Mit einem Debütkonzert in Gstaad führte das erst kürzlich gegründete «Rachmaninoff Trio» in eine Welt voller Gefühle und Leidenschaft. In der St.-Niklaus-Kapelle begeisterten Anzhe Zuo, Cello, Stefan Tarara, Violine, und Alexey Botvinov, Klavier, ein ...
Mit einem Debütkonzert in Gstaad führte das erst kürzlich gegründete «Rachmaninoff Trio» in eine Welt voller Gefühle und Leidenschaft. In der St.-Niklaus-Kapelle begeisterten Anzhe Zuo, Cello, Stefan Tarara, Violine, und Alexey Botvinov, Klavier, ein kleines, ebenso anspruchsvolles als dankbares Publikum.
LOTTE BRENNER
Der Klaviervirtuose Sergei Rachmaninoff komponierte ein wahres Feuerwerk für Klavier, so auch in der Cello-Sonate G-Moll, op.19, weshalb sie etwa als «Klavierkonzert mit wunderschöner Cellomelodie» bezeichnet wird. Jedoch wurde nicht nur der hervorragende Pianist Alexey Botvinov von Rachmaninoff virtuos herausgefordert, sondern ebenso die Cellistin Anzhe Zuo, die mit wunderbar warmem Celloklang in technischer Akrobatik äusserst ausdrucksvoll und gefühlsbetont spielte. Zarte Gefühle und Leidenschaft wechseln sich ab.
César Francks Violinsonate in A-Dur besticht durch eine wunderschöne, wiegende Geigenmelodie, in die sich auch das Klavier empfindsam einbringt. Der Geiger Stefan Tarara spielte sie temperamentvoll, doch auch mit innig empfundenen Klangbildern. Er selber bekannte sich zu seinem Lieblingssatz, in dem das schlichte Hauptthema kanonisch verarbeitet wird. Franck hat die Sonate dem belgischen Geiger Eugène Ysaye zugeeignet. Wie Tarara berichtete, komponierte sie der 64-jährige Meister für den 27-Jährigen zur Hochzeit. Da Franck selber auch in die Braut verliebt gewesen sei, schlich sich eine leise Wehmut in das Stück.
Ein Wechselbad der Gefühle
In «Rachmaninoffs Trio élégiaque», g-Moll, op.9, zeigte sich das ganze Trio nochmals in musikalisch reinster Form. Obschon Rachmaninoff das Werk im jugendlichen Alter von 18 Jahren komponierte, ist es melancholisch, traurig durchwirkt.
Als überschwänglicher Gegensatz wurde das Konzert mit einem rassigen argentinischen Tango beendet. Astor Piazzollas «Libertango», in der jazzigen Bearbeitung des Pianisten Pablo Ziegler für das Trio arrangiert, wurde mit entfesselter Spielfreude interpretiert und vom Publikum beschwingt aufgenommen.
Die Kollekte des Konzerts ging einesteils an die Ausführenden, der Rest an Projekte in der Ukraine.
DIE AUSFÜHRENDEN
Der ukrainische Pianist Alexey Botvinov gilt als wohl grösster Kenner Sergei Rachmaninoffs und wurde deshalb eingeladen, in der Luzerner Villa Senar den berühmten Flügel des russischen Komponisten zu bespielen. Bereits 2002 hatte die Schweizer Fachpresse «Botvinov spielt Rachmaninoff» als «Klassische Einspielung des Monats» ausgezeichnet. Gemeinsam mit Daniel Hope, dem Intendanten des Gstaad Menuhin Festivals, hat der Pianist vier CDs aufgenommen. Bodvinov stammt aus Odessa, Ukraine, und lebt in Zürich.
Der Violinist Stefan Tarara ist Preisträger der «International George Enescu Violin Competition». Er war 2008 als Musiker des Jahres nominiert, ist Mitglied des Stradivari-Quartetts und Lehrkraft am Konservatorium in Zürich.
Die chinesisch-schweizerische Cellistin Anzhe Zuo hat ihr Studium an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen. Ausserdem ist sie Mitglied des «Pablo Ziegler Quartet» (Pablo Ziegler war langjähriger Pianist von Astor Piazzolla). Sie trat als Solistin in den Musiktheatern Sogar in Zürich und Gare du Nord – Bahnhof für Neue Musik in Basel auf.
BRE