Wie geht Tourismus heute? Welche Aufgaben und Rollen übernimmt eine Tourismusorganisation heutzutage? Mit Destinationsmanagement 4.0 (DM 4.0) hat Gstaad Saanenland Tourismus einen neuen Ansatz mitentwickelt. An einer Masterclass in Saanenmöser zeigte sich: Das Interesse daran ist in der ...
Wie geht Tourismus heute? Welche Aufgaben und Rollen übernimmt eine Tourismusorganisation heutzutage? Mit Destinationsmanagement 4.0 (DM 4.0) hat Gstaad Saanenland Tourismus einen neuen Ansatz mitentwickelt. An einer Masterclass in Saanenmöser zeigte sich: Das Interesse daran ist in der Branche gross.
Gstaad Saanenland Tourismus als Beispiel für DM 4.0
Am 1. und 2. Juni fand im Golfhotel in Saanenmöser eine Fachtagung zum Thema Destinationsmanagement 4.0 (DM 4.0) statt. Teilgenommen haben rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von Tourismusorganisationen aus der ganzen Schweiz. Gstaad Saanenland Tourismus gilt als Vorreiterin des neuen DM-4.0-Ansatzes.
JONATHAN SCHOPFER
Von Zürich Tourismus über My Leukerbad AG bis Engadin Tourismus, Professor Hansruedi Müller hiess am ersten Tag der Fachtagung die Tourismusorganisationen aus der ganzen Schweiz willkommen. Entsprechend vielfältig klangen die Dialekte der Teilnehmenden im voll besetzten Seminarraum des Golfhotels.
Im Zentrum der Fachtagung stand die Frage, wie sich Destinationsmanagementorganisationen (DMO) künftig aufstellen sollen. Denn eine DMO wie Gstaad Saanenland Tourismus (GST) ist heute längst nicht mehr nur eine Marketingorganisation.
Wieso GST als Vorreiter in DM 4.0 gilt
Der Ansatz DM 4.0 wurde über die Jahre von Professor Jürg Stettler, Professor Hansruedi Müller und Flurin Riedi, Direktor von Gstaad Saanenland Tourismus, entwickelt. Flurin Riedi erklärte auf Anfrage: «Als ich bei GST begann, war klar, dass die Rollen und Aufgaben transformiert werden müssen.» Ihm sei deshalb wichtig gewesen, Hansruedi Müller als Tourismusexperten in den Vorstand von GST zu holen.
«Aus dem fachlichen Austausch hat sich mit der Zeit der DM 4.0 Ansatz entwickelt, der die heutigen Rollen und Aufgaben von DMOs umfassend beschreibt», sagte Riedi.
DM 4.0 bedeutet konkret, dass eine DMO eine Vielzahl von Aufgaben übernimmt, die über klassische Werbung und Gästeinformation hinausgehen.
Dazu gehören unter anderem die strategische Entwicklung der Destination, die Zusammenarbeit mit lokalen Anspruchsgruppen, die Kommunikation nach innen und aussen sowie der stetige Blick auch aus der Perspektive der Bevölkerung. «Man kann diesen Ansatz etwa im Destinationsrat, in der Zusammenarbeit mit den Dorforganisationen oder in der Tourismusstrategie finden», sagte Riedi. Die im DM 4.0 beschriebenen acht Kernkompetenzen zeigen zusammengefasst, «wie eine Destination gemeinsam mit vielen Partnern ganzheitlich weiterentwickelt und in die Zukunft geführt werden kann», so der Direktor von GST.
Wie es zur Masterclass kam
«Im Gespräch mit anderen Destinationsmanagementorganisationen wurde GST immer wieder auf den Ansatz DM 4.0 angesprochen. Deshalb wollten wir gemeinsam mit dem Verband Schweizer Tourismusmanager (VSTM) eine Masterclass anbieten», sagte Riedi. Die Nachfrage sei gross gewesen. «Wir mussten sogar einen Schlussstrich bei den Anmeldungen ziehen.»
Aus den Diskussionen mit den Teilnehmenden zieht Flurin Riedi ein positives Fazit. Auch mit Blick auf das nächste Jahr hat er bereits Pläne: «Ja, wir wollen zusammen mit dem VSTM die Masterclass beibehalten – die Herausforderungen im Tourismus sind gross und die Themen vielfältig.»
VERSCHIEDENE DESTINATIONEN, ÄHNLICHE HERAUSFORDERUNGEN
An der Masterclass nahmen schweizerische Tourismusorganisationen teil – unter anderem aus Andermatt, Crans-Montana, Thun, Zürich und Savognin. So unterschiedlich die Destinationen sind, so ähnlich sind teilweise die Herausforderungen.
Auf die Frage, welche Themen sie als DMO und als Destinationen derzeit am stärksten beschäftigen, nannten die Teilnehmenden am häufigsten Besucherlenkung, Fachkräftemangel, Tourismusakzeptanz und Wohnungsmangel.
JSC