Hauptort des Scherenschnitts
07.07.2026 KunstChâteau-d’Oex organisierte am 4. und 5. Juli die 10. Ausgabe der «Scherenschnitttage». Mehrere Tage wehten grüne Wimpel im Dorf und kündigten die Veranstaltung an.
ETIENNE ROCH
In sommerlicher Atmosphäre diente die ...
Château-d’Oex organisierte am 4. und 5. Juli die 10. Ausgabe der «Scherenschnitttage». Mehrere Tage wehten grüne Wimpel im Dorf und kündigten die Veranstaltung an.
ETIENNE ROCH
In sommerlicher Atmosphäre diente die Unterführung am Bahnhof, in der die meisten Künstler ausstellten, eher dazu, etwas Kühle zu bewahren, als vor Regen zu schützen. Bereits am Freitagabend standen die Holzstände bereit, um die Teilnehmenden dieser Veranstaltung zu empfangen, bei der sich Experten der Schere und des Skalpells versammelten.
Die verschiedenen Wege und Plätze, die über das Dorf verstreut waren, weckten die Neugier der Besuchenden, die vielleicht auch die Aussicht auf die Seenlandschaft sowie auf die Voralpen genossen hatten, als sie mit dem Zug anreisten.
An diesem Wochenende konnten sich die Meister ihres Fachs bei der Ausstellung vielfältiger Werke nach Herzenslust austoben – seien diese nun traditionell, modern oder manchmal sogar jenseits der üblichen Grenzen. Jeder konnte die Arbeit live mitverfolgen und die Entstehung eines Bildes beobachten. Einführungsworkshops dieser alten Kunst boten die Möglichkeit, die Werkzeuge selbst in die Hand zu nehmen und sich der Schwierigkeiten bewusst zu werden, die mit ihrer Ausübung verbunden sind. Ausserdem gab es die Möglichkeit, sich innerhalb weniger Minuten ein Silhouettenporträt ausschneiden zu lassen und sein kleines persönliches Bild mit nach Hause zu nehmen. Die Meister des Silhouettenschneidens standen nicht im Wettbewerb, sondern arbeiteten in einer geselligen Atmosphäre voll guter Laune und Unbeschwertheit.
Die zahlreichen Stände boten einen wahren Traum auf Papier. Jedes Werk zeugt von gründlicher Arbeit und unterstreicht die Sensibilität des Künstlers. Ob Landschaften, die die lebendige Natur des Frühlings oder den Herbstnebel darstellen, Porträts auf Zeitungspapier, Bäume und Blumen oder Bilder, die an das Leben von einst erinnern – alles ist von exquisiter Finesse. Die Ausdauer und der künstlerische Sinn der Künstlerinnen und Künstler verdienen grosse Anerkennung.
Um dieses Fest zu geniessen, genügte es, den Wegweisern folgend durch das Dorf zu schlendern. So konnte man von Sous-la-Gare zum Collège Henchoz gelangen, dann den grossen Saal besuchen und natürlich einen Abstecher zum unverzichtbaren «Centre du papier découpé» machen, in dem sich auch das Museum befindet.
Im Rahmen des Festes fand die Einweihung des neuen Weges «Grand des Marques» statt – so lautete der Spitzname von Johann Jakob Hauswirth. Um diesen Pionier auf diesem Gebiet zu ehren, sind entlang der Strecke etwa 20 prächtige Tafeln aufgestellt, die jeweils einen Scherenschnitt darstellen. Als Thema wurde die Belle Époque gewählt. Dieser lehrreiche Spaziergang durch den Ort führt an verschiedenen Plätzen vorbei, beispielsweise am Stadion entlang und über den Tempelhügel. Diese Freilichtausstellung, die während der Veranstaltung im Rahmen von Führungen besichtigt werden konnte, wird bis zum Frühjahr des nächsten Jahres zu sehen sein.
Die Workshops von «Le Chien Jaune» boten Aktivitäten rund um eine Beschäftigung, an die sich jeder ehemalige Schüler erinnert: das Basteln von Papierfliegern. Eine Theatergruppe namens «La Fabrique Infinie» präsentierte ein Stück mit dem Titel «Pas jeter les mots», während das Kino einen Animationsfilm zeigte: «Le secret des mésanges.»
Alltagsszenen, Anspielungen auf den «Grand des Marques», Momente der Einführung sowie Diskussionen zwischen Profis und Laien haben sicherlich dazu beigetragen, schöne Erinnerungen bei den Besuchenden zu wecken.
Diese 10. Ausgabe der Scherenschnitttage hat dazu beigetragen, unsere Region noch besser bekannt zu machen und ihren Status als Hauptort des Scherenschnitts zu festigen.



