«Ich baue das grösste Chalet der Welt, damit die ganze Familie zusammenkommen kann»
13.01.2026 InterviewDer Unternehmer Byron Baciocchi entwickelt derzeit ein aussergewöhnliches neues privates Chaletanwesen in Gstaad – ein Projekt, das aufgrund seiner Grösse und Ambition bereits grosse mediale Aufmerksamkeit erregt hat. Im Interview legt Byron Baciocchi zusätzlichen ...
Der Unternehmer Byron Baciocchi entwickelt derzeit ein aussergewöhnliches neues privates Chaletanwesen in Gstaad – ein Projekt, das aufgrund seiner Grösse und Ambition bereits grosse mediale Aufmerksamkeit erregt hat. Im Interview legt Byron Baciocchi zusätzlichen Kontext dar und stellt mehrere Punkte klar.
JONATHAN SCHOPFER
Können Sie das Bauprojekt in Gstaad im Detail erläutern?
Die Anlage besteht aus drei miteinander verbundenen Chalets, die diskret unterirdisch verbunden sind, um sowohl die Privatsphäre als auch die architektonische Integrität zu wahren.
Im Herzen des Anwesens befindet sich ein grosszügiger Spa- und Wellnessbereich mit einer Fläche von rund 1800 Quadratmetern. Dazu gehören ein 30 Meter langer Indoor-Outdoor-Pool, ein 3000-Liter-Salzwasseraquarium sowie zahlreiche Einrichtungen, die auf langfristigen Komfort und generationenübergreifendes Wohnen ausgelegt sind.
Zum Anwesen gehören ausserdem eine Garage für 25 Fahrzeuge, ein Skiraum, ein voll ausgestatteter Fitnessbereich, ein Weinkeller, ein privates Kino, ein Kinderspielzimmer sowie eine Bibliothek – alles mit grosser Sorgfalt entworfen, um Luxus mit einem Gefühl von Zuhause zu verbinden.
Die Wohn- und Schlafbereiche verteilen sich auf die einzelnen Chalets, was sowohl Privatsphäre als auch gemeinschaftliche Momente ermöglicht.
Ein Punkt, den ich klarstellen möchte: Es handelt sich um ein vollständig privates Anwesen, das nur während der Hochsaison ausgewählten Personen zur Miete angeboten wird.
Schweizer Medien berichteten von einer Jahresmiete von 14 Millionen Schweizer Franken.
Das wurde falsch berichtet. Wir sprachen von einem Umsatz im Bereich von 10 bis 14 Millionen Schweizer Franken. Dabei handelt es sich nicht um eine Jahresmiete, sondern um den Bruttoumsatz.
Sind in diesem Bruttoumsatz von 10 bis 14 Millionen Franken Leistungen wie Koch, Housekeeping und Servicepersonal inbegriffen – oder werden solche Dienstleistungen separat verrechnet?
Wenn das Chalet während der Hochsaison vermietet wird, sind Unterhalt, Reinigung sowie technisches Personal Teil des Angebots. Das gesamte Anwesen wird stets als eine Einheit vermietet, um vollständige Privatsphäre zu gewährleisten. Zusätzliche Dienstleistungen wie ein Privatkoch oder massgeschneiderte Hospitality-Services können auf Wunsch organisiert werden.
Hat die Gemeinde Saanen die Baubewilligung bereits erteilt?
Ja, die Bewilligung wurde erteilt, und der Bau hat bereits begonnen. Angesichts der Grösse und Komplexität des Projekts rechnen wir mit einer Bauzeit von etwa drei bis vier Jahren. Der architektonische Anspruch ist sehr hoch, und die Umsetzung spiegelt dies wider – jedes Detail wird mit Präzision und Sorgfalt behandelt.
Nach Fertigstellung wird das Chalet-Anwesen eine Fläche von rund 7000 Quadratmetern umfassen und damit das grösste private Chalet der Welt sein.
Sind Sie der Bauherr dieses Projekts?
Ja. Ich bin der Eigentümer des Grundstücks und der Projektentwickler. Zudem bin ich eng in die Innenarchitektur eingebunden und arbeite dabei gleichberechtigt mit einem weiteren Designer zusammen. Die architektonische Leitung liegt bei Gottfried Hauswirth.
Können Sie sagen, wo sich das Chalet befindet?
Es liegt in der Gegend rund um das Hotel The Alpina.
Wie gross ist das Investitionsvolumen?
Es handelt sich um ein sehr umfangreiches Vorhaben. Nach Fertigstellung schätzen wir den Wert des Projekts – basierend auf vergleichbaren Entwicklungen und aktuellen Marktbenchmarks – auf rund 300 Millionen Schweizer Franken.
In einem Interview mit «The Executive Magazine» sagten Sie, Architektur solle «emotional berühren» und «zutiefst menschlich» sein. Wie setzen Sie diesen Anspruch um?
Jedes der drei Chalets spiegelt einen eigenen architektonischen Stil wider, der sich aus den letzten 200 Jahren der Geschichte Gstaads ableitet. Jedes Chalet besitzt eine eigene Identität, ist jedoch fest in der Tradition des Saanenlands verwurzelt.
Die Innenräume werden vollständig aus gealtertem Holz gefertigt, unter Verwendung lokaler Handwerker, deren Können die stille Handschrift der Region trägt. Diese menschliche Dimension ist essenziell – man soll die Präsenz derjenigen spüren können, die es gebaut haben. Darüber hinaus verwenden wir seltene Marmorsorten und handverlesene Schweizer Natursteine. Wie die Franzosen sagen würden: «retranscrire» – wir übersetzen den Geist und die Materialien der Schweiz in die Essenz dieses Chalets.
Das Projekt trägt den Namen Chalet Oberbort, benannt nach dem historisch bedeutenden Gebiet von Gstaad, in dem einst das erste Anwesen auf dem Oberbort entwickelt wurde.
Welche persönliche Verbindung haben Sie zu Gstaad?
Meine Verbindung zu Gstaad reicht bis in meine Kindheit zurück – hier sind einige meiner schönsten Erinnerungen entstanden. Ich möchte, dass meine Familie das gleiche Gefühl von Staunen und Zugehörigkeit erlebt wie ich. Genau deshalb baue ich das grösste Chalet der Welt: um einen Ort zu schaffen, an dem die ganze Familie zusammenkommen kann.
Wie Julie Andrews einst sagte, ist Gstaad «das letzte Paradies in einer verrückten Welt», und dem stimme ich von ganzem Herzen zu. Ich investiere hier nicht nur, um dieses Gefühl des Paradieses zu bewahren, sondern auch wegen der Gemeinschaft. Gstaad verfügt über eine tief verwurzelte philanthropische Kultur mit Stiftungen, die Menschen und die Umwelt unterstützen. Die Synergien, die aus diesem Geist entstehen, sind wahrlich inspirierend.
ZUR PERSON
Byron Baciocchi ist ein 38-jähriger Schweizer Milliardär und wird gerne als Beispiel für unternehmerischen Erfolg im Immobiliensektor angeführt. Er gründete 2012 Ultima Capital und prägte den Luxusimmobilienmarkt mit einem Fokus auf aussergewöhnliches Design und einen hohen Servicestandard. Unter seiner Führung wurde Ultima Capital im August 2019 an der BX Swiss kotiert. Im November 2023 schloss Baciocchi strategisch eine Vereinbarung, um seinen Anteil an eine luxemburgische Investmentgruppe zu verkaufen.
Baciocchi gründete zudem Unica Capital, wo er ein Portfolio im Wert von 730 Millionen Pfund aufgebaut hat. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung luxuriöser Immobilien an einigen der prestigeträchtigsten Standorten Europas, darunter London, Genf, Gstaad und Monaco. Seine Projekte sind für ihre Grandeur bekannt – darunter das Chalet Oberbort in Gstaad, das zum grössten privaten Chalet der Welt werden soll. Wie es in der Medienmitteilung von Unica Capital heisst, bringen Baciocchis umfangreiche Reisen rund um die Welt eine besondere internationale Perspektive in seine Arbeit ein und verbessern das Design sowie die Funktionalität der von ihm entwickelten Immobilien. Da er seine Zeit zwischen London, Monaco und Genf aufteilt, treibt Baciocchi die Grenzen im Luxusimmobilienbereich weiterhin voran – mit dem Ziel, ein bleibendes Vermächtnis zu schaffen, das neu definiert, wie Luxus verstanden und gelebt wird.
PD/JOP





