Freuden und Leiden der Liebe
29.12.2025 KulturIn seinem Jubiläumsjahr bietet das Gstaad New Year Music Festival diesen Winter noch bis zum 10. Januar 2026 über 20 Konzerte mit herausragenden Grössen des klassischen Gesangs an. Ein erstes Highlight des Programms konnten die Zuhörenden mit Corinne Winters, Xabier ...
In seinem Jubiläumsjahr bietet das Gstaad New Year Music Festival diesen Winter noch bis zum 10. Januar 2026 über 20 Konzerte mit herausragenden Grössen des klassischen Gesangs an. Ein erstes Highlight des Programms konnten die Zuhörenden mit Corinne Winters, Xabier Anduaga und Maciej Pikulski am vergangenen Samstagabend in der voll besetzten Kirche Rougemont miterleben.
TINA DOSOT
Seinem Ruf, Konzerte mit Weltklasse-Interpreten in «Wohnzimmer-Atmosphäre» bieten zu können, wurde das Gstaad New Year Music Festival am vergangenen Samstagabend einmal mehr gerecht. Die Gründerin und künstlerische Leiterin Prinzessin Caroline Murat präsentierte den 30-jährigen aufstrebenden baskischen Tenor Xabier Anduaga, der als eines der spannendsten jungen Talente der heutigen Opernwelt gilt, und die amerikanische Sopranistin Corinne Winters, die bereits über 30 Rollen in grossen Opernhäusern auf der ganzen Welt gesungen hat, sozusagen hautnah in der kleinen Kirche in Rougemont. Unter dem Motto «Freuden und Leiden der Liebe» sangen die beiden berühmte Arien, einzeln und im Duett, begleitet von Pianist Maciej Pikulski. Und wie so oft hat die Kirche als «Konzertsaal», die zwar kaum Raum bietet, aber sowohl Interpret:innen als auch Zuhörende stets mit ihrer Atmosphäre verzaubert, ihre Wirkung nicht verfehlt.
Heldenhaft und einfühlsam
Xabier Anduaga, der spezialisiert auf ein Belcanto-Repertoire ist, hatte Gelegenheit, sein Können mit Arien aus Opern von Donizetti, Verdi oder Puccini zu zeigen. Das berühmte «La donna è mobile» aus Verdis «Rigoletto» muss an diesem Abend bis nach Rougemont hinein gedrungen sein. Unglaublich der grosse Stimmumfang, die flexible Technik und die bereits einzigartige Klangfarbe des jungen Tenors. In Donizettis «Fra poco a me ricovero» bewies er aber auch, dass er neben der Strahlkraft seiner Stimme bereits ein einzigartiges Timbre besitzt, mit dem er in seinen Rollen sehr einfühlsam sein kann.
Als wäre es Wirklichkeit
Dies auch in den beiden Duetten mit Sopranistin Corinne Winters zu Giuseppe Verdis «Parigi o cara» aus «La Traviata» und Giacomo Puccinis «O soave fanciulla» aus «La Bohème». Mit nahtlosen Registerübergängen und seinem Timbre, besonders aber auch mit kraftvollen Spitzentönen konnte Anduaga die Figur des «Rodolfo» gefühlvoll zum Leben erwecken. Mühelos gelang es ihm, die melancholisch-emotionalen Szenen mit den eingängigen Melodien voller dramatischer Kraft darzustellen.
Traumhaftes Duo
Corinne Winters und Xabier Anduaga ergänzten sich traumhaft, was die Darstellung des gewählten Mottos betraf. Beide überzeugten mit viel Technik und Präzision sowie ausserordentlichem Tonumfang mit genügend Kraft – aber auch mit gefühlvollen Registerübergängen, eigenem Timbre und genügend Strahlkraft. Und beide bewiesen einen überzeugenden Hang zum Theatralischen. Sie liessen die Figuren der Arien durch Ausdrucksstärke und ein grosses Einfühlungsvermögen lebendig werden und zogen das faszinierte Publikum mit in die Welt, in der sie sich während ihres Vortrags gerade bewegten.
Entführt in eine andere Welt
Corinne Winters bewies besonders in Franz Lehars «Meine Lippen, sie küssen so heiss» Bühnenpräsenz. Ihre sichere Fähigkeit, die Rolle der «Giuditta» glaubwürdig zu verkörpern, zeigte ihre Erfahrung, die sie hat, und ihr Einfühlungsvermögen, das sie bereits auf den grossen Bühnen dieser Welt beweisen konnte.
Mit der Arie aus Giacomo Puccinis Oper «Madame Butterfly», «Un bel di, vedremo», bewies die Sopranistin aber vor allem Tonumfang und Kraft. Mit einem breiten Spektrum, das von tiefer Wärme bis zu brillantem Glanz reichte, und einem schauspielerischen Talent, das fesselte, nahm sie das Publikum mit sich mit.
Erfahrung und Sicherheit
Was wäre das beste Gesangsduo ohne die perfekte musikalische Begleitung und Stütze? Der zurückhaltende Pole Maciej Pikulski, Pianist und Korrepetitor der internationalen Opernszene, war unter anderem über 20 Jahre Begleiter von Bassbariton José van Dam. Er unterstützte die junge Sängerin und den jungen Sänger nicht nur mit seiner grossen Erfahrung auf das Beste, er gab ihnen auch ganz offensichtlich die nötige Sicherheit.
Sein eigenes Können konnte er mit der berühmten Klavierparaphrase von Franz Liszt von Verdis Oper «Rigoletto» eindrücklich zeigen.





