Franjo von Allmen gewinnt zweimal Gold
09.02.2026 SportDie erste Olympische Goldmedaille 2026 ging an die Schweiz: an den Boltiger Franjo von Allmen. Der 24-Jährige gewann Gold vor dem gleichaltrigen Italiener Giovanni Franzoni. Bronze ging an den 36-jährigen Italiener Dominik Paris. Mitfavorit Marco Odermatt musste mit Rang 4 ...
Die erste Olympische Goldmedaille 2026 ging an die Schweiz: an den Boltiger Franjo von Allmen. Der 24-Jährige gewann Gold vor dem gleichaltrigen Italiener Giovanni Franzoni. Bronze ging an den 36-jährigen Italiener Dominik Paris. Mitfavorit Marco Odermatt musste mit Rang 4 Vorlieb nehmen und Alexis Monney mit Rang 5. Bei der Team-Kombi drei Tage später doppelte der Olympiasieger nach.
ANITA MOSER
«Das ist es! Sieg!», legte sich Beat Feuz, Experte bei SRF, fest, nachdem bei der Zieldurchfahrt von Franjo von Allmen die Grün aufleuchtete – 70 Hundertstel vor dem grossen Favoriten Marco Odermatt. Er wüsste nicht, wer ihn noch toppen könnte. «Ist des eine Traumfahrt gwesn», kommentierte auf ORF auch der ehemalige Skirennfahrer Hans Knauss. Und die beiden sollten recht behalten. Keiner der 28 Fahrer nach Franjo von Allmen kam an die Zeit 1:51.61 heran. Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni kam von Allmen zwar noch sehr nahe – die beiden trennten nur 20 Hundertstel. Und Altmeister Dominik Paris sicherte sich auf seiner Heimpiste mit 50 Hundertstel Rückstand auf den Berner Oberländer die Bronzemedaille.
Nervosität, riesige Freude und «safe ist safe»…
Er sei sehr cool ans Rennen herangegangen, locker, es habe alles gepasst. «Aber jetzt bin ich nervös. Bin auf Nadeln», sagte er zur Rennhälfte gegenüber Paddy Kälin von SRF.
Zum Siegerinterview kommt er ohne Medaille. Diese habe er im Safe deponiert. «Ich kenne mich, ich verliere sie sonst, ich bin ein Chaot. Safe ist safe», grinst er in die Fernsehkamera. «Ich habe nach Weihnachten etwas geübt…», lacht der frisch gekürte Olympiasieger zur Bemerkung von Beat Feuz über seine Sprünge. Es mache Freude, sei schön, speziell auch, wenn Olympia so nahe von zu Hause stattfinde, dass so viele Leute, die einem nahestehen, vor Ort seien, sagt er mit Blick auf seinen Fanclub. «Und wenn es dann so läuft… das macht irgendwie schon etwas mit einem.»
Er habe versucht, das Skifahren nicht wirklich kompliziert zu machen, sagt er gegenüber dem österreichischen Fernsehen. «Zeigen, was ich kann, nicht übers Limit pushen und dass es dann so aufgeht, ja, das hätte ich auch nicht gedacht. Aber es ist unglaublich schön.»
Franjo von Allmen schreibt Skigeschichte
Den ersten grossen Titel feierte Franjo von Allmen am 9. Februar 2025 als Abfahrtsweltmeister in Saalbach-Hinterglemm. Mit dem Olympiasieg ist er der Erste seit über 50 Jahren, der als aktueller Weltmeister auch Olympiasieger wird. Zuletzt gelungen ist dies Bernhard Russi. Der Schweizer wurde 1970 Weltmeister in Gröden und zwei Jahre später Olympiasieger in Sapporo.
Der 7. Februar – ein Glückstag für die Schweiz
Der 7. Februar scheint ein Glückstag zu sein für die Schweizer Abfahrer. Immer, wenn an einem 7. Februar eine Olympiaabfahrt stattfand, gewann ein Schweizer: 1972 Bernhard Russi, 2022 Beat Feuz und 2026 steht mit Franjo von Allmen wieder ein Schweizer zuoberst auf dem Podest. Er ist der fünfte Schweizer Olympiabfahrtsieger nach Bernhard Russi 1972, Pirmin Zurbriggen 1988, Didier Défago 2010 und Beat Feuz 2022. Und es gelingt erst zum zweiten Mal einer Nation, zweimal hintereinander den Abfahrtsolympiasieger zu stellen: 1976 Österreich mit Franz Klammer und vier Jahre später Leonhard Stock und jetzt die Schweiz mit Beat Feuz 2022 und Franjo von Allmen 2026.
Quellen: SRF und ORF
ZWEITES GOLD FÜR VON ALLMEN
Nach der Goldmedaille in der Abfahrt gewann Franjo von Allmen drei Tage später – kurz vor Redaktionsschluss – mit Tanguy Nef auch die Team-Kombi. Der Boltiger ist damit der erste Schweizer Alpine bei den Männern, der Doppelgold an Olympischen Spielen gewinnt. Und am Mittwoch hat er beim Super-G die Chance auf einen dritten Streich…
MOA
SANDRO SIEGENTHALER, PRÄSIDENT DES FANCLUBS FRANJO VON ALLMEN («FRANATIKER»), IM INTERVIEW
Rund 20 Mitglieder des Fanclubs von Franjo «Nöggu» von Allmen haben ihr Idol am Samstag vor Ort angefeuert. Der Fanclub sei seit der Gründung 2022 auf rund 1300 Mitglieder gewachsen, sagt Fanclub-Präsident Sandro Siegenthaler.
ANITA MOSER
Sandro Siegenthaler, Sie waren am Samstag in Bormio. Wie viele Fans sind insgesamt angereist?
Wir waren rund 20 Personen, inklusive Familienmitglieder von Franjo.
Haben Sie das Rennen gut verfolgen können? War die Sicht gut? Man hört ja verschiedenes.
Wir hatten Tribünenplätze, so haben wir das Rennen relativ gut gesehen. Aber es war speziell.
Inwiefern?
Von den Sicherheitskräften bekamen wir immer wieder Hinweise, dass man sich setzen soll. Aber bei Franjos Fahrt sind wir trotzdem aufgestanden!
Wie haben Sie die Fahrt erlebt?
Sehr emotional. Aber wir haben ja gewusst, was er kann. Von dem her haben wir daran geglaubt, dass es gut kommen kann. Und so ist es ja dann auch gekommen. Es ist einfach grossartig, was er geleistet hat.
Von Allmen hat eine Handvoll Weltcupabfahrten gewonnen, vor einem Jahr wurde er Weltmeister, jetzt ist er Olympiasieger. Was sagen Sie grundsätzlich zu seiner Entwicklung?
Es ging extrem schnell. Ich kann mich nur wiederholen: Es ist grossartig, was er in den Schnee zaubert, wie rasant sein Aufstieg gekommen ist. Und er ist trotz des Erfolgs, des Drum und Dran, am Boden, bodenständig geblieben.
Haben Sie ihn nach dem Rennen gesehen, mit ihm gesprochen, mit ihm gefeiert?
Ja, wir haben ihn kurz gesehen und ihm gratulieren können. Aber eben, für ihn haben ja die Olympischen Spiele auch erst angefangen. Darum ist sein Fokus auf den weiteren Rennen.
Wie erleben Sie die Stimmung in Bormio? Haben Sie einen Vergleich zu anderen Veranstaltungen?
Es sind meine ersten Olympischen Spiele als Zuschauer vor Ort. Aber wir waren letztes Jahr ebenfalls spontan an den Weltmeisterschaften in Saalbach-Hinterglemm. Die Stimmung mit damals ist nicht zu vergleichen.
Wie einfach oder schwierig war es, zu Tickets zu kommen?
Der Ticketkauf allgemein war sehr schwierig. Wir wussten selber lange nicht, ob wir Tickets erstehen können und so haben wir als Fanclub unseren Mitgliedern keine Tickets und leider auch keine offizielle Reise für die Spiele anbieten können. So wurde das alles recht spontan. Ich selber habe nicht mehr gross daran geglaubt, dass wir fahren können. Rund eine Woche vor dem Rennen hat die Sache doch noch ein wenig Fahrt aufgenommen und wir haben sogar noch eine Unterkunft gefunden. Und einige wenige konnten am letzten Samstagabend noch Tickets ergattern.
Es könnte sich lohnen, länger zu bleiben…?
Ich bin wieder zu Hause, aber eine kleine Delegation ist noch in Bormio.
Wagen Sie eine Prognose für den Super-G am Mittwoch?
Es liegt alles drin, der grösste Druck ist jetzt weg, wenn er ihn überhaupt gespürt hat. Er kann jetzt befreit Skifahren. Was er kann, wissen wir alle und ich schliesse nicht aus, dass er noch eine Medaille gewinnt.
Ich nehme an, in Boltigen wird es einen grossen Empfang geben?
Es ist etwas geplant, aber Konkretes wissen wir noch nicht. Der Sieg ist ja auch noch ganz frisch.
Sie haben ja Erfahrung vom letzten Jahr…
(lacht) Ja genau. Wir könnten das Konzept aus der Schublade nehmen… Es wird etwas geben, aber mehr weiss ich noch nicht.
Der Fanclub wurde 2022 gegründet, als Franjo von Allmen die ersten Weltcuprennen gefahren ist. Wie hat sich der Fanclub – auch bekannt als Franatiker – entwickelt? Wie viele Mitglieder zählt der Verein und sind auch Ausländer darunter?
Der Fanclub hat sich sehr stark entwickelt. Am Sonntag durften wir eine erste Person aus den USA erfassen. Der Verein ist sehr schnell gewachsen. Stand Sonntag haben wir 950 Mitgliedschaften (Einzelpersonen und Familien) respektive rund 1300 Mitglieder. Sie kommen aus der ganzen Schweiz, aus Österreich, Belgien und weiteren Ländern.




