Herausgeputzte Tiere und stolze Besitzer:innen bei Königswetter
08.04.2025 LandwirtschaftZum zwölften Mal fand die Rinder-Expo im Saanenland statt. Kurz vor Beginn des Wettbewerbs wurden die Rinder eifrig herausgeputzt.
MARIANNA BETTLER
Der letzte Schmutz wurde abgespritzt, die Schwanzquaste gekämmt, toupiert und mit Haarspray gefestigt. ...
Zum zwölften Mal fand die Rinder-Expo im Saanenland statt. Kurz vor Beginn des Wettbewerbs wurden die Rinder eifrig herausgeputzt.
MARIANNA BETTLER
Der letzte Schmutz wurde abgespritzt, die Schwanzquaste gekämmt, toupiert und mit Haarspray gefestigt. Einige Tiere erhielten sogar eine feine Wolke von Glimmer verpasst. Sobald Kinder ihr Tier selbstständig vorführen können, dürfen sie als Jungzüchter auftreten. Nicht ganz allen gelang das. Die obere Altersgrenze ist mit 35 Jahren erreicht.
Die Rinder waren in die drei Rassen Simmentaler, Swiss Fleckvieh und Red Holstein/Holstein eingeteilt. Nach und nach wurden je sechs Rinder der gleichen Rasse in die Arena geführt und vom Juror sorgfältig betrachtet und eingeschätzt. Als Laie schaute ich vor allem auf Äusserlichkeiten.
Beobachtungen beim Richten
Beim Gespräch mit Juror Andreas Dürrenmatt aus Riedstätt wurde ich eines besseren belehrt. Weder die Farbe noch hornlos oder behornt spiele bei der Bewertung eine Rolle. Die visuelle Beurteilung von Zuchtrindern setze sich aus vier allgemeinen Punkten zusammen: die Balance, die Beinstellung, das Körpervolumen und der korrekte Körperbau seien massgebend. Für mich war es faszinierend, wie der Zuchtrichter innerhalb weniger Minuten die sechs Rinder bewerten konnte. Das setzt ein geschultes Auge und ein breites Wissen voraus. Andreas Dürrenmatt verfügt über beides. Ruhig und konzentriert betrachtete er jedes Tier und erläuterte anschliessend in kurzen Sätzen seine Beurteilung. Besonders interessant fand ich, wie er bei jedem Tier aufzeigte, aus welchem Grund er dem vorherrangierten den Vorzug gegeben hatte. Sein Bruder stand ihm helfend zur Seite. Im Schlussgespräch drückte Dürrenmatt seine Freude aus, dass er als Zuchtrichter eingeladen worden war. Meine Frage, ob er gegenüber Jungzüchtern, deren Tiere er schlechter klassiert habe, ein ungutes Gefühl verspüre, verneinte er. Seinen Entscheid habe er sorgfältig getroffen und stehe vollumfänglich dazu. Er lobte die Organisatoren des Wettbewerbs und richtete eine herzliche Gratulation an die vielen motivierten Jungzüchter:innen.
Kälberwettbewerb
Nach der Mittagspause durften die Jüngsten ihre Kälber in den Ring führen. Die Kinder hatten mit Hilfe ihrer Eltern ihre Tiere bunt geschmückt und sich selbst als lustige Bauern und Bäuerinnen zurechtgemacht. Als Jurorin durfte Petra Schläppi, die Gemeindepräsidentin von Saanen, amten. Spielerisch plauderte sie mit den Kindern und erhielt manch lustige Antwort. Als Siegerin wählte sie das Giraffen-Kälblein – so eines habe sie noch nie gesehen. Diese nicht ganz ernst zu nehmende Bewertung trug zur Erheiterung des Publikums bei.
Severin Perreten, warum nimmst du am Jungzüchter-Wettbewerb teil?
Ich bin als Bauernbub mit Tieren aufgewachsen und habe sehr gerne mit ihnen gearbeitet. Unsere Kühe gehören zum Swiss Fleckvieh. Wir finden, dass diese Rasse gut lenkbar und robust ist. Besonders auf der Alp ist das wichtig. Wenn ein Kälblein zur Welt kam, war das für mich jedes Mal ein kleines Fest. Die Entwicklung vom Kuhkälblein zum Rind und zur erwachsenen Kuh gehörte zu unserem Alltag. Für mich ist es eine Freude, ein Rind an einem Wettbewerb vorführen zu dürfen. Wenn es in die vordersten Ränge kommt, macht mich das glücklich. Aber für mich ist mitmachen wichtiger als gewinnen.