Für Waldbrände gewappnet: Saaner Feuerwehrleute üben im Wallis
14.08.2026 GesellschaftDie verheerenden Waldbrände in Europa zeigen, wie schnell Feuer ausser Kontrolle geraten kann. Auch im Saanenland beschäftigt sich die Feuerwehr zunehmend mit dieser Gefahr. Einsatzleiter Beat Mösching erzählt, wie man sich auf den Ernstfall vorbereitet und was er bei einer ...
Die verheerenden Waldbrände in Europa zeigen, wie schnell Feuer ausser Kontrolle geraten kann. Auch im Saanenland beschäftigt sich die Feuerwehr zunehmend mit dieser Gefahr. Einsatzleiter Beat Mösching erzählt, wie man sich auf den Ernstfall vorbereitet und was er bei einer Waldbrandübung im Wallis gelernt hat.
MAXIME VÖGELE
Während in Frankreich, Spanien und Griechenland derzeit Waldbrände verheerenden Ausmasses wüten, bereitet man sich auch in der Schweiz auf solche Ereignisse vor. Der «Walliser Bote» berichtete am 7. August, wie 32 Berner und Walliser Feuerwehrleute bei einer Waldbrandübung im Eyholzer Wald oberhalb von Visp gemeinsam für den Ernstfall trainierten. Mit dabei waren auch drei Feuerwehrmänner aus Saanen, darunter Einsatzleiter Beat Mösching.
Mösching ist seit 2011 bei der Feuerwehr Saanen. Gemeinsam mit Daniel Michel und Francesco Bonafini nahm er an der zweitägigen Weiterbildung im Wallis teil. Ziel war es, Einsatzleiter aus den Kantonen Bern und Wallis im taktischen Vorgehen bei Waldbränden zu schulen.
Erst lernen, dann löschen
Bevor es für Beat Mösching und seine Kollegen in die Feuerwehrmontur und ins Löschfahrzeug ging, hiess es zunächst, sich in die Theorie zu stürzen. Die zweitägige Weiterbildung, organisiert von der Gebäudeversicherung Bern, bestand aus anderthalb Tagen Theorie, bevor das Gelernte am zweiten Nachmittag in einer Simulation umgesetzt wurde.
Dabei lernten die Einsatzleiter unter anderem, welchen Einfluss die Beschaffenheit von Bäumen und Gelände auf das Verhalten eines Feuers hat und wie die Feuerwehr bei einem Waldbrand taktisch vorgeht.
Mösching übernimmt das Kommando bei der Abschlussübung
Als es darum ging, einen Einsatzleiter für die Simulation zu bestimmen, waren die Teilnehmenden zunächst zögerlich. Beat Mösching nahm die Sache daraufhin in die Hand: «Die Chance, so etwas zu führen, hat man so schnell nicht wieder», erzählt er im Interview.
Damit war er während der Übung für die Koordination des Einsatzes verantwortlich. Eine besondere Herausforderung war dabei der Faktor Zeit. Bei einem realen Einsatz dauert es in der Regel einige Minuten, bis die aufgebotenen Feuerwehrleute am Schadenplatz eintreffen. Diese Zeit könne der Einsatzleiter bereits nutzen, um die Situation einzuschätzen und das weitere Vorgehen zu planen. Bei einer Übung hingegen stehe die Mannschaft oftmals schon nach wenigen Minuten bereit. «Da hast du weniger Zeit, um dir Gedanken zu machen», erklärt Mösching. Gleichzeitig werde eine Übung naturgemäss etwas lockerer angegangen als ein tatsächlicher Ernstfall.
Zusammenarbeit statt «Kantönligeist»
Als Einsatzleiter musste Mösching bei der Simulation auch Feuerwehrleute koordinieren, mit denen er zuvor noch nie zusammengearbeitet hatte. Fachlich sei man zwar auf einem gemeinsamen Nenner, psychologisch sei die Situation jedoch schwieriger einzuschätzen. Wer die Kolleginnen und Kollegen auf dem Schadenplatz nicht kenne, wisse auch weniger gut, was man ihnen zutrauen könne: «Da braucht man Feingefühl, ob man jemandem etwas zumuten kann.»
Die Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren sei sehr lehrreich. Mösching begrüsst deshalb, dass solche gemeinsamen Übungen langsam zunehmen. Bisher habe es davon seiner Meinung nach noch zu wenige gegeben: «Es ist ein bisschen der ‹Kantönligeist›.» Gerade beim Thema Waldbrände könnten die Berner von den Walliser Feuerwehrleuten lernen. Während man es im Kanton Bern laut Mösching häufig mit kleineren Waldbrandflächen von einigen Dutzend Quadratmetern zu tun hat, sind die Walliser mit deutlich grösseren Ereignissen und umfangreicheren Löscharbeiten konfrontiert. «Ich fand es sehr wertvoll, dass wir diese Übung mit ihnen durchführen konnten und so Wissen abholen können, um uns weiterzubilden und dieses weiterzugeben.» Einen grossen Mehrwert sieht Mösching nicht nur in der kantonsübergreifenden Zusammenarbeit, sondern auch regional zwischen den Gemeinden. So könnten Kosten geteilt und einander bei Bedarf auch personell unter die Arme gegriffen werden.
Waldbrände rücken in den Fokus
Das Thema Waldbrand sei in den letzten Jahren bei der Feuerwehr mehr ins Zentrum gerückt. Die Schutzwälder zu schützen, stehe dabei an erster Stelle. Wenn in diesen wichtigen Wäldern etwas passiere, müsse die Feuerwehr bereit sein, sie zu schützen. «Einen Schutzwald wieder aufzubauen, kostet Millionen», merkt Beat Mösching an.
Die Probleme, die ein Waldbrand auf dem Gebiet eines Schutzwaldes mit sich bringt, betreffen dabei nicht nur die Bäume, sondern auch den Boden. Bei anschliessendem Starkregen bestehe die Gefahr, dass Erd- und Geröllmassen ins Rutschen geraten.
Um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, werden nicht nur Weiterbildungen wie die Waldbrandübung im Wallis durchgeführt. Im Saanenland habe man in den letzten Jahren unter anderem Karten erstellt, auf denen geeignete Lande- und Umschlagplätze für Helikopter bereits festgelegt sind. «So weiss man im Fall eines Ereignisses, wohin man mit dem Material geht, und von dort wird es mit dem Helikopter geflogen.» Mit klaren Abläufen könne so wertvolle Zeit gewonnen werden.
Das unberechenbare Feuer
Übungen, die spezifisch auf Waldbrände ausgelegt sind, sind wichtig, weil sich ein solcher Einsatz fundamental von einem Hausbrand unterscheidet. Bei einem Hausbrand müsse man möglicherweise Personen retten oder Gegenstände aus dem Gebäude holen. Gleichzeitig sei die Situation räumlich klarer: «Du kommst und siehst: Das ist mein Schadensplatz.»
Bei einem Waldbrand sei das anders. Teilweise gebe es keine Strasse bis zum Brandort. Feuerwehrleute müssten unter Umständen weit in den Wald hineinlaufen oder Material mit dem Helikopter einfliegen. Gleichzeitig könne sich das Feuer innerhalb kürzester Zeit ausbreiten. Bei einem Kronenbrand können Glutstücke laut Mösching 50 bis 100 Meter weit getragen werden und andernorts neue Feuer entfachen. «Dann kann es sein, dass du hier am Löschen bist und das Feuer über dich hinweggeht und dort wieder anfängt zu brennen.»
Wie schnell das geschieht, sah man beim Waldbrand im Wallis vor drei Jahren: «Das Feuer stieg um tausend Höhenmeter innerhalb von zwanzig Minuten.» Wenn ein Wald erst einmal richtig brenne, könne man in den ersten Momenten teilweise kaum etwas ausrichten. Mösching erzählt von einem Spruch kanadischer Waldbrandbekämpfer: «Setz dich, trink ein Bier und geniesse.» Gemeint sei damit nicht Untätigkeit, sondern dass es Situationen gebe, in denen das Feuer zunächst seinen Lauf nehme. Entscheidend sei dann, den richtigen Moment und die richtigen Stellen zu finden, um den Brand seitlich einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.





