Mein erster Glacier 3000 Run: DNF – aber noch nicht das Ende der Geschichte
11.08.2026 SportAm Samstag wurde der Glacier 3000 Run zum 18. Mal ausgetragen. Dieser sportlichen Herausforderung stellte sich auch unsere freie Mitarbeiterin Irini Papandreou. In ihrem Erlebnisbericht erzählt sie, wie sie das Rennen erlebt hat.
IRINI PAPANDREOU
Die Teilnahme am ...
Am Samstag wurde der Glacier 3000 Run zum 18. Mal ausgetragen. Dieser sportlichen Herausforderung stellte sich auch unsere freie Mitarbeiterin Irini Papandreou. In ihrem Erlebnisbericht erzählt sie, wie sie das Rennen erlebt hat.
IRINI PAPANDREOU
Die Teilnahme am Glacier 3000 Run war für mich ein Schritt ins Unbekannte. Es war nicht nur meine erste Teilnahme an diesem Rennen, sondern auch mein allererster Trailrun. Schon vor dem Start wusste ich, dass ich mich auf eine grosse Herausforderung einliess. Was ich jedoch nicht ahnen konnte, war, wie viel mir dieses Rennen über das Berglaufen, meinen Körper und auch über mich selbst beibringen würde.
Kilometer für Kilometer
Am Start fühlte ich eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität. Die Atmosphäre unter den Läuferinnen und Läufern, umgeben von der beeindruckenden Berglandschaft, machte diesen Moment zu etwas ganz Besonderem. Alle standen aus einem anderen Grund und mit einem persönlichen Ziel an der Startlinie. Mein Ziel war einfach: Ich wollte das Rennen erleben, mich selbst herausfordern und natürlich die Ziellinie erreichen.
Da ich noch keine Erfahrung im Trailrunning hatte, versuchte ich, nicht zu sehr an die gesamte Strecke zu denken, die noch vor mir lag. Stattdessen konzentrierte ich mich darauf, meinen Rhythmus zu finden und das Rennen Kilometer für Kilometer anzugehen.
Während des ersten Teils des Rennens genoss ich vor allem das Erlebnis. Das Wetter hätte kaum besser sein können und liess die atemberaubende Berglandschaft noch schöner erscheinen. Mich durch diese Landschaft zu bewegen, gab mir ein Gefühl von Freiheit, das sich deutlich von meinem normalen Training unterschied.
Motivation am Wegrand
Was mir unterwegs besonders auffiel, waren die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer, die uns entlang der gesamten Strecke unterstützten. Sie versorgten uns mit Wasser, isotonischen Getränken, Bananen, Orangen und Proteinriegeln und munterten uns immer wieder auf. Bei einem solchen Rennen merkt man erst richtig, wie wertvoll diese Unterstützung ist. Besonders freute ich mich, mitten im Rennen bekannte Gesichter zu entdecken. Das gab mir neue Energie und verlieh dem Erlebnis eine sehr persönliche Seite.
Insgesamt war ich von der Organisation des Glacier 3000 Run sehr beeindruckt. Hinter einem solchen Anlass steckt enorm viel Arbeit – das nimmt man vielleicht erst vollständig wahr, wenn man selbst auf der Strecke unterwegs ist. Ich hätte mir kaum bessere Bedingungen für meinen ersten Trailrun vorstellen können.
Unerwartete Ruhe mitten im Rennen
Irgendwann geschah etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Mein Lauf verwandelte sich in etwas, das ich nur als eine Art Meditation mit Gott beschreiben kann. Während mein Körper hart arbeitete, wurde es in meinem Kopf unglaublich ruhig. Ich betete, dachte über das Leben nach und betrachtete die Berge um mich herum. Für eine Weile dachte ich weder an meine Zeit noch an meine Platzierung oder an die Ziellinie. Ich war einfach dankbar. Dankbar dafür, dass mein Körper mich durch diese Landschaft trug, dankbar für jeden einzelnen Kilometer und dankbar dafür, einfach dort sein zu dürfen.
Es wurde zu einem der bedeutungsvollsten Momente des gesamten Erlebnisses. Mitten in einem körperlich anspruchsvollen Rennen fand ich eine unerwartete innere Ruhe.
Ein schmerzhafter Wendepunkt
Bei Kilometer 22,5 änderte sich alles innerhalb eines Augenblicks. Ich bewegte mich gerade durch einen felsigen Abschnitt, als ich plötzlich etwas in meiner rechten Wade spürte. Es war ein seltsames und heftiges Gefühl, als wäre der Muskel in meinem Bein plötzlich auseinandergebrochen.
Dann kam der Schmerz. Er kam sofort und war unerträglich, stärker als alles, was ich zuvor erlebt hatte. Nur wenige Augenblicke zuvor hatte ich mich vollkommen ruhig und mit mir selbst im Einklang gefühlt. Plötzlich konzentrierte sich meine gesamte Aufmerksamkeit auf den überwältigenden Schmerz in meiner rechten Wade.
Ich blieb zwischen den Felsen stehen. Der Schmerz war so stark, dass ich meine Tränen einfach nicht zurückhalten konnte. Ich weinte, nicht weil ich beschlossen hatte aufzugeben, sondern weil der Schmerz in diesem Moment einfach zu überwältigend war.
Körper gegen Kopf
In diesem Augenblick spielten weder meine Zeit noch meine Platzierung eine Rolle. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte, aber zu akzeptieren, dass mein Rennen möglicherweise vorbei war, fiel mir schwer. Ich hatte bereits 22,5 Kilometer zurückgelegt und unterwegs so viel erlebt. Ein Teil von mir wollte einfach nicht, dass meine Reise dort endete.
Also stand ich wieder auf und versuchte weiterzumachen. Doch Entschlossenheit allein kann nicht alles lösen. Der Kopf kann einem sagen, dass man weitermachen soll, aber es gibt Momente, in denen der Körper eine Grenze setzt, die man respektieren muss. Irgendwann musste ich akzeptieren, dass mein erster Glacier 3000 Run für mich nicht mit dem Überqueren der Ziellinie enden würde.
Noch nicht am Ziel
Mein offizielles Ergebnis lautete deshalb DNF: Did Not Finish. Natürlich war ich enttäuscht. Ich wollte meinen ersten Trailrun beenden und dieses besondere Gefühl erleben, die Ziellinie zu überqueren. Mit etwas Abstand sehe ich dieses DNF jedoch nicht mehr einfach als Scheitern. Vielmehr ist es eine Erfahrung, aus der ich viel mitnehme.
Es war meine erste Erfahrung im Trailrunning und ich habe dabei viel über mich selbst gelernt. Die Berge haben mir gezeigt, wie herausfordernd, aber gleichzeitig auch wie wunderschön ein solcher Lauf sein kann. Deshalb haben die drei Buchstaben DNF für mich inzwischen eine andere Bedeutung: Sie stehen nicht für «Ich bin gescheitert», sondern für «Noch nicht».
Offene Rechnung
Bei meinem ersten Glacier 3000 Run gab es für mich weder eine Medaille noch eine Platzierung. Dafür nehme ich eine Erfahrung mit, an die ich mich noch lange erinnern werde: 22,5 Kilometer voller neuer Eindrücke, die grossartige Unterstützung der freiwilligen Helferinnen und Helfer, eine unerwartete Meditation mit Gott und eine schmerzhafte Lektion zwischen den Felsen.
Mein Ziel, den Glacier 3000 Run zu beenden, bleibt bestehen – diese Erfahrung hat meinen Wunsch sogar noch verstärkt. Nächstes Jahr möchte ich wieder an der Startlinie stehen.
Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden? Nein, denn ich wollte die Ziellinie erreichen. Trotzdem bin ich dankbar, dass ich überhaupt den Mut hatte, an der Startlinie zu stehen. Mein erster Glacier 3000 Run endete mit einem DNF. Aber meine Geschichte mit diesem Rennen ist noch lange nicht zu Ende. Nächstes Jahr komme ich zurück. Ich werde mehr trainieren und bereit sein, das zu Ende zu bringen, was ich begonnen habe.
TEILNEHMERREKORD UND DOPPELSIEG FÜR KENIA AM GL ACIER 3000 RUN
Am vergangenen Samstag stellten sich 1053 Athletinnen und Athleten der Herausforderung des Glacier 3000 Run – so viele wie noch nie. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern ging die Goldmedaille nach Kenia.
Der Kenianer Kariuki Elijah Kamau überquerte die Ziellinie mit einem Vorsprung von mehr als 14 Minuten. Mit einer Zeit von 2 Stunden und 22 Minuten verpasste er den Streckenrekord lediglich um zwei Minuten. Vitaly Shafar (UKR), der das Rennen bereits zweimal gewonnen hatte, holte Silber. Bronze ging an Manuel Hügli (SUI).
Bei den Frauen siegte die Kenianerin Gloria Chebet in 2 Stunden und 54 Minuten. Silber und Bronze gingen in die Schweiz: Die Streckenrekordhalterin Martina Strähl belegte den zweiten Platz, Natalina Neuenschwander wurde Dritte.
Vertical Run
Zum zweiten Mal fand auch der Vertical Run statt, der die Teilnehmenden vom Col du Pillon hinauf zum Glacier 3000 führte. Der Franzose Jacques Grillet triumphierte in 1 Stunde und 6 Minuten vor Rémy Dénervaud (SUI) und dem Vorjahressieger Andreas Herzig (SUI).
Bei den Frauen ging Gold nach Spanien: Charlotte Cotton gewann in 1 Stunde und 25 Minuten vor Edith Zubrügg (SUI) und Michal Christen (SUI).
Gstaad Kids Run
Beim Gstaad Kids Run absolvierten 135 Kinder die 400 Meter lange Strecke. Rund zwei Drittel der Kinder kamen aus dem Saanenland selbst.
Mehr als 300 freiwillige Helferinnen und Helfer trugen zum Gelingen des Events bei.
PD/MAV
Vollständige Rangliste unter https://results.datasport.com/de/anlass/glacier-3000-run-gstaad-2026/ranking






