«Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft!»

  07.08.2023

Diesen einprägsamen Spruch äusserte einst der tschechoslowakische Langstreckenläufer Emil Ferdinand Zátopek (1922–2000), der mehrere olympische Gold- und Silbermedaillen gewann. Am Samstag, 5. August fand der 15. Glacier 3000 Run statt, an dem 888 Läuferinnen und Läufer teilnahmen. Die Einrichtungen des Glacier 3000 waren rechtzeitig für den Anlass bereit, doch Schnee und Kälte zwangen die Organisation, den Zielbereich zur Mittelstation Cabane auf 2’525 Metern zu verlegen. Die neue Strecke des Vertical KM war ein voller Erfolg.

EUGEN DORNBIERER-HAUSWIRTH
Vom Col du Pillon aus erreichten die Läuferinnen und Läufer die Mittelstation Cabane über einen steilen Weg, der unter den Kabeln der Seilbahn von Glacier 3000 hindurchführt. Diese anspruchsvolle Strecke ist nur für gut trainierte und trittsichere Personen geeignet. Die Querung unter der Felswand des Gemskopfs (Tête aux Chamois) verläuft im Absturzgelände und kurz vor Erreichen der Cabane ist ein Felsriegel zu passieren. Das Tragen eines Helms ist obligatorisch und die Verwendung von Stöcken wird empfohlen.

«Vertikal» startete auch unser Richard Müller (Thun) der mehrere Jahre Rennleiter des Glacier 3000 Runs war.

Gstaad Kids Run
52 Mädchen und 45 Knaben, eingeteilt in fünf Laufkategorien, liefen im Dorfzentrum von Gstaad um die Wette. Entlang der Laufstrecke, vor allem in der Promenade, wurden die «Kids» von Zuschauenden, Eltern und Verwandten mit Anweisungen und Tipps wie «lauf nicht zu schnell», «teile deine Energie ein» und «atme regelmässig» angefeuert. Haben die Mädchen und Knaben die gut gemeinten Ratschläge im euphorischen Geschrei der Erwachsenen verstanden? Wohl kaum! Besonders gefällig war wiederum die Kategorie MuKi/VaKi. Kinder mit den Jahrgängen 2018-2020 liefen in Begleitung eines Erwachsenen (meist Mutter oder Vater). Gleich nach dem Start stürmten die «Girls and Boys» ihren Begleitpersonen davon. Am Ende der 400-Meter-Laufrunde war es dann in vielen Fällen umgekehrt.

Glacier 3000 Run
791 Läuferinnen und Läufer packten die Herausforderung, den Lauf als Finisher zu beenden. Viele massen sich in der Kategorie Single. Andere bevorzugten den Team-Run. Egal ob Single oder im Team, ohne Vorbereitung wäre die Ausdauerprüfung wohl kaum zufriedenstellend zu schaffen. Eine Woche vor dem Glacier 3000 Run lüfteten zwei Läuferinnen und zwei Läufer aus dem Saanenland ihre Vorbereitungsgeheimnisse.

Die vollständigen Ranglisten sind unter folgendem Link verfügbar: https://www.datasport. com/live/ranking/?racenr=25434


DIE GEWINNERINNEN UND GEWINNER DER DIESJÄHRIGEN AUSGABE

888 Läuferinnen und Läufer gingen bei dieser 15. Ausgabe in allen Kategorien an den Start. Der Tagessieger Vitaliy Shafar aus der Ukraine beendete die 23,1 km lange Strecke in 1:50 Stunden und verwies die beiden Kenianer Elvis Kipkoech und Timothy Kimutai Kirui mit fast 10 Minuten Rückstand auf die Plätze. Diese Zeit wäre gleichbedeutend mit einem Rekord gewesen, wenn das Rennen auf Scex Rouge aufgehört hätte. Die Schweizer François Leboeuf, Raphael Sprenger und Nicola Buchs belegten die Plätze vier bis sechs; Letzterer ist aus der Lenk.

Bei den Damen war es die Bündnerin Alexandra Wallimann, die in 2:20 Stunden einen grossartigen Sieg errang. Sie distanzierte die Amerikanerin Meg Lane um 7 Minuten und Priska Fuhrer aus Hinterkappelen um weitere 7 Minuten. Die grosse Neuheit dieser 15. Ausgabe ist die neue Kategorie des Vertical KM zwischen dem Col du Pillon und Cabane. Mit einer Länge von 3,83 km und einem Höhenunterschied von 1‘000 Metern bietet diese Strecke eine intensive Anstrengung, die ambitionierte Läufer anzieht. Einige Spezialisten für vertikale Läufe waren am Start: Jonathan Schmid (mehrfacher Schweizer Meister im Berglauf), Martin Anthamatten (zweimaliger Sieger der Patrouille des Glaciers) oder Victoria Kreuzer (mehrfache Schweizer Meisterin im vertikalen Skialpinismus). Auf dieser Strecke gab es keine Referenzzeiten. Das ist nun geschehen. Martin Anthamatten gewann diesen steilen Anstieg in 38 Minuten bei den Männern vor Jonathan Schmid in 40 Minuten und Victoria Kreuzer bei den Frauen in 46 Minuten.

GLACIER 3000


Steve Reichenbach war im Jahr 2019 Amtsfähnrich der Feldschützen Gsteig. Er weiss, was man unternehmen muss, um ins Schwarze zu treffen. Er kennt sich aus in der Lehre des Trainings und plant seine sportlichen Aktivitäten sorgfältig. Um physisch und psychisch fit zu bleiben, ist er zu Fuss, mit dem Velo, auf Langlaufski und sehr oft auch mit seiner Frau und den beiden Kindern sportlich unterwegs. Spass am Sporttreiben ist sein Credo. Das heisst nicht, dass er nur ab und zu trainiert. Ihm sind die Trainingsmethoden Intervall, Hügellauf und Fahrtspiel nicht fremd. Die Wettkampfhärte holt er sich bei Bergläufen (Videmanette Summer Challenge, Blümlisalplauf) und im Triathlon. In einem Gespräch sagte Steve: «Ich freue mich auf die 26,2 km und die 2015-Meter-Steigung. Ich werde gefordert. Trotzdem werde ich die Schönheit der Landschaft geniessen. Ich lasse mich durch nichts unterkriegen und aufgeben kommt absolut nicht in Frage. Auch werde ich mich vom Läuferfeld nicht hetzen lassen. Dank meiner zielorientierten Vorbereitung, u.a. auch im Bereich der Ernährung, wird mir der Lauf grosse Freude bereiten».

Steve Reichenbach, Jahrgang 1990, startete für den TV Gsteig-Feutersoey in der Königsdisziplin, dem Single Run. Resultat: Kategorie M30: 58. Rang von 117 Läufern; Laufzeit: 3.08.52/Siegerzeit: 2.01.22; Gstaad-Reusch: 1.30.52.


Sinja Reuteler, Gymnasiastin, ist sportlich recht vielseitig. Geräteturnen im TV Saanen-Gstaad fördert ihre Feinmotorik und die Muskelkraft. Skilanglauf, sie bestritt diesen Winter den Engadin Skimarathon, gelenkschonendes Mountainbiken und Teilnahme an Laufwettkämpfen entwickeln ihre Ausdauerfähigkeit. Im Sport findet die 17-Jährige den idealen Ausgleich zum Unterricht in der Schule. Sinja trainiert regelmässig, aber nicht nach Plan, sondern eher nach Lust und Laune. Weil sie Sporttreiben liebt, ist ihre Bauchgefühl-Trainingsgestaltung qualitativ nicht minderwertig. Sie ist in der Lage, ihren Puls in den roten Bereich (gegen 200 Schläge pro Minute) zu jagen. Den steil ansteigenden Weg zum Eggli (von 11 Prozent) läuft sie regelmässig, und das nicht etwa gemütlich. Im Grand-Prix von Bern 2023, eine hügelige Laufstrecke von 16 km, belegte sie den ersten Rang in der Kategorie U18, respektive den 130. von 2760 Frauen. Hinsichtlich des Glacier 3000 Runs meinte sie: «Der Erfolg am GP Bern gibt mir Selbstvertrauen und motiviert mich sehr. Zudem, als Kind schaute ich den Läuferinnen und Läufern zu, als sie bei uns im Grund vorbei rannten. Das spornte mich an, jetzt Gleiches zu tun. Auch möchte ich mir beweisen, zu was ich fähig bin.»

Sinja, Jahrgang 2006, läuft den ersten Teil des Runs und Lara Marti, Jahrgang 2005, rennt den Berg hoch. Sie wählten einen aussagekräftigen Teamnamen, nämlich; «who runs the world-girls», ein weltbekannter Song von Shakira. Resultat: 2. Rang von 10 Teams; Laufzeit: 2.52.08/Siegerzeit: 2.38.57; Sinja: Gstaad-Reusch: 1.24.16.


Max Rieder hat erst im fortgeschrittenen Alter, so ab dem 40. Altersjahr, regelmässiges Sporttreiben entdeckt. Er meint, Velofahren und Bergtouren wären die richtigen Aktivitäten zu seinem sitzenden Beruf. Als Architekt kennt er die Bedeutung eines Fundamentes und weiss, dass auf diesem das ganze Gewicht des Bauwerks lastet. Diese Erkenntnis motiviert Max, sich mit einigen Aspekten der Trainingslehre auseinanderzusetzen. Allzu ernsthaft geht er allerdings nicht zur Sache. Die Freude an der Bewegung obsiegt. Er liebt Ausdauersportarten und mag es, wenn der Puls (das Herz) hörbar schlägt. Laufen ist für ihn pure Freude und nicht eine Tätigkeit, die Leiden schafft. In einem Gespräch betonte Max: «Meinen Part im Glacier 3000 Run vergleiche ich gerne mit meinen bisherigen acht Läufen. Ich will den Lauf als Finisher beenden, um dann die Glücksgefühle geniessen zu dürfen». Allerdings, noch schönere Emotionen erlebte ich im
Duathlon «Hike and Fly»; Berglauf und mit dem Gleitschirm ins Tal hinunter segeln; ich bewegte mich, wurde bewegt und war bewegt!

Max Rieder, Jahrgang 1960, wird zusammen mit Christoph Boo, Jahrgang 1959, den Teamwettkampf bestreiten. Max wird wiederum die selektive Bergstrecke (10,6 km und 1618 Höhenmeter) unter die Füsse nehmen. Christoph wird auf der ersten Teilstrecke (15,6 km und 282 Höhenmeter) bemüht sein, seinen Partner in der Reusch nicht allzu lange warten zu lassen. Sie wählten, weil Christoph schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger ist, den Teamnamen «Old Gringos». Resultat: 15. Rang von 18 Teams; Totale Laufzeit: 3.12.00/Siegerzeit: 2.07.23; Christoph: Gstaad-Reusch: 1.35.10.


Yvonne Reichenbach gibt das klassische Bild einer modernen Mutter und Ehefrau. Dank ihrer polyvalenten Begabung fällt es ihr nicht schwer, ihrem Mann den Rücken frei zu halten, ihre zwei Kinder zu betreuen, den Haushalt zu führen, beruflich (30 Prozent) aktiv zu sein und regelmässig Sport zu treiben. Sie legt Wert auf ein vielseitiges Fitnesstraining und betont, dass Muskelkraft ihr ein gutes Körpergefühl verleihe. Selbstverständlich investiert sie ordentlich viel Zeit in die Ausdauersportarten Skilanglauf, Radfahren, Laufen (joggen) und allerlei Bewegungsspiele mit ihren Kindern, denen sie übrigens ein gutes Vorbild sein will. Yvonne trainiert regelmässig, 2-3 Mal die Woche und scheut sich nicht, anspruchsvolle Trainingseinheiten (Intervalltraining) in ihr Programm aufzunehmen. Betreffend Ernährung sagte sie: «Keine Experimente, am besten nach Grossmutterart, will heissen: Kartoffeln, Reis, Gemüse, Salat und viel Haferflocken, ein vorzüglich geeignetes Vollkorn-Getreideprodukt um die Energiespeicher optimal füllen zu können». Motivationsprobleme kennt Yvonne nicht. «Ich laufe sehr gerne im Team und freue mich, dass ich laufen darf. Zudem ist die Landschaft rund um den Glacier 3000 Run faszinierend und einzigartig».

Yvonne Reichenbach, Jahrgang 1983, wird mit Jenny Reichenbach (Jahrgang 1991) an den Start gehen. Ihr Team «Richriver Power» soll wiederum auf dem Siegerpodest vertreten sein. (2022: 3. Rang!) Yvonne wird bergwärts laufen. Jenny, mit ihrem flotten Lauftempo, will den ersten Streckenteil schnellst möglich hinter sich bringen. Resultat: 5. Rang von 10 Teams; Totale Laufzeit: 3.06.55; Jenny, Gstaad-Reusch: 1.34.30.


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