Gstaad im Zeichen des Schwingsports
16.06.2026 GstaadZwei Tage lang stand die Dubi-Matte in Gstaad ganz im Zeichen des Schwingsports. Bei sommerlichen Temperaturen kämpften Jungschwinger und Eidgenossen vor vielen Zuschauerinnen und Zuschauern um Siege, Kränze und Ehre. Rund 580 Helfende machten das Oberländische Schwingfest zu einem ...
Zwei Tage lang stand die Dubi-Matte in Gstaad ganz im Zeichen des Schwingsports. Bei sommerlichen Temperaturen kämpften Jungschwinger und Eidgenossen vor vielen Zuschauerinnen und Zuschauern um Siege, Kränze und Ehre. Rund 580 Helfende machten das Oberländische Schwingfest zu einem gelungenen Volksfest. Mit Aellen Florian durfte sich auch ein einheimischer Schwinger über einen Kranz freuen. Tradition, Brauchtum und Spitzensport verschmolzen zu einem unvergesslichen Wochenende.
Zwischen Sonnenglut und Sägemehl: Gstaad feiert ein Schwingfest der Traditionen
Nach 13 Jahren durfte Gstaad abermals Gastgeber für das Oberländische Schwingfest sein. Der zweitälteste Schwingklub der Schweiz organisierte die zwei Festtage, den Jungschwingertag am Samstag und das Fest der Bösen am Sonntag. Zwei Tage lang wurde geschwungen, geschwitzt, gesungen und gefestet – ganz im Zeichen des Schwingsports.
Die Arena auf der Dubi-Matte bot 6000 Zuschauenden Platz. Die Lebendpreise wurden direkt beim Eingang platziert, sodass jeder Besuchende die schönen Tiere bestaunen konnte. Der reich bestückte Gabentempel sowie auch die Festwirtschaft befanden sich in der Tennishalle, so konnte von der bereits vorhandenen Infrastruktur profitiert werden. Für den Auf- und Abbau sowie für das Schwingwochenende standen rund 580 Helfende im Einsatz.
Die Jungen im Sägemehlring
Am Samstag, 13. Juni, startete das Schwingwochenende mit den Jungschwingern. Pünktlich um 8 Uhr wurde auf den sechs Sägemehlringen angeschwungen. Am Fest nahmen 336 Jungschwinger aus dem ganzen Bernbiet und Waadtland teil, davon zwölf aus dem Saanenland. Insgesamt waren 39 Schwingklubs vertreten.
Unsere einheimischen Schwinger erlebten einen intensiven Tag bei warmen Temperaturen. Die Jungschwinger Perreten Adrian, Mösching Max und Müllener Lars sind die jüngsten Schwinger des Schwingklubs Saanenland. Mit neun Jahren sind sie dabei, an jedem Fest wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Sie schwangen sich in der jüngsten Kategorie auf die Ränge 11, 15 und 17. In der Kategorie Jahrgang 2015/16 schwangen Frautschi Fabian, Mösching Phil und Seewer Philipp um gute Resultate. Mit den Rängen 11,17 und 21 schlossen sie das Fest ab. Annen Michael und Michel Gian schwangen sich in der Kategorie Jahrgang 2013/14 auf die Ränge 17 und 19. In der Kategorie Jahrgang 2011/12 schwangen vier weitere Saaner Jungschwinger um die begehrten Zweige. Signer Simon gelang es, einen solchen zu erschwingen. Mit zwei verlorenen und vier gewonnenen Gängen schwang er sich auf Rang 7. Für Zumbrunnen
Florian resultierte Rang 16, für Yersin Jérome Rang 2 und Schopfer Nick schwang sich auf Rang 22. Mit einem weiteren Fest im Sack und um viele Erfahrungen reicher gingen die Jungschwinger nach Hause.
Das Fest der Bösen
Bei Sonnenschein und bereits warmen Temperaturen wurde am Sonntag um 8 Uhr angeschwungen. Bei gemütlicher Atmosphäre verfolgten die Zuschauenden die spannenden Kämpfe zwischen den Athleten. Anwesend waren elf Eidgenossen, darunter unter anderem die Spitzenschwinger Walther Adrian, Staudenmann Fabian, Orlik Curdin und Moser Michael. Als Gäste waren der Schwingklub Niederurnen und der Schwingklub Aigle eingeladen.
Gang 1: Als erster Saaner startete Brand Kevin in das Fest. Im Duell gegen Friedli Simon verletzte er sich leider – wir wünschen ihm gute Besserung. Kohli Patrick, Wehren Kenny und Zurbrügg Mathieu verloren ihre ersten Kämpfe. Auch Beetschen Nicolas und Kohli Christoph gingen nach einem intensiven Kampf als Verlierer vom Platz. Reichenbach Adrian, Aellen Florian und Annen Dominic stellten ihre Gegner. Ein spannendes Duell lieferten sich die beiden Spitzenschwinger Staudenmann Fabian und Moser Michael, wobei Letzterer als Sieger vom Platz ging.
Gang 2: Die Temperaturen stiegen und der zweite Gang begann. Kohli Patrick und Beetschen mussten sich abermals geschlagen geben. Kohli Christoph stellte seinen Gegner Maurer Manuel. Nach einem intensiven Kampf wurde er dafür mit der Note 9 belohnt. Aegerter Manuel stellte für Aellen eine Herausforderung dar. Er verteidigte sich erfolgreich gegen Aellens Angriffe und so stellten die beiden. Erfreulicher lief es für Reichenbach – er hatte bereits seinen Gegner Burger David am Boden, als er ihn wieder aufnahm und zehnerte. Annen Dominic verlor gegen Jost Markus. Annen schwang aktiv, zog mehrmals und wurde mit der Note 8.75 belohnt. Auch im zweiten Gang sorgte Moser Michael für Jubel, als er nach kurzer Gangdauer seinen Gegner Trittibach Silvan bezwang. Auch Walther Adrian, Staudenmann Fabian und Orlik Curdin konnten ihre Gegner erfolgreich besiegen.
Gang 3: Beetschen und Wehren mussten sich abermals geschlagen geben, Kohli Patrick und Zurbrügg stellten ihre Gegner, Aellen konnte seinen Widersacher nach kurzer Gangdauer auf den Rücken legen. Annen verlor seinen dritten Gang. Kohli Christoph gewann gegen Steiner Marco und Reichenbach legte Uebersax Mike platt auf den Rücken.
Gang 4: Im vierten Gang machte Annen kurzen Prozess mit seinem Gegner und legte ihn platt auf den Rücken. Auch Wehren gelang es, seinen Rivalen mit der Note 10 zu besiegen. Zurbrügg siegte gegen Ulrich Marco mit einem Plattwurf, ebenso wie Kohli Patrick gegen Künzi Jonas. Beetschen gewann gegen Wyssen Kari mit der Bestnote 10. Kohli Christoph verlor gegen den Kranzschwinger Sommer Mael. Aellen konnte seinem Gegner Burren Lorin nach kurzer Zeit den Rücken abwischen. Mit dem Eidgenossen Burger Matthieu stand Reichenbach einem «bösen» Schwinger gegenüber, er unterlag dem Eidgenossen.
Als Überraschung des vierten Ganges siegte der Kranzschwinger Rutsch Remo gegen den Eidgenossen Orlik Curdin.
Gang 5: Annen gewann nach intensivem Kampf gegen Sommer Mael. Beetschen verlor gegen Gerber Mathias. Kohli Patrick gewann nach kurzer Gangdauer mit Plattwurf gegen Fiechter Samuel. Zurbrügg verlor gegen Röthlisberger Sandro. Kohli Christoph zog aktiv und gewann schliesslich im Lätz gegen Niederberger Erik mit der Note 10. Wehren verlor gegen Schüpbach Eric. Der Eidgenosse Gasser Dominik und Aellen schenkten sich nichts. Nach einer guten Verteidigung am Boden gelang es Aellen, neu zu greifen, jedoch stellten die beiden den Kampf. Auch Reichenbach ging es nicht anders. Nach aktiver Schwingerarbeit stellte er den Gang gegen Friedli Simon.
Festakt
Begleitet von der Brass Band «Harmonie» Saanen marschierte das OK von Gstaad sowie das letztjährige OK von Adelboden ein. Der Gstaader OK-Präsident Bruno von Siebenthal betonte in seiner Rede, dass Gstaad mehr zu bieten habe als nur das Palace Hotel. Gstaad sei bekannt als vielfältige Tourismusregion mit einem starken Baugewerbe und der Landwirtschaft, die die Landschaft pflege und das Erscheinungsbild präge. Im Saanenland sei der Schwingsport tief verwurzelt, betonte von Siebenthal. Jeder stehe für jeden ein und packe an. Nur so sei es möglich, ein solches Fest zu planen und umzusetzen. Weiter dankte er dem OK und allen Helfenden, welche einen grossen Einsatz geleistet hätten. Dank erhielten auch die Sponsoren und Gabenspender sowie die Landbesitzer und das Sportzentrum Gstaad für die Gastfreundschaft.
Gang 6: Für Beetschen verlief der sechste Gang erfreulich. Nach einem intensiven Kampf konnte er seinen Gegner Lötscher Kilian mit Plattwurf ins Sägemehl befördern. So schwang er sich auf Rang 19. Ebenfalls lange und aktiv kämpfte Kohli Patrick mit Sommer Mael und verlor am Ende. Für ihn resultierte Rang 18. Lange dauerte auch der Kampf zwischen Wehren und Bernhard Bänz. Dabei lag Wehren am Schluss auf dem Rücken. Er platzierte sich auf Rang 25. Auch Zurbrügg wurde nicht verschont und kämpfte mit Rytz Adrian. Nach einigen Chancen musste er sich am Ende doch geschlagen geben. Somit erreichte er Rang 24. Kohli Christoph gelang es im sechsten Gang nicht, seinen Gegner Wittwer Mathias zu besiegen, und so platzierte er sich auf Rang 19. Tschumi Daniel hiess der Gegner von Annen. Ein nicht einfacher Schwinger. So lag Annen bald auf dem Rücken. Für ihn resultierte Rang 17. Reichenbachs letzter Kampf hatte es in sich. Er schwang angriffig gegen Zimmermann Nicolas und stellte am Ende mit der Note 9. Somit erreichte er eine Punktezahl von 55.25, welche Rang 14 für ihn bedeutete. Besser lief es für Aellen. Nach einer kurzen Gangdauer ging er als Sieger vom Platz und konnte sich die Note 10 schreiben lassen. Mit einer Punktezahl von 56.25 erschwang sich Aellen einen Kranz. Er erreichte Rang 10.
Rangverkündigung
Die Rangverkündigung fand in der Tennishalle statt. 32 Schwinger wurden von den Ehrendamen gekrönt und konnten sich das begehrte Eichenlaub aufsetzen lassen. Die Oberländer sicherten sich 13 Kränze. Anschliessend wartete der reichbestückte Gabentempel auf die Schwinger.
Musikalisch umrahmt wurde das Fest vom Jodlerklub Lauenen und der Alphorngruppe Gstaad. Die Besuchenden profitierten von einem neuen Konzept. Mittels QR-Codes, welche auf jedem Sitzplatz angebracht waren, konnten sie Getränke und Snacks direkt von der Tribüne aus bestellen und bekamen ihre Waren an den Platz serviert. Für Verpflegung sorgten diverse Stände und Zelte.
SCHWINGKLUB SAANENLAND/CÉLINE AELLEN
EINBLICK IN DIE ARBEIT DES SCHWINGKOMITEES
Damit ein solches Fest reibungslos über die Bühne geht, muss viel organisiert und umgesetzt werden. André Zahler gibt einen Einblick in seinen Verantwortungsbereich während des Schwingfestes.
«Zum einen muss die Beschaffenheit der Sägemehlringe den Anforderungen entsprechen. Regelmässiges Wässern und Ausebnen sind ein Muss», so Zahler. Zudem müsse die Verpflegung der Kampfrichter gewährleistet sein. Auch die «Täfelibuebe» hätten ihren Einsatz auf Platz. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Nummern der jeweiligen Athleten auf dem Schwingplatz richtig angezeigt werden. «Im Hosenzelt müssten sich die Schwinger melden. Dort werden sie via Tablet erfasst und sehen dann, wann sie an der Reihe sind. Mit den passenden Hosen werden sie auf den Weg zum Schwingplatz geschickt, damit sie dort pünktlich eintreffen», informiert Zahler weiter. Eine grosse Herausforderung habe die Installation der Duschen in der Curlinghalle dargestellt. Für die 220 Schwinger seien 14 Duschen temporär eingebaut worden. Man habe aus hygienischen Gründen bewusst die vorhandenen Duschen nicht genutzt.
Zahlers Fazit zum Fest: «Im Grossen und Ganzen funktionierte alles sehr gut, wir können auf ein unvergessliches Schwingfest mit attraktivem Schwingsport und bester Unterhaltung zurückblicken. Das Wetter passte, die Technik funktionierte und alle Helfenden haben hervorragende Arbeit geleistet. Vielen Dank!»
CAE
EINIGE ZAHLEN
Anzahl Aktivschwinger: 220
Anzahl Jungschwinger: 336
Anzahl Helfende: rund 580
Anzahl Kampfrichter: 24
Verkaufte Tickets: 5000
Kubikmeter Sägemehl: 130
Wert Gabentempel Aktivschwinger: 170’000 Franken
Wert Gabentempel Jungschwinger: 20’000 Franken
Werte Lebendpreise:
– Siegermuni Valetto: 6000 Franken
– Rind Calanda: 4000 Franken
– Rind Pami: 3800 Franken
– Rind Faviana: 3600 Franken
– Fohlen Dakota: 3000 Franken
«Es erfordert viel Konzentration und eine schnelle Entscheidungsgabe»
INTERVIEW: CÉLINE AELLEN
Was war Ihre Motivation, sich als Kampfrichter ausbilden zu lassen?
Bruno von Siebenthal, der damalige Präsident des Schwingklubs Saanenland, fragte mich und Silvan Lengacher, ob wir Interesse an der Ausbildung hätten. Er meinte, dass, da der bisherige Kampfrichter aus dem Saanenland (Arnold Müllener) aufgehört hatte, es schön wäre, wieder Kampfrichter aus dem eigenen Schwingklub zu haben. Da ich sehr Freude am Schwingsport und selbst einige Jahre geschwungen habe, war für mich klar, dies in Angriff zu nehmen.
Wie sieht die Ausbildung zum Kampfrichter aus?
Man absolviert einen Grundkurs und dann gibt es jedes Jahr einen Wiederholungskurs. Es braucht seine Zeit, bis man an den ganz grossen Schwingfesten richten kann. Es gibt vier Stufen zu durchlaufen. Man arbeitet sich von Jungschwingertagen und regionalen Festen hinauf bis zu den eidgenössischen Anlässen. Dies braucht Erfahrung. Momentan befinde ich mich auf Stufe 2, ich kann somit auch an Gauverbandsfesten richten.
Was ist Ihrer Ansicht nach die grösste Herausforderung als Kampfrichter?
Dass ich richtig entscheide. Vor allem bei knappen Resultaten muss man unter Zeitdruck entscheiden, ob es ein Resultat gegeben hat oder nicht, dies erfordert viel Konzentration und eine schnelle Entscheidungsgabe.
Wie haben Sie Ihr erstes Kranzfest als Kampfrichter empfunden und was bleibt Ihnen in Erinnerung?
Es war speziell, weil das Fest in meiner Heimat stattfand. Wir waren ein gutes Kampfrichterteam und hatten keine grossen Diskussionen. Alles in allem war es ein sehr schönes Schwingfest.










