in Seelisberg ist es ein Neuanfang», meint Filmemacher Felice Zenoni.
FILMPODIUM SAANENLAND
Wir zeigen Ihnen «Namaste Seelisberg» am Montag, 8. Juni, um 20.30 Uhr im Kino Gstaad und gehen damit in die Sommerpause. Einzeleintritte sind an der Abendkasse erhältlich.

