Gemeinsam zum Ziel – interessanter Wahlanlass im Landhaus Saanen
20.02.2026 Politik«Im Kanton Bern sind 2261 Personen bereit, Verantwortung zu übernehmen und kandidieren für einen der 160 Sitze im Berner Grossen Rat.» Mit diesen Worten begrüsste Phillipp Bigler die angereisten Regierungsrats- und Grossratskandidat:innen am vergangenen Montag im ...
«Im Kanton Bern sind 2261 Personen bereit, Verantwortung zu übernehmen und kandidieren für einen der 160 Sitze im Berner Grossen Rat.» Mit diesen Worten begrüsste Phillipp Bigler die angereisten Regierungsrats- und Grossratskandidat:innen am vergangenen Montag im Landhaus Saanen. Der Moderator des Abends, Toni von Grünigen, kennt die Anliegen der Saanerinnen und Saaner bestens und fühlte jedem der 14 zur Wahl Aufgestellten auf den Zahn.
Die von der FDP Saanen und SVP Saanen organisierte Wahlveranstaltung stiess auf reges Interesse. Vier der fünf bürgerlichen Regierungsratskandidaten nutzten diese Plattform, um sich dem Publikum aus dem Simmental und Saanenland vorzustellen. In einem Zeitfenster von zehn Minuten konnten sie sich persönlich vorstellen und ihre Haltung zu einem vorbereiteten Thema abgeben. Der ehemalige Gemeindepräsident von Saanen stellte jeder Person zusätzlich eine Frage mit Bezug auf ihre Wahlpropaganda. Anschliessend wurden aus dem Publikum Fragen gestellt.
Ein Landwirt stellte fest, obwohl Bern der grösste Agrarkanton sei, sehe er die Nähe zur Landwirtschaft der Regierung als eher bescheiden. Er fragte nach Visionen, damit sich die Landwirtschaft besser entwickeln könne. Es sei wichtig, dass die Landwirte ihre Vorhaben verwirklichen können, und nicht durch Gesetze und Vorschriften ausgebremst würden, betonte Philippe Müller. Die Landwirtschaftspolitik sei Bundespolitik, erklärte Astrid Bärtschi. «Aber mit dezidierten Äusserungen zu Anfragen des Bundes können wir unseren Einfluss wahrnehmen.» Auf die Frage nach dem digitalen Abschluss der Steuererklärung für juristische Personen versprach die Finanzverantwortliche Besserung. Ein anderer Votant bekam die Antwort, dass es nicht geplant sei, den Finanzausgleich (Filag) aus- oder umzubauen. Die medizinische Grundversorgung im Obersimmental und Saanenland bewegt die Bürger. Sich energisch dafür einzusetzen, wurde den vier Regierungsräten und Kandidaten klar und deutlich ans Herz gelegt.
Zehn Personen aus dem Obersimmental und Saanenland, die für die SVP oder die FDP kandidieren, nutzten die Gelegenheit, sich kurz vorzustellen. Die Aussagen und Ideen zu Themen wie dezentrale Grundversorgung sichern, Gewerbe, Landwirtschaft und Tourismus im Gleichgewicht halten, Unternehmergeist und Innovation stärken, ein praxisorientiertes Bildungssystem fördern, sinnlose Bürokratie reduzieren sowie christliche Werte als Grundlage der Demokratie zu bewahren, zeugten von viel Motivation und Engagement der Kandidierenden.
«Politik dient dazu, das Zusammenleben unter uns zu organisieren», stellte Philipp Bigler, Präsident der FDP Saanenland, in seinen Schlussworten fest. «Der beste Wahlkampf, die überzeugendsten Voten und die motiviertesten Persönlichkeiten erreichen nichts, wenn die Stimmbevölkerung zu Hause bleibt und nicht von ihrem Stimmrecht Gebrauch macht. Unsere Kandidat:innen verdienen die Unterstützung einer breiten Bevölkerung. Darum: Land an die Urne am 29. März 2026!», schreiben die beiden Ortsparteien in ihrer Medienmitteilung.
FDP SAANENLAND/SVP SAANEN
RAPHAEL LANZ, SVP
Der Jurist kandidiert für die SVP für die Wahl in den Regierungsrat. Als Thuner Stadtpräsident hat er die nötige Führungserfahrung. Einblick in die Privatwirtschaft bekam er bereits bei seinen Eltern, aktuell ist er Präsident einer Kleinbrauerei. Er ist überzeugt, dass die schrittweise Steuersenkung, wie sie mit der Steuerstrategie aufgegleist ist, für die Zukunft wichtig ist. Zudem ist es ein grosses Anliegen von ihm, Planungsprozesse zu beschleunigen. Das Saanenland bezeichnet er nicht als Randregion, es mache mit anderen Regionen die Vielfalt des Kantons aus. Lanz unterstrich die Wichtigkeit und hohe Wertschöpfung des Tourismus. Dieses Bewusstsein im ganzen Kanton zu stärken, sehe er als eine wichtige Aufgabe, damit die Gäste spürten, dass sie willkommen seien. Auch hier seien die schleppenden Bewilligungsverfahren hinderlich, um in der Konkurrenz mit Mitbewerbern zu bestehen. «Nur so könnt ihr wettbewerbsfähig bleiben und die Qualitäten, die ihr habt, nutzen.»
DANIEL BICHSEL, SVP
Der Gemeindepräsident von Zollikofen ist motiviert, mit seiner Erfahrung und seiner Vernetzung die bürgerliche Regierung im Kanton Bern zu unterstützen und ein Teil davon zu werden. Er ist überzeugt, dass die Wirtschaftsfreundlichkeit im Kanton gefördert werden muss, Steuerentlastungen und Prämienverbilligungen bei den Krankenkassen sieht er als Themen, die der Bevölkerung direkt zugutekommen. Bereits bewilligte Verkehrserschliessungen realisieren und die Mobilität gehören im Fall einer Wahl zu seinen Zielen. Er zeigte Möglichkeiten auf, wo und wie Gemeindeautonomie erhöht werden kann: im politischen Recht (Stimmrechtsalter, Ausländerstimmrecht), bei der Dezentralisierung oder in der Bildung (Anstellung von Schulleiter:innen durch die Gemeinden). Zur Landwirtschaft habe er eine enge Beziehung, so Bichsel. Ein Grossteil seiner Kollegen kämen aus dem Agrarsektor, dadurch kenne er die Anliegen der praktizierenden Bauern gut. «Vor allem weiss ich, wie ich mich informieren kann, wenn dies nötig wird.»
PHILIPPE MÜLLER, FDP
Im 2018 wurde der Jurist aus Stettlen in den Regierungsrat gewählt. Als Sicherheitsdirektor kümmert er sich um den Bevölkerungsschutz. Neben Naturgefahren ist für den Regierungsrat eine mögliche Gefahr durch Beschuss in den Fokus gerückt. Aus diesem Grund rücken die Zivilschutzräume wieder vermehrt in den Vordergrund. Seine Direktion spielt mit dem Gedanken, unterirdische Bahnhöfe, Tunnels oder Parkhäuser bei kurzfristigen Ereignissen als Unterschlupf für die Bevölkerung vorzubereiten. Auf die Frage nach den Massnahmen, die er im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe in Crans-Montana getroffen habe, beschrieb Müller, wie die Präsenz des Notfalls im Inselspital verstärkt wurde und eine kleine Gruppe von französischsprechenden Care Teams nach Crans-Montana geschickt wurde. «Die Gebäudeversicherung des Kantons Berns ist ganz anders aufgestellt als im Wallis. Gemäss ihren Aussagen drängen sich kurzfristig keine Anpassungen auf.»
ASTRID BÄRTSCHI, MITTE
Seit vier Jahren sitzt Astrid Bärtschi aus Ostermundigen im Berner Regierungsrat und betreut dort die Steuerverwaltung, die Finanzverwaltung, hat das Personalamt inne und ist für Information und Organisation verantwortlich. Ihre Ausführungen zur neuen amtlichen Bewertung wurden mit Interesse verfolgt. Die Regierung hat sich entschieden, auf das sogenannte Luzerner Modell umzusteigen. Dieses müsse noch verfeinert und den bernischen Gegebenheiten angepasst werden. Es könne bis 2030 gehen, bis die amtliche Bewertung nach diesem Modell zur Anwendung kämen. Auf die Frage nach dem Finanzausgleich, den Saanen alljährlich nach Bern schickt, betonte die Regierungsrätin, wie wichtig der kantonale Zusammenhalt sei. «Damit wird es finanzschwachen Gemeinden möglich, ihren Bürgern ein ähnliches Grundangebot an staatlichen Leistungen anzubieten.»







