Freimaurer öffnen ihre Türen
13.03.2026 GesellschaftIm Schloss Thun wurde es für einen Abend ungewöhnlich still. Die Freimaurerloge Phönix öffnete ihre Türen und gewährte Einblicke in eine Gemeinschaft, über die viele sprechen, aber nur wenige wirklich etwas wissen. Rund 30 Interessierte nutzten die ...
Im Schloss Thun wurde es für einen Abend ungewöhnlich still. Die Freimaurerloge Phönix öffnete ihre Türen und gewährte Einblicke in eine Gemeinschaft, über die viele sprechen, aber nur wenige wirklich etwas wissen. Rund 30 Interessierte nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen – und gingen mit überraschenden Eindrücken nach Hause.
Seit über hundert Jahren ist die Freimaurerei im Berner Oberland verankert. Aus dieser Tradition heraus entstand 1925 die Freimaurerloge Phönix, die im vergangenen Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feierte (siehe AvS vom 24. Februar 2026). Nun öffnete die Loge erneut ihre Türen und lud Interessierte zu einem öffentlichen Informationsabend ins Schloss Thun ein. Am 5. März bot sich den Gästen die Gelegenheit, mit Mitgliedern der Loge ins Gespräch zu kommen und einen Einblick in die Welt der Freimaurer zu erhalten.
Ein Abend bei den Freimaurern
Es war ein Abend, der leise begann und lange nachwirkte. Im Schloss Thun öffnete die Freimaurerloge ihre Türen und lud Menschen aus der Region ein, zuzuhören und einander zu begegnen. Der Anlass begann mit einer kurzen Präsentation über Geschichte, Werte und Grundhaltungen der Freimaurer – Prinzipien, die die Loge als zeitlos und gesellschaftlich relevant versteht.
Rund 30 Interessierte folgten der Einladung und fanden sich in einer Atmosphäre wieder, die von Respekt, Offenheit und echter Neugier geprägt war. Der Meister vom Stuhl, der gewählte Vorsitzende der Loge, führte durch den Abend und zeigte sich bewegt vom grossen Interesse.
«Es hat uns sehr gefreut, dass so viele Menschen zu uns gefunden haben und uns offen und aufmerksam begegnet sind. Schöner hätten wir uns diesen Abend nicht vorstellen können», sagte er.
Man spürte, dass dieser Anlass auch für die Loge selbst eine besondere Bedeutung hatte.
Ein Blick ins Innenleben der Loge
Für einmal gewährte die Loge einen Blick hinter ihre Türen. Viele Gäste waren überrascht, wie zugänglich und bodenständig die Mitglieder sind. Keine Geheimniskrämerei, keine Distanz, sondern Menschen, die zuhören und respektvoll miteinander umgehen.
Der Meister vom Stuhl betonte, dass die Freimaurer bewusst mehr Transparenz wagen möchten. Persönliche Begegnungen seien ausdrücklich erwünscht. «Wenn jemand Fragen hat, soll er einfach auf uns zukommen», erklärte er.
Der Abend zeigte eindrücklich, wie schnell Vorurteile verschwinden können, wenn man miteinander ins Gespräch kommt.
Wie ein erster Besuch abläuft
Auch der Weg eines Interessenten wurde offen erklärt: Gäste werden abgeholt und begleitet. Ein Teil des Abends besteht aus einer Phase der stillen Reflexion – der sogenannten Kammer des stillen Nachdenkens.
Danach wird der Gast in die Loge geführt, in einen geschützten Raum, der Vertrauen verlangt. Am Ende steht die Aufnahme in die weltumspannende Bruderschaft – sofern beide Seiten überzeugt sind.
Geschichte und Werte im Mittelpunkt
Der Vortrag führte durch die Entwicklung der Freimaurerei: von den mittelalterlichen Steinmetzen über die Gründung der ersten Grossloge 1717 bis hin zu Persönlichkeiten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe oder Winston Churchill, die freimaurerischen Gedanken nahestanden.
Im Zentrum standen jedoch weniger historische Namen als vielmehr Werte wie Freiheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität sowie die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten.
Besonders berührend war die Schilderung eines Bruders, der seit über 50 Jahren Mitglied ist. Er sprach von Freundschaften, die ein Leben lang halten, von Begegnungen über gesellschaftliche Grenzen hinweg und von einem Gefühl des Zuhause-Seins – egal, in welcher Loge der Welt man sich befindet.
Ein Satz, der bleibt
Zum Abschluss zitierte ein Bruder einen Gedanken, der den Abend wie ein roter Faden zusammenband:
«Geht hinaus in die Welt und übt im Gewühl des Alltags die Tugenden, die ihr hier vernommen habt.» Ein Satz, der hängen bleibt und erklärt, warum Freimaurerei für viele mehr ist als ein Hobby – nämlich eine Haltung dem Leben gegenüber.
AUS DEM «FRUTIGLÄNDER» VON MICHAEL SCHINNERLING/
GEKÜRZT VON JOP
