Gstaad engagiert sich für Humane World for Animals
02.03.2026 GstaadIm The Alpina Gstaad versammelten sich im Februar rund 120 Gäste zu einem Abend zugunsten von Humane World for Animals.
Es war in erster Linie ein Fundraising-Anlass. Zugleich war es aber eine Einführung oder vielleicht eine Wiedereinführung in die Arbeit ...
Im The Alpina Gstaad versammelten sich im Februar rund 120 Gäste zu einem Abend zugunsten von Humane World for Animals.
Es war in erster Linie ein Fundraising-Anlass. Zugleich war es aber eine Einführung oder vielleicht eine Wiedereinführung in die Arbeit der Organisation für die lokale und internationale Gemeinschaft in und um Gstaad. Die Idee stammt von drei lokalen Chaletbesitzerinnen: Clarina Hocke-Notz, Vera de Lesseps und Caro von Saurma.
Zum ersten Mal hörte ich davon, als ich mit unserem Tierschutzhund George spazieren ging. Unterwegs trafen wir Vera de Lesseps. Wir hielten beide Hunde an der Leine, die aus dem Tierschutz stammen und keinen einfachen Anfang hatten. Sie erzählte mir von ihren Plänen. Wenn es um Hunde geht, die man von der Strasse retten kann, wird ein Gespräch schnell persönlich. So kam es, dass ich an diesem Abend im The Alpina war.
Leute wollen Vierbeinern helfen
Der Rahmen, der von den drei Gastgeberinnen organisiert wurde, war elegant, aber nicht überladen. Man hatte den Eindruck, dass die Anwesenden zuhören wollten. Caro von Saurma eröffnete den Abend in einem direkten Ton. Ohne eingangs Statistiken zu nennen. Ohne auf Schockeffekte zu setzen. Sie erklärte, weshalb sie sich zum Handeln entschlossen hatten.
Als Ruud Tombrock, Europa-Exekutivdirektor von Humane World for Animals, das Wort ergriff, verlagerte sich der Fokus von persönlichen Geschichten auf strukturelle Fragen. Er erklärte, weshalb sich ein grosser Teil der Arbeit auf die europäischen Institutionen richtet. Änderungen auf dieser Ebene betreffen nicht nur ein einzelnes Land, sondern ganze Märkte.
Die Schweiz sei zwar nicht Mitglied der EU, aber über den Handel eng verbunden. Wenn Rückverfolgbarkeitsregeln verschärft oder Tierschutzstandards harmonisiert würden, habe dies Auswirkungen über die EU hinaus. Fortschritte seien nicht selbstverständlich, betonte er. Sie erforderten kontinuierlichen Druck und anhaltende öffentliche Unterstützung. Er sprach auch ein Thema an, das viele im Raum beschäftigt haben dürfte: Wie werden Spenden eingesetzt? Humane World for Animals finanziere sich vollständig durch Spenden. Das bedeute, Prioritäten zu setzen, Wirkung zu messen und Mittel dort einzusetzen, wo sie langfristige strukturelle Veränderungen bewirken, nicht nur kurzfristige Hilfe. Heimtiere seien ein zentraler Bestandteil dieser Strategie.
30 Millionen Hunde und Katzen für Fleischhandel
Dr. Katherine Polak führte das Thema auf eine andere Ebene. Sie nannte eindrückliche Zahlen: In Teilen Asiens würden jährlich bis zu 30 Millionen Hunde und Katzen für den Fleischhandel getötet. Entscheidend sei jedoch die Zusammenarbeit. Sie sprach von langfristiger Arbeit mit Regierungen, lokalen Organisationen und Gemeinschaften. Südkorea nannte sie als Beispiel, wo anhaltende Bemühungen zu konkreten Fortschritten geführt hätten. Veränderungen verliefen langsam, bis sie plötzlich sichtbar würden. Nach ihrem Referat blieb es nicht still.
Viele Fragen zu einem bewegenden Thema
Die Fragerunde war engagiert. Es ging um die Durchsetzung von Gesetzen und darum, wie europäische Standards Lieferketten ausserhalb der EU beeinflussen. Mehrere Hände blieben erhoben, als die vorgesehene Zeit bereits abgelaufen war. Beendet wurde die Diskussion schliesslich nicht aus Mangel an Interesse, sondern wegen der Tombola. Hier zeigte sich die Unterstützung der Gemeinschaft. Preise für die Tombola wurden von lokalen Unternehmen und Privatpersonen gespendet. Der Tisch für die stille Auktion spiegelte die Vielfalt der Region wider: Fotoshootings für Haustiere, Reiseerlebnisse, ausgewählte Weine, Kunstwerke und Accessoires. Der Anlass wirkte nicht wie eine Pflichtübung. Er hatte eine persönliche Note.
55’000 Franken an Spenden
Bis zum Ende des Abends kamen durch Tombola, stille Auktion und direkte Spenden mehr als 55’000 Franken zusammen. In den folgenden Tagen gingen weitere Beiträge ein. Oft ist dies ein Zeichen dafür, dass das Gehörte über den Abend hinaus nachwirkt.
JEANETTE WICHMANN/GSTAADLIFE
INS DEUTSCHE ÜBERSETZT/JOP
Denen Zeit verschaffen, die hilflos sind
Kommentar von
JEANNETTE WICHMANN/GSTAADLIFE
Für mich war der Abend auf verschiedene Weise bedeutsam. Die Adoption von George hat unseren Blick auf das Thema verändert. Durch unsere Kontakte zum Tierheim in Spanien, aus dem er stammt, sehen wir, wie kleine Beträge unmittelbar helfen. Sieben Euro sichern einem Hund für einen Tag Sicherheit und Futter. In Gstaad fällt ein solcher Betrag kaum ins Gewicht. In einer Auffangstation verschafft er Zeit. Und Zeit kann den Unterschied zwischen Angst und Erholung ausmachen.
An diesem Anlass wurde deutlich, dass gross angelegte politische Arbeit und konkrete Rettungsarbeit keine Gegensätze sind. Sie gehören zusammen. Die eine verändert Rahmenbedingungen. Die andere unterstützt das einzelne Tier, während strukturelle Anpassungen Zeit brauchen.
Drei Frauen entschieden sich zu handeln. Ein Raum wurde reserviert. 120 Gäste kamen. Damit stärkte die Gemeinschaft sowohl das Bewusstsein als auch die konkrete Unterstützung für Tiere über das eigene Tal hinaus.
Es gibt bereits Gespräche über eine weitere Veranstaltung. Angesichts der Stimmung im Raum ist kaum damit zu rechnen, dass die Dynamik nachlässt.
jeanette.wichmann@gstaadlife.com


