Gstaad Velo Classic: mit Vintage-Velos durch das Saanenland
18.09.2026 Sport56 Teilnehmende genossen an der vierten Gstaad Velo Classic eine stilvolle Ausfahrt zwischen Gstaad, Lauenen, Turbach, Schönried und Saanen. Historische Fahrräder, regionale Spezialitäten, ehemalige Radprofis und die Freude an der gemeinsamen Bewegung prägten den Anlass vom Sonntag, ...
56 Teilnehmende genossen an der vierten Gstaad Velo Classic eine stilvolle Ausfahrt zwischen Gstaad, Lauenen, Turbach, Schönried und Saanen. Historische Fahrräder, regionale Spezialitäten, ehemalige Radprofis und die Freude an der gemeinsamen Bewegung prägten den Anlass vom Sonntag, 13. September.
CLAUDIA HEINE
Schon am frühen Sonntagmorgen bot die Promenade vor dem Early Beck ein ungewohnt nostalgisches Bild: klassische Rennvelos mit schlanken Stahlrahmen, liebevoll restaurierte Alltagsvelos, farblich passende Trikots und einzelne Räder, die ihre besten Jahrzehnte längst hinter sich zu haben schienen – aber immer noch zuverlässig unterwegs waren. 56 Velobegeisterte trafen sich um 9 Uhr zu Gipfeli und Kaffee, bevor die vierte Gstaad Velo Classic um 10 Uhr offiziell startete.
Mit dabei war in diesem Jahr erstmals ein Peugeot-Team, das mit seinen klassischen Rädern besonders auffiel. Auch ein Tandem im Vintage-Stil gehörte zum bunten Feld. Die Mischung aus historischer Technik, individueller Kleidung und sportlicher Begeisterung machte den Charakter des Anlasses aus: Bei der Gstaad Velo Classic geht es nicht um Bestzeiten oder Ranglisten, sondern um das gemeinsame Erlebnis auf klassischen Velos. Eine Zeitmessung gibt es ausdrücklich nicht; vielmehr ging es um die geteilte Freude am Fahren mit historischen Velos samt passendem Outfit.
Die erste Teilstrecke führt nach Lauenen
Nach dem Start in Gstaad führte die Route zunächst nach Lauenen. Der erste Halt erfolgte beim Lauenenlift, wo die Dorforganisation Lauenen einen reichhaltigen Verpflegungsposten vorbereitet hatte. Frische Früchte, Gemüsestreifen mit Dip, frische Züpfe und Getränke sorgten für neue Energie und boten Gelegenheit zum Austausch unter den Teilnehmenden.
Weiter über Turbach via Trom und Oberbort nach Schönried
Von Turbach aus fuhr die Gruppe zur Primarschule Schönried. Auf dem «roten Platz» wartete der zweite Verpflegungsposten der Dorforganisation Schönried. Besonders die grosse Auswahl an köstlichen Kuchen fand bei den Fahrerinnen und Fahrern grossen Anklang – und lieferte die nötige Motivation für die nächsten Kilometer.
Letzte Passage in Richtung Ziel: Promenade Gstaad
Anschliessend ging es über Saanen auf der Hauptstrasse und via Oeyetli zurück nach Gstaad. Die Grundroute umfasste 33,6 Kilometer mit 692 Höhenmetern bergauf und 693 Höhenmetern bergab.
Für besonders Ambitionierte gab es zudem die freiwillige Rougemont-Zusatzschleife. Sie verlängerte die Basisroute um 10,2 Kilometer und 207 weitere Höhenmeter. Über Pont de la Scie führte diese Variante nach Rougemont und später wieder zurück auf die Hauptroute bei Saanen. Wer die Zusatzschleife wählte, kam damit auf knapp 44 Kilometer.
Genusstour mit Muskelkatergarantie
Gegenüber dem Vorjahr waren auf der diesjährigen Strecke zwar weniger Höhenmeter zu bewältigen. Leicht war die Tour deshalb aber keineswegs. Insbesondere die Gravel-Passagen stellten Fahrerinnen und Fahrer auf Vintage-Velos vor Herausforderungen. Schmale Reifen, ältere Bremsen und der oft deutlich weniger komfortable Rahmenbau verlangen auf unbefestigtem Untergrund spürbar mehr Konzentration als moderne Gravel- oder E-Bikes.
Hinzu kam die Übersetzung vieler klassischer Velos. Während moderne Fahrräder mit einer Vielzahl fein abgestufter und leichter Gänge ausgestattet sind, mussten sich zahlreiche Teilnehmende mit wenigen, vergleichsweise schweren Gängen begnügen. Besonders an Steigungen war das unmittelbar zu spüren: Die Oberschenkel wurden gefordert, und die Ausfahrt entwickelte sich trotz ihres genussvollen Charakters zu einer durchaus sportlichen Unternehmung.
Prominente im Teilnehmerfeld
Neben zahlreichen lokalen und auswärtigen Velofans sorgten auch bekannte Namen aus dem Radsport für Aufmerksamkeit. Als ehemalige Profis waren André Massard und Sven Montgomery an der Gstaad Velo Classic mit dabei.
Begleitet wurde das Feld während der gesamten Tour zudem von einem ebenfalls stilechten Vintage-Servicewagen vom Team Allegro. Die Besatzung war mit dem Fahrzeug unterwegs und sorgte dafür, dass bei technischen Problemen rasch Unterstützung verfügbar war. Mit Reserverädern auf dem Dach passte der mobile Pannendienst und Motivationsbooster optisch perfekt in das Gesamtbild des Events.
Chäsküchli zum Abschluss
Nach der Rückkehr in Gstaad wartete der gemütliche Ausklang. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden mit warmen Chäsküchli verwöhnt, ehe eine Tombola mit Sachpreisen den Schlusspunkt der Tour bildete. Statt Medaillen und Zielzeiten standen dabei Begegnungen, Gespräche und die Freude über eine gelungene gemeinsame Ausfahrt im Mittelpunkt.
Hinter dem Anlass stand ein sechsköpfiges Organisationskomitee: Patrick Bauer, Eric Oehrli, Mario Cairoli, Frank Müller, André Müller und Arthur Reuteler.
Die Gstaad Velo Classic hat damit erneut gezeigt, dass Velofahren auch ohne Wettkampfdruck begeistern kann: mit historischen Velos, malerischer Landschaft, engagierten Dorforganisationen, kulinarischen Pausen – und Beinen, die nach gut 40 Kilometern auf alten Übersetzungen deutlich spüren, was sie geleistet haben.






