Franjo von Allmen: nahbar trotz grossem Erfolg
30.12.2025 InterviewMein persönliches Highlight in diesem Jahr? Ufff, da könnte ich viele nennen. Beruflich? Da muss ich nicht lange überlegen: Das Treffen mit Franjo von Allmen. Es waren nur 25 Minuten, aber jede war spannend und insbesondere unterhaltsam.
JOCELYNE PAGE
Mein persönliches Highlight in diesem Jahr? Ufff, da könnte ich viele nennen. Beruflich? Da muss ich nicht lange überlegen: Das Treffen mit Franjo von Allmen. Es waren nur 25 Minuten, aber jede war spannend und insbesondere unterhaltsam.
JOCELYNE PAGE
Ich sehe ihn im Fernseher, auf meinem Natel und ich denke mir immer wieder: «Dische Franjo isch es charmants Birschtli.» Um fair zu sein: Zurzeit hat die Schweizer Skination keine unsympathischen Ausreisserinnen oder Ausreisser. Ich bin Fan von allen Skiathletinnen und -athleten und mag es auch, wenn sie Ecken und Kanten haben. Sowieso haben wir – die Medien und auch die Gesellschaft – meiner Meinung nach oftmals die Angewohnheit, Personen der Öffentlichkeit schnell zu verurteilen, wenn sie nicht immer in die Kamera lächeln oder Kritik üben. Dabei macht sie genau das nahbarer, echter. Oder menschlicher, was in Zeiten von Social Media und des Vormarschs von KI durchaus wünschenswert ist.
Aber zurück zu unserem Doppelweltmeister Franjo von Allmen. Sie kennen ihn: Speedspezialist aus Boltigen, 24 Jahre jung, schnell auf der Piste und auf der Motocrossstrecke. Nach seiner erfolgreichen Skisaison und seinem Exploit an der Ski-Weltmeisterschaft in Saalbach haben ihn die Medien regelrecht gefressen. Alle wollten den bodenständigen Simmentaler vor das Mikrofon bekommen. So auch wir. Und wir erhielten die Chance: 25 Minuten. Entsprechend durchgetaktet war dieser Medientag in Boltigen.
In der Redaktion war die Freude gross. Mein Kollege Marco Minnig testete sein Video- und Fotoequipment, ich recherchierte wie wild und bereitete meine Fragen vor. 25 Minuten… Ojemine! Ich wollte doch so viel erfahren. Gehe ich auf Nummer sicher oder wage ich etwas Unkonventionelles? Der Druck war hoch.
Als kurze Hintergrundinformation: Beim Interview im April war ich im siebten Monat schwanger. Aufgeregt, nervös und hormonell gut durchmischt. Zu Hause ging ich mit meinem Partner nochmals die Fragen durch. Auf meine Nachfrage, ob ich an alles gedacht habe, meinte er: «Du hast die wichtigste Frage vergessen.» Schweissperlen, Puls hoch. «Welche?» Er schmunzelte. «Ob er Götti unseres Babys sein möchte.» Ich musste lachen. Die Anspannung fiel ab. Er weiss, welche Knöpfe er bei mir drücken muss.
Am nächsten Tag war es so weit. Licht, Fokus, Ton. Marco installierte alles im Sitzungszimmer der Gemeinde Boltigen. Dann öffnete sich die Tür, Franjo von Allmen trat ein. Und er ist genau so, wie er im Fernsehen rüberkommt. Er spielt nichts vor. Sympathisch, ehrlich, anständig, etwas zurückhaltend und bodenständig. Keine abgehobene Attitüde, kein Stargehabe. Er bot uns das Du an, hörte aufmerksam zu, nickte freundlich. Kamera an. Wechsel auf das professionelle Siezen. Und los.
Wir lachten, tauschten uns aus, erfuhren viel. Es war ein Heidenspass. Für jede Minute sind wir dankbar. Und doch hätten wir locker noch länger bleiben können. Also Marco und ich. Von Allmen wohl eher nicht. Sein Bewegungsdrang hält ihn auch in der Nebensaison nicht lange auf einem Stuhl fest.
Es war mein persönliches Highlight als Journalistin in diesem Jahr. Ich durfte eine Persönlichkeit kennenlernen, die Unglaubliches geleistet hat. Die steilsten und schnellsten Abfahrten gemeistert, bejubelt und gefeiert wurde. Und dann sitzt er vor einem, begegnet allen Menschen mit Respekt, auf Augenhöhe. Er bleibt der Franjo aus Boltigen. Einer, der sich an seine Zeit auf dem Jaunpass oder am Wasserngrat erinnert und dabei zeigt: Hier bin ich zu Hause. Ob er heute wohl noch ohne Selfies und Autogramme den Berg hinunterkäme? Ich wage es zu bezweifeln.
Und falls Sie sich fragen, ob von Allmen Götti unseres Babys ist: Nein, ich habe natürlich nicht gefragt. Der tatsächliche Götti ist aber genauso ein Wilder.
Das ganze Jahr über sind wir Journalistinnen und Journalisten mit Leidenschaft im Einsatz, um jede Woche zwei Zeitungen zu gestalten, die nicht nur über Relevantes und Wichtiges informieren, sondern auch Geschichten enthalten, die fesseln und manchmal zum Schmunzeln bringen. In unserer Serie «Mein persönliches Highlight» teilen wir stets Ende Jahr die Geschichten, die uns tief berührt, zum Lachen gebracht, zum Grübeln angeregt oder einfach begeistert haben. Kurz gesagt: Momente, die uns nicht losgelassen haben.

