Am vergangenen Sonntag fand in der Kirche Lauenen die Kirchgemeindeversammlung statt. Die Traktanden gaben zuwenig Diskussionen Anlass – während alle der Sekretärin Arlette Perreten und dem versierten Zahlenkenner Philipp Brand voll vertrauten, gab es einige ...
Am vergangenen Sonntag fand in der Kirche Lauenen die Kirchgemeindeversammlung statt. Die Traktanden gaben zuwenig Diskussionen Anlass – während alle der Sekretärin Arlette Perreten und dem versierten Zahlenkenner Philipp Brand voll vertrauten, gab es einige praktische
Fragen aus der Versammlung zu den vorgesehenen Erneuerungen an der Infrastruktur.
VRENI MÜLLENER
Nach dem Morgengottesdienst, gehalten von Pfarrerin Carola Watts, verwandelte der Kirchgemeinderat den Kirchenraum unverzüglich in ein Versammlungslokal, sodass die Traktanden problemlos an die weisse Mauer projiziert werden konnten.
Verschiedene Erneuerungen in einen Kredit verpackt
Präsident Stephan Addor startete zügig in die Geschäfte und stellte unter Traktandum 3 den Antrag für einen Verpflichtungskredit von Fr. 160’000.–. «Während vieler Jahrzehnte gingen die Verantwortlichen sorgfältig mit den Finanzen um, was sich nun im Erneuerungsbedarf in verschiedenen Bereichen niederschlägt», begann Addor seine Ausführungen.
Aufgrund von nicht mehr erhältlichen Halogenleuchten muss die Aussenbeleuchtung erneuert werden. Die Beleuchtung im Innenraum wird komplett neu überdacht. «Die Meinungen gehen im Rat weit auseinander, wie die Neuzeit in den bisher ausschliesslich durch Kerzen erleuchteten Kirchenraum Einzug finden kann», begründete der Vorsitzende die Idee, zu diesem Thema im Herbst einen Workshop für alle Interessierten anzubieten. Bei den akustischen Einrichtungen sieht der Rat grossen Handlungsbedarf. Bei Vollbesetzung der Kirche verliere sich der Ton im hinteren Teil des Kirchenschiffs. Für Träger:innen von Hörgeräten existiere noch die alte Ringleitung, diese diene aber nicht mehr für die neueren Hörgeräte. Die Übertragung der Gottesdienste und Abdankungen ins Altersheim müssten störungsfreier angeboten werden können. Die an der Aussenseite der Kirche installierten Lautsprecher seien nicht bis zuhinterst auf dem Friedhof hörbar. Der beantragte Kredit von Fr. 160’000.– wurde einstimmig genehmigt. Darin enthalten ist auch die Erneuerung der Sitzkissen auf den Bänken.
Guter Rechnungsabschluss trotz schwarzer Null
Philipp Brand erläuterte die Rechnung 2025, die ausgeglichen abgeschlossen werden konnte. Dem Ertrag von Fr. 406’623.– stand vor Abschreibungen ein Aufwand von Fr. 392’693.– gegenüber. Eigentlich hätte die Kirchgemeinde einen Gewinn von Fr. 77’944.– verbuchen können, eine Besserstellung gegenüber dem Budget von Fr. 63’305.–. Mit der vom Gesetz vorgeschriebenen Einlage in die finanzpolitische Reserve wurde das Endergebnis auf eine schwarze Null hinunter korrigiert.
Erhöhung der selbstbezahlten Stellenprozente
«Um die Mehrarbeit von Carola Watts (Offenes Pfarrhaus) zu finanzieren, erhöhte der Kirchgemeinderat die selbstgetragenen Lohnkosten auf die schon früher bewilligten zehn Prozent», orientierte der Vorsitzende die Anwesenden. Stephan Addor dankte allen, die sich aktiv beteiligen und dadurch das kirchliche Leben erst möglich machen. «Die Anstellung von Carola Watts war ein Volltreffer, nicht nur für uns als Ratsmitglieder und Mitarbeitende, unsere neue Pfarrerin ist für die ganze Kirchgemeinde ein grosses Geschenk», schloss ein sichtlich erfreuter Präsident die Versammlung.
PILOTPROJEKT «OFFENES PFARRHAUS»
Auf Anregung von Carola Watts wurde in Lauenen das Projekt «Offenes Pfarrhaus» gestartet. Die heimelige Wohnung im ersten Stock ist an zwei Halbtagen pro Woche offen und bietet einen idealen Rahmen, um Menschen zu empfangen und Gemeinschaft zu pflegen.
Wenn die Seelsorgerin Dienst hat, ist sie jeweils am Dienstagvormittag und Donnerstagnachmittag anwesend, um Besucher:innen bei einem persönliches Anliegen zu beraten oder mit einem Seelsorgegespräch zu dienen. Es soll ein Raum sein zum Zuhören und gehört zu werden. Glaubensund Lebensfragen können geteilt werden oder man kann auch nur «einfach sein», mit oder ohne Kaffee. Je nach Bedarf kann das Offene Pfarrhaus auch ein Ort sein für thematische Begegnungsabende, für gemeinsames Kochen und Essen oder Angebote für Kinder, Jugendliche sowie Seniorinnen und Senioren.
Eine Fahne im Pfarrhausgarten signalisiert, ob das Pfarrhaus offen ist und Carola Watts bereit ist, auf das leibliche und seelische Befinden ihrer Gäste einzugehen.
VMU