Geburtshaus Maternité Alpine: Neuausrichtung als Investition in die Zukunft
26.06.2026 Gstaad
Die Maternité Alpine blickt auf ein Jahr 2025 voller Emotionen und Entscheide zurück. An der Generalversammlung am 19. Juni im Schulhaus Moos, St. Stephan, erhielten die rund 30 Anwesenden einen Einblick in ein bewegtes und herausforderndes Jahr.
ELIANE ...
Die Maternité Alpine blickt auf ein Jahr 2025 voller Emotionen und Entscheide zurück. An der Generalversammlung am 19. Juni im Schulhaus Moos, St. Stephan, erhielten die rund 30 Anwesenden einen Einblick in ein bewegtes und herausforderndes Jahr.
ELIANE ZÜRCHER
Die Neuausrichtung mit dem baldigen Umzug sowie der Angebotsanpassung habe die Verwaltung, Co-Betriebsleiterinnen und Mitarbeiterinnen sowie Beirat und Förderverein zu fleissigen Bienen und Ameisen gemacht, erläutert Präsidentin Anne Speiser zu Beginn der Versammlung mit Hinweis auf das kreative Titelbild des Jahresberichts.
Das grosse Thema 2025 war das Neuerfinden der Maternité – ein belastender Prozess für alle, begleitet von vielen Sitzungen, Verhandlungen mit der Spital STS AG und einem Workshop. «Eine Schliessung war keine Option, wir sind gekommen, um zu bleiben», so Speiser kämpferisch.
Mit dem baldigen Umzug in die neuen Räumlichkeiten im Spital Zweisimmen fallen die Stellen der Hauswirtschafterinnen weg. Die Verwaltung bedauert diesen äusserst schwierigen Schritt sehr. Die Mitglieder sind sich sicher: Die guten Seelen im Betrieb werden fehlen, und der Dank gilt den betroffenen Mitarbeiterinnen.
Weniger Geburten, mehr Wöchnerinnen
Susanne Reber, Co-Betriebsleiterin, veranschaulichte nach den einleitenden Worten der Präsidentin, wie der Alltag in der Maternité Alpine im Jahr 2025 aussah. Das erste Halbjahr war von einer «Geburtsflaute» geprägt, in der zweiten Hälfte fiel die stationäre Auslastung deutlich höher aus. Mit dem Entscheid über die Schliessung von Operationssaal und Anästhesie im Spital Zweisimmen kam eine gewisse Unsicherheit auf. Reber betont, der Teamzusammenhalt sei sehr stark gewesen. Die Mitarbeiterinnen mussten sehr flexibel sein und sie sei für die Loyalität auch in dieser unsicheren Situation sehr dankbar.
Insgesamt betreute das Team im Jahr 2025 39 Geburten und 43 Familien im stationären Wochenbett. Das entspricht einem Rückgang bei den Geburten (Vorjahr: 52) und einer Zunahme bei den Wöchnerinnen (Vorjahr: 36). Erstmals wurden mehr Wochenbettbetreuungen als Geburten verzeichnet.
Pro Jahr kamen im Obersimmental und Saanenland im Median der vergangenen fünf Jahre 120 Kinder zur Welt. Davon wurden jeweils rund zwei Drittel der jungen Familien in der Maternité betreut. Die Nähe zum Wohnort wird dabei sehr geschätzt. Aber auch die Zufriedenheit der Klientinnen ist gemäss standardisiertem Erhebungsbogen mit über 98 Prozent ausserordentlich hoch.
Das Angebot steht nicht ausschliesslich Frauen aus der Region Obersimmental/Saanenland/Pays-d’Enhaut/Jauntal offen – auch Touristinnen finden regelmässig den Weg ins Geburtshaus nach Zweisimmen.
Der Bedarf an häuslicher Wochenbettbetreuung und Stillberatungen ist im Betriebsjahr weiter angestiegen.
Dank einer Spende erhielt das Team ein neues Betriebsauto, das in der Region bereits 18’482 Kilometer zurücklegte.
Jahresrechnung: Nullergebnis mittels Spendenfonds
Die Jahresrechnung 2025 schloss vor der Entnahme aus dem Fonds mit einem Aufwandüberschuss von 178’989.21 Franken ab. In diesem Ergebnis sind Spenden in Höhe von 94’692.13 enthalten. Die Einnahmen aus dem stationären Bereich lagen aufgrund der geringeren Anzahl an Geburten tiefer als in den Vorjahren.
Wie bereits in den vergangenen Jahren resultierte nach der Entnahme aus dem Spendenfonds ein ausgeglichenes Nullergebnis.
Die Jahresrechnung und der Jahresbericht sowie der Bericht der Kontrollstelle, das Budget 2026, die Entlastung der Verwaltung und die Wahl der Kontrollstelle wurden von den anwesenden Genossenschafterinnen und Genossenschaftern einstimmig ohne Enthaltungen angenommen.
Umbau und Umzug
Als letztes Traktandum vor Varia informierte Anne Speiser über den Umbau und den Umzug des Betriebs. Bisher war die Maternité Alpine in einem heimeligen Chalet zu Hause, bald steht der Wechsel ins Spital Zweisimmen an – die Umbauarbeiten dazu laufen auf Hochtouren.
Als Projektleiterin ist die Saaner Architektin Melanie von Allmen-Hauswirth ehrenamtlich im Einsatz. Zusammen mit den Hebammen und der Verwaltung hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, das bisher so geschätzte, gemütliche Ambiente in die Spitalräume zu übertragen.
Die Genossenschaft ist ideell und finanziell auf den Rückhalt vieler Menschen angewiesen; zahlreiche Personen arbeiten ehrenamtlich für die Organisation. Grossratspräsidentin Speiser dankt ihren Verwaltungskolleg:innen, den Co-Betriebsleiterinnen, den Ärztinnen und Ärzten, dem Beirat sowie dem Förderverein.
Anne Speiser zum Schluss des offiziellen Teils: «Die Neuausrichtung ist eine Investition in die Zukunft der Maternité. Wir stehen in der Verantwortung gegenüber den Frauen in der Region.» Die Reise für alle Beteiligten geht weiter.
Jodelgesang und Apéro im zweiten Teil
Nach der effizienten und gleichzeitig empathischen Versammlung ging es mit gefühlvollem Jodelgesang des Quartetts «Läbesmuet» in den zweiten Teil über. Die Anwesenden konnten von den ergreifenden Klängen der Sänger:innen kaum genug bekommen und forderten gleich zwei Zugaben, bevor das reichhaltige Apéro bei angeregten Diskussionen eröffnet wurde.


