Geld für BDG und GST gesprochen

  13.12.2022 Gsteig

Die Gemeindeversammlung winkte die Verpflichtungskredite für die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) und für Gstaad Saanenland Tourismus (GST) ohne Gegenstimmen durch.

JENNY STERCHI
Es ging um viel, sogar sehr viel Geld an der Gemeindeversammlung in Gsteig am letzten Freitagabend. Der Gastreferent und Geschäftsführer der BDG, Matthias In-Albon, erklärte mittels Visualisierungen die geplanten Schritte, die das Unternehmen in den kommenden Jahren im Rahmen des «Generationsprojektes» anstrebt.

Gsteig geht mit
«Wir sind eine sehr kostenintensive Branche», waren seine Worte, als er die Kosten für die geplanten Investitionen präsentierte. Für den Ersatz der Sessellifte Horneggli und Hornberg, den Ausbau des Speichersees von 30’000 auf ein 190’000 Kubikmeter grosses Fassungsvermögen und das Parkhaus an der Talstation in Schönried geht die BDG von einer Investitionssumme von 90 Millionen Franken aus.

Von der Gemeinde Saanen wurden Beiträge von maximal 36 Millionen Franken oder 40 Prozent der angestrebten 49 Prozent an Drittfinanzierung zugesichert. Zur Finanzierung der noch offenen neun Prozent erhofft sich die BDG die Unterstützung der Gemeinden im Saanenland und Simmental.

Der Anteil der Gemeinde Gsteig am als «Generationenprojekt» bezeichnete Vorhaben beinhaltet eine jährliche Zahlung von 80’000 Franken für die nächsten zehn Jahre. Der Antrag wurde von den anwesenden Gsteigerinnen und Gsteigern stillschweigend angenommen. Die Gemeinde behält sich jedoch vor, Beiträge zu kürzen, sollten einzelne Investitionen, die im «Generationenprojekt» vorgesehen sind, nicht getätigt werden. Als Entgegenkommen der BDG erwartet die Gemeinde Gsteig während der zehnjährigen Laufzeit der Beiträge die unentgeltliche Abgabe von Jahreskarten für die 6- bis 15- jährigen Kinder und Jugendlichen mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der Gemeinde Gsteig.

Grundsatzentscheid
Zudem wurden vom Gsteiger Stimmvolk auch die jährlich wiederkehrenden Beiträge an die BDG von 100’000 Franken pro Jahr für die Jahre 2023 bis 2026 ohne Gegenstimme angenommen. Diese Finanzhilfen wurden bereits in den vergangenen vier Jahren gezahlt. «Das Fundament der BDG ist nach all den Sanierungsmassnahmen solide. Das geht jedoch auch auf die Leistungs- und Investitionsbeiträge der Standortgemeinden zurück», wie Matthias In-Albon ohne Umschweife einräumte. Die Ausgangslage sei unverändert herausfordernd. «Die Betriebsbeiträge in derselben Höhe wie bisher sind nötig, um die nötigen Ersatzinvestitionen auch in Zukunft finanzieren zu können.» Auch diesem gemeinderätlichen Antrag stimmte die Gemeindeversammlung diskussionslos zu.

Vertrauen in den GST
Dem Verpflichtungskredit für GST über 148’500 Franken für die kommenden zwei Jahre wurde ebenfalls stillschweigend und so schnell zugestimmt, dass Tourismusdirektor Flurin Riedi anstelle eines überzeugenden Referats Worte des Dankes am Ende der Versammlung aussprechen konnte. Vorgesehen ist dieser Finanzierungsbeitrag, der auch in den Gemeinden Saanen und Lauenen beantragt wurde, für die Unterstützung gemeinsamer Kampagnen der BDG und GST. Diese Marketingmassnahmen werden zum Teil mittels Beherbergungs- und Tourismusförderungsabgaben (TFA) finanziert. Die noch bestehende Finanzierungslücke soll mit den Beiträgen geschlossen werden, über die an diesem Abend in Gsteig abgestimmt wurde. Sie werden zukünftig in der Erfolgsrechnung als Aufwand erscheinen, da hierdurch keine neuen Vermögenswerte geschaffen würden.

Finanzen in Bewegung
Die Gemeinde Gsteig rechnet mit Investitionen von rund 2,337 Mio. Franken. Dies unter anderem für die Erstellung der neuen Wohneinheiten im ehemaligen Schulhaus Feutersoey, für die Anschaffung eines neues Feuerwehrfahrzeugs, den allfälligen Investitionsbeitrag an Skifuture Saanenland sowie den Beitrag für die Erweiterung und Sanierung der ARA Saanen. Laut Finanzplan für die kommenden fünf Jahre bleibt der Bilanzüberschuss zwar erhalten, reduziert sich jedoch kontinuierlich. Karl Graa, Finanzverwalter der Gemeinde Gsteig, betonte daher mehrfach: «Wir müssen zu den Finanzen Sorge tragen und Beitragszahlungen im vernünftigen Rahmen bewilligen.»

Der Abfall am Schluss
Wie viel Aufmerksamkeit der Teilrevision im Abfallreglement als letztes Traktandum noch geschenkt wurde, liess sich nur erahnen. Dennoch wurde den Änderungen wie der Verzicht auf veraltete Begriffe – so Containerplombe oder Gebinde im Reglement – und eine nie angewendete Containergrundgebühr diskussionslos zugestimmt.


RECHNUNG UND BUDGET

Die Erfolgsrechnung für das Budgetjahr 2023 schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 435’796 Franken ab. Das Rekordergebnis des Geschäftsjahres 2021 sorgte für eine massive Aufstockung des Bilanzüberschusses auf rund 6,347 Millionen Franken. Mit diesem Überschuss kann der für 2023 budgetierte Aufwandüberschuss von 491’442 Franken gedeckt werden.

Die Investitionen für den Umbau des Schulhauses Feutersoey zu Wohnraum können aus eigenen Mitteln finanziert werden. Dank des letztjährigen Rekordergebnisses ist es möglich, trotz des massiven Aufwandüberschusses im Budget 2023 eine moderate Steuersenkung von 0.05 auf 1.5 vorzunehmen.

Die sehr guten Rechnungsergebnisse der letzen Jahre und die Auswirkungen der amtlichen Neubewertung der Liegenschaften AN20 führen dazu, dass die Zahlungen in den Topf des Disparitätenabbaus (Abbau von Ungleichheiten) unter den Gemeinden des Kantons Bern eine massive Erhöhung zur Folge haben. Gsteig wird gegenüber der Jahresrechnung 2021 rund 221’550 Franken und gegenüber dem Budget 2022 rund 109’800 Franken mehr in diesen Ausgleichstopf einzahlen müssen.

JENNY STERCHI


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