Hörgenuss pur mit einer neu entdeckten Band

  04.04.2025 Kultur

In der katholischen Kirche Zweisimmen erklang wieder einmal Jazz. Der Zweisimmen Jazz Club besann sich seiner Wurzeln und auch der Vorlieben seiner treuen Mitglieder. Die Band «Lupino» brachte den Jazz zurück nach Zweisimmen

Mit der für das dritte Konzert der Saison eingeladenen Band trafen die nach wie vor hoch motivierten und kreativen Köpfe hinter Zweisimmen Jazz, Markus, Valérie, Jules und Leila, eine gute Wahl. «Lupino» brachte den Jazz zurück nach Zweisimmen. Jazz nicht in seiner bekannten, rein swingenden, sondern in einer fein nuancierten Form, um die treuen Zuhörerinnen und Zuhörer nach den eher leisen und besinnlichen Welt- und Volksmusikklängen von «Brunner und Brun» nicht gleich zu überfahren.

Ruhiger, dennoch grooviger Sound
Die aus dem Grossraum Zürich stammende Band «Lupino» mit Christoph «Kriz» Flueler an Trompete und Flügelhorn, Mike Moling am Klavier, Fridolin Berger am Bass und Philipp Scholl am Schlagzeug bot Jazz der eher leiseren, ruhigeren Töne und gemächlicheren Tempi, oder wie die Band ihren Stil selber beschreibt, Silent Souljazz. Reine Jazznummern waren denn auch wenige zu hören. Umso mehr überzeugten die vier mit einem abwechslungsreichen Programm aus groovigen Soul-Stücken, Sambarythmen und Blues.

Vorwiegend Eigenkompositionen
Mit Ausnahme des Eröffnungsstücks – «Song of Wonderful Things» von Malcolm Braff, der auch schon in Zweisimmen zu Gast war – und der Zugabe präsentierte «Lupino» Eigenkompositionen, vorwiegend aus der Feder des Leaders Kriz Flueler. Allesamt sehr einfallsreich und überraschend, gespickt mit nicht immer einfach zu erkennenden Rhythmus- und Tonartwechseln, dementsprechend schwierig zu spielen, aber auch zu hören. Spannend zum Beispiel war die an «Autumn Leaves» angelehnte funkige Komposition «All my Leaves».

«Lupino» lebt den Jazz, Soul und Blues
Dass die vier Musiker von «Lupino» den Souljazz, Funk und Blues leben, verdeutlichte Pianist Mike Moling am Jazz-Club-eigenen Klavier wohl am eindrücklichsten. Kniete, oder man müsste fast sagen, beugte er sich doch mächtig in das feine, aber auch zupackende Tastenspiel hinein und schien manchmal richtiggehend mit dem Instrument zu verschmelzen. Kriz Flueler bewies ebenso verblüffend, dass eine Trompete auch fast unhörbar leise zu spielen möglich ist. Philipp Scholl seinerseits glänzte mit virtuosem Schlegel- und Besenspiel. Einzig Fridolin Berger am Kontrabass agierte sowohl optisch als auch akustisch etwas zurückhaltend im Hintergrund. Ob es daran lag, dass er ab Noten spielte? Sein Bassspiel wirkte zeitweise nicht richtig frei.

Auch die schrägen Töne begeisterten
Dies und auch die ab und an schrägen Töne taten dem Hörvergnügen scheinbar überhaupt keinen Abbruch – die aufmerksamen Konzertbesucher:innen waren begeistert! Und das Zusammenspiel der vier «Lupino»-Musiker war ausgezeichnet. Die zwei klug programmierten, kurzweiligen Sets schienen im Nu verflogen. Und doch waren gute zwei Stunden vergangen, als sich das Quartett von der Bühne in der katholischen Kirche Zweisimmen mit der von Carla Bley stammenden Komposition «Ida Lupino» als Zugabe verabschiedete.

Ein wiederum gelungener Konzertabend mit Hörgenuss pur und einer neu entdeckten Band wird in Erinnerung bleiben.

KILIAN GOBELI


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