Das Patt von Lauenen

  21.11.2023 Lauenen

Die Stimmengleichheit in Lauenen vom vergangenen Abstimmungssonntag brachte das Projekt des Integrierten Versorgungsmodells GSS zum Scheitern.

«Überrascht und fassungslos nehme ich das Abstimmungsergebnis meiner Gemeinde zur integrierten Gesundheitsversorgung vom Sonntag zur Kenntnis», sagt die Lauener Gemeindepräsidentin Ruth Oehrli in einer Medienmitteilung. Die Stimmengleichheit von 147:147 Stimmen sei eigentlich kein Entscheid, aber sie müsse als Nein gewertet werden. Denn die Vorlage habe nun einmal keine Stimmenmehrheit erzielt, heisst es in der Medienmitteilung. Mit einem solchen Ergebnis habe die Gemeindepräsidentin niemals gerechnet, insbesondere nach dem klaren Verdikt an der Gemeindeversammlung vom 25. August 2023 in der gleichen Fragestellung. «Die Gemeinde Lauenen erwartet vom Kanton Bern und der nun verantwortlichen Spital STS AG, dass der Problematik der langen Wege ins nächste Spital – von deutlich mehr als einer Stunde – Rechnung getragen wird», heisst es weiter. Es müsse eine Notfalllösung erarbeitet werden, die auch der Bevölkerung von Lauenen jederzeit eine Notfallbehandlung ermögliche. «Ich wünsche mir, dass wir als Bevölkerung von Lauenen trotz dieses Ergebnisses weiter gemeinsam die kommenden Projekte vorantreiben», lässt sich die Gemeindepräsidentin zitieren.

PD/SWO


«Fassungslos und traurig»

INTERVIEW: SONJA WOLF

Ruth Oehrli, wie geht es Ihnen heute? Immerhin sind Sie die Präsidentin der Gemeinde, die das Projekt zum Scheitern brachte, das für viele mit grossen Hoffnungen verbunden war.
Ich bin fassungslos und traurig. Schon der erste Entscheid in Gsteig im August war knapp, aber diese Stimmengleichheit in Lauenen, die nun zur Ablehnung des Projekts führt, ist noch knapper – fast schon tragisch.

Wurden die Stimmen in Lauenen mehrfach ausgezählt, um allfälligen Fehlern vorzubeugen?
Ja, die Stimmen wurden insgesamt fünfmal ausgezählt. Fehler sind also auszuschliessen.

Im August fiel das Lauener Ergebnis noch zugunsten des Integrierten Versorgungsmodells aus. Haben Sie eine Vermutung, wie es zu dieser Meinungsverschiebung gekommen ist?
Ich vermute, dass die ablehnenden Flugblätter und Meinungen, die im Vorfeld in der Region zirkuliert sind, zur Verunsicherung der Bevölkerung beigetragen haben.

Sie sind immer nahe an der Bevölkerung dran. War die Skepsis der Lauener für Sie absehbar?
Nein, ich war äusserst überrascht. Ich kann mir aber denken, dass auch das Alterswohnen, das bei uns angesiedelt ist und gut funktioniert, bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben könnte.

Wie geht es für Sie weiter?
Obwohl die Ablehnung in meiner Gemeinde für mich – auch persönlich – ein herber Rückschlag ist, werde ich mich weiter für eine funktionierende Gesundheitsversorgung im Saanenland und Obersimmental und auch für alle Belange der Lauener Bevölkerung einsetzen. Ich bin eine Kämpferin!


 


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