Goldjunge ganz nah: Boltigen feiert seinen Franjo von Allmen
23.02.2026 SportDrei olympische Goldmedaillen, 1,5 Kilo Edelmetall und ein ganzes Dorf im Freudentaumel: Als Franjo von Allmen nach seinem historischen Triumph in Milano Cortina nach Hause kam, wurde Boltigen zur olympischen Bühne. Zwischen Kinderliedern, Live-Schaltungen und ...
Drei olympische Goldmedaillen, 1,5 Kilo Edelmetall und ein ganzes Dorf im Freudentaumel: Als Franjo von Allmen nach seinem historischen Triumph in Milano Cortina nach Hause kam, wurde Boltigen zur olympischen Bühne. Zwischen Kinderliedern, Live-Schaltungen und viel Gelächter zeigte sich, warum ihm die Herzen zufliegen.
JOCELYNE PAGE
Schon an der Strasse war klar: Hier passiert heute Grosses. Männer und Frauen in Leuchtwesten regelten den Verkehr, Shuttlebusse pendelten im Takt vom Bahnhof und von den Parkplätzen heran und auf dem Schulareal Reidenbach in Boltigen ragte ein riesiges Zelt in den Winterhimmel. Davor flimmerten auf einem grossen Flatscreen die Bilder für das Public Viewing, daneben brutzelten Würste, sprudelte frisch gezapftes Bier, es roch nach Fest und Vorfreude.
Das ganze Dorf half mit. Und das Dorf kam auch – für Franjo von Allmen.
Ein Dorf im Ausnahmezustand
Das Zelt war bis auf den letzten Platz gefüllt, draussen drängten sich weitere Zuschauerinnen und Zuschauer vor dem überdimensionalen Bildschirm. Überall prangte von Allmens Logo. Auf Mützen, Jacken, Kapuzenpullis, T-Shirts, Schals und Fahnen. Kleine Kinder reckten sich auf die Zehenspitzen oder sassen auf den Schultern der Eltern, mit grossen, glänzenden Augen, in der Hoffnung, einen Blick auf ihren Star zu erhaschen.
Und dann kam er. Franjo von Allmen, dreifacher Olympiasieger. Gold in der Abfahrt. Gold im Super-G. Gold in der Teamkombination zusammen mit Tanguy Nef. Eine historische Leistung an den Winterspielen von Milano Cortina. Abgehobener Champion? Weit gefehlt. Von Allmen präsentierte sich locker, nahbar, mit einem Lächeln, das fast so strahlte wie seine Medaillen.
1,5 Kilo «Gold» im Hosensack
Wobei, wo waren die eigentlich? «Im Hosensack», antwortete er trocken auf die Frage von SRF-Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber. Das Publikum brach in Gelächter aus. Drei Medaillen à 500 Gramm. 1,5 Kilo Edelmetall. Einfach so in der Tasche.
Später legte er sie kurzerhand auf den Bühnenboden und stellte sich hinter die Kinder, die vor ihm sangen. Salzgeber «rügte» ihn gespielt, er solle doch besser aufpassen. Wieder Gelächter.
Das Edelmetall hatte da bereits eine kleine Geschichte hinter sich. Von Allmen erzählte, wie er seiner Grossmutter eine Medaille um den Hals gehängt habe. Sie habe sie kaum mehr ablegen wollen. «Und dann ging sie kaputt», pointierte er die Episode. Doch Entwarnung folgte sogleich: Die Medaille sei rasch repariert gewesen.
Kinder singen für ihren Olympiasieger
Die heimlichen Stars des Abends waren die Kinder der Primarschule Boltigen. Ihre Lehrerin hatte bekannte Songs umgedichtet und mit passenden Texten versehen. Ein ganzes Medley erklang im Zelt. Beim letzten Lied sang die Menge lautstark mit, klatschte im Takt und schwenkte Fahnen.
Fanclub wächst, Wette wird eingelöst
Dass von Allmens Erfolg Wellen schlägt, zeigt der Blick auf den Fanclub. 2022 mit einer Handvoll Personen gegründet, wuchs er zunächst auf einige Hundert an. Heute zählt er rund 1600 Mitglieder. Tendenz steigend. Wie eng die Verbundenheit inzwischen ist, zeigte sich auf der Bühne. Fanclub-Präsident Sandro Siegenthaler hatte mit Franjo von Allmen eine Wette abgeschlossen: Sollte dieser Olympiasieger werden, würde er sich das Logo tätowieren lassen. Nun war der Moment gekommen. Siegenthaler krempelte den Ärmel hoch und präsentierte das Tattoo.
Von Allmen schmunzelte. Kurz zuvor war er von Medien gefragt worden, ob er selbst Tattoos habe. Seine Antwort ist inzwischen fast so bekannt wie seine Goldfahrten: «Auf einen Ferrari klebt man auch keine Kleber.» Als Salzgeber ihn bat, das Zitat noch einmal zu wiederholen, tobte das Zelt.
Zwischen Festzelt und Fernsehstudio
Auch Gemeindepräsident Albert Wampfler und Swiss-Ski-Präsident Stefan Binggeli würdigten die aussergewöhnliche Leistung des Olympiasiegers auf der Bühne. Und medial war der Empfang natürlich ein Grossanlass. Radio BEO sendete ab 17 Uhr live, SRF schaltete gleich zweimal direkt von der Bühne. Kameraleute huschten heran, zogen sich wieder zurück. Handmikrofone wurden gehoben, der Blick ging in die Kamera – und kurz darauf wieder ins Publikum nach Boltigen. Alles wirkte präzise abgestimmt. Von Allmen bewegte sich souverän zwischen Feststimmung und Live-Interview, professionell und mit der nötigen Portion Humor.
Als der Abend langsam ausklang, blieb vor allem eines: das Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein. Die Leute standen zusammen in der Menge, hörten sich lachen, mitsingen, staunen.
Kaum zurück, schon wieder im Rennmodus
Seit seiner Rückkehr aus Italien ist für von Allmen kaum Ruhe eingekehrt. Zwar habe er sich zunächst Zeit für Freunde genommen, erzählte er. Doch lange stillhalten liegt ihm offenbar nicht: Kurz darauf nahm er bereits am Drei-Stunden-Rennen auf dem Jaunpass teil. Dass er die Energie hochhält, ergibt jedoch Sinn: Bereits ab dem 28. Februar stehen in Garmisch-Partenkirchen die nächsten Weltcuprennen für ihn an.
Nach dem Empfang in Boltigen nimmt er nicht nur Medaillen, sondern auch die Unterstützung eines ganzen Dorfes mit zurück auf die Weltcuppiste. Und er hat gezeigt, dass wahre Grösse nicht nur an Medaillen gemessen wird, sondern an der Art, wie man sie trägt. Oder eben ganz lässig im Hosensack verstaut.

























