«Fuori» – draussen
11.09.2026 VorschauDas Filmpodium Saanenland startet am Montag, 14. September, (20.30 Uhr, Kino Gstaad) mit dem Italienischen Film «Fuori» von Mario Martone (Italien, 2025) in die neue (und letzte) Filmsaison.
Passend zum Ausklang des Sommers ein Italienischer Film im Filmpodium! ...
Das Filmpodium Saanenland startet am Montag, 14. September, (20.30 Uhr, Kino Gstaad) mit dem Italienischen Film «Fuori» von Mario Martone (Italien, 2025) in die neue (und letzte) Filmsaison.
Passend zum Ausklang des Sommers ein Italienischer Film im Filmpodium! Der Film «Fuori» feiert jedoch nicht die unbeschwerte Italianità der Sommerferien, sondern die historische Exotik des Landes mit ihren widersprüchlichen intellektuellen, linken, antifaschistischen und faschistischen, terroristischen sowie mafiösen Facetten.
Goliarda Sapieza (1924–1996) war eine italienische Schauspielerin und Autorin: Ihre Familiengeschichte und ihre Bücher gehören zu diesem Geflecht aus Ideen, Leidenschaften und politischen Widersprüchen. Sie wuchs in einem unangepassten, feministischen, antifaschistischen und antikirchlichen intellektuellen Milieu in Sizilien auf und studierte schon 16-jährig an der Kunsthochschule in Rom. Als Schauspielerin und Ehefrau eines angesehenen Regisseurs des neorealistischen Kinos der Nachkriegsjahre war sie eine wichtige Figur in der römischen Intelligenzia. Nach Jahren mit psychischen Problemen und nach der Trennung von ihrem Ehemann wurde sie zunehmend von dieser Gesellschaft gemieden. Ihre Arbeit an ihrem grossen Roman «Die Kunst der Freude» – sie beschreibt dabei das Streben einer Frau nach intellektueller, finanzieller und sexueller Unabhängigkeit im Sizilien des frühen 20. Jahrhunderts – und die damals skandalöse Heirat mit einem 22 Jahre jüngeren Schriftsteller und Schauspieler liess sie derart verarmen, dass sie einen Diebstahl beging und dafür während drei Monaten inhaftiert wurde. Ihre Berichte über diese Zeit mit den im Gefängnis entstandenen Freundschaften mit anderen Frauen bilden die Grundlage für den Film von Mario Martone.
Im Zentrum dieser Berichte steht die Erfahrung, dass sich die Autorin und ihre Freundinnen auch «fuori» (= draussen) immer noch «drinnen» befinden, an jenem Ort, an dem sie (im Gegensatz zu draussen) unerwartete Solidarität und Freundschaft gefunden haben. So wird für die Dauer eines römischen Sommers die Stadt mit ihren gesellschaftlichen Zwängen zu einem einzigen grossen Gefängnis, aus dem die drei Frauen in kleinen, freundschaftlichen Fluchten ausbrechen. Die drei Freundinnen verkörpern dabei mit ihren widersprüchlichen, leidenschaftlichen, gleichzeitig starken und zerbrechlichen Persönlichkeiten und mit ihrem Lebensgefühl zwischen Euphorie und Verzweiflung, Kampf und Widerstandsfähigkeit das paradox-exotische Italien des 20.Jahrhunderts.
Für den Regisseur Mario Martone ist der Film auch ein kritischer, vielleicht auch wehmütiger Rückblick auf das gesellschaftliche Rom der Achtzigerjahre, in dem er selber als linker Intellektueller und Kunstschaffender gross geworden ist – und eine Erinnerung an die Stadt seiner Jugend abseits der Touristenströme.
FILMPODIUM SAANENLAND
DIE LETZTE FILMSAISON
Das Filmpodium Saanenland startet mit diesem Film in die 33. – und letzte – Filmsaison. Die Unsicherheiten über den Umbau des Kinos (seit fünf Jahren planen wir immer wieder die «letzte Saison» vor dem Umbau…), das Älterwerden nicht nur von uns Organisator:innen, sondern auch des Publikums (wo bleiben all die jungen Filmfreundinnen und -freunde?) und die zunehmenden finanziellen Schwierigkeiten haben uns dazu bewogen, unabhängig vom Kinoumbau die letzte Saison in Angriff zu nehmen. Was nach dem Umbau geschieht, lassen wir offen: Vielleicht finden sich ja junge Filmenthusiast:innen, oder wir können es dann doch nicht lassen…
Aber vorerst gilt: Kommt in Scharen jeweils am zweiten Montag im Monat ins Kino – entweder als Mitglied des Filmpodiums (im Abo ist der Eintritt günstiger) oder als Abendgast (mit normalem Kinoeintritt an der Abendkasse).
FILMPODIUM SAANENLAND

