Jahresrückblick 2025 – Politik: Richtungsentscheide und Vertrauensfragen
16.01.2026 Politik2025 war in der Regionalpolitik des Saanenlands und Obersimmentals ein Jahr mit weitreichenden Entscheiden. Gesundheitsversorgung, Spitalstandort, grosse Infrastrukturprojekte und der Umbau von Verwaltungen prägten die Debatten. Dabei trafen finanzielle Realitäten auf politische ...
2025 war in der Regionalpolitik des Saanenlands und Obersimmentals ein Jahr mit weitreichenden Entscheiden. Gesundheitsversorgung, Spitalstandort, grosse Infrastrukturprojekte und der Umbau von Verwaltungen prägten die Debatten. Dabei trafen finanzielle Realitäten auf politische Verantwortung und gesellschaftliche Erwartungen – nicht selten begleitet von Widerstand, Unsicherheit und dem Ringen um tragfähige Lösungen für die Zukunft der Region.
ZUSAMMENGESTELLT VON JOCELYNE PAGE
Gesundheitswesen zwischen Neuorientierung und Sicherung der Grundversorgung
Abschied von der Luxusklinik, Fokus auf regionale Bedürfnisse
Auf dem ehemaligen Spitalareal in Saanen wurde 2025 ein strategischer Richtungswechsel vollzogen. Die Gstaad International Health Group (GIH) und die Gemeinde Saanen verabschiedeten sich von der Vision einer internationalen Luxusklinik und richteten den Fokus neu auf ein Gesundheitszentrum mit hausärztlicher und ambulanter Versorgung. Ausschlaggebend waren Finanzierungsfragen, der Fachkräftemangel und der konkrete Bedarf der Bevölkerung. Für Abklärungen zur Bausubstanz und zur Weiterentwicklung des Areals bewilligte der Gemeinderat einen Nachkredit von 260’000 Franken; internationale Partner wie Johns Hopkins Medicine International bleiben beratend eingebunden.
Ambulante Versorgung wird gezielt gestärkt
Parallel dazu stand die Sicherung der medizinischen Versorgung im Alltag im Zentrum. Der Spitex-Verein Saane-Simme erhielt den Zuschlag für die Leistungsverträge 2026–2029 und bleibt damit zentrale Pflegeorganisation der Region. Die SarinaMed-Gemeinschaftspraxis festigte ihre Rolle in der Grundversorgung. Ergänzt wurde das Angebot durch den hausärztlichen Pop-up-Notfalldienst, der in der Wintersaison 2024/25 rund 360 Konsultationen verzeichnete und dank Unterstützung von Gemeinden und Kanton auch im Sommer 2025 weitergeführt wurde.
Zehn Jahre Maternité Alpine
Ein wichtiges Jubiläum feierte 2025 die Maternité Alpine. Das Geburtshaus in Zweisimmen blickte auf zehn Jahre Betrieb zurück und bestätigte trotz struktureller Herausforderungen seine regionale Bedeutung. Mit 52 Geburten und über 1000 ambulanten Konsultationen blieb die Nachfrage stabil. Ein finanzielles Defizit konnte durch Fondskapital gedeckt werden. Die Jubiläumsfeier unterstrich die Rolle der Maternité Alpine als genossenschaftlich getragenes Angebot, das medizinische Versorgung und gesellschaftliche Verankerung verbindet.
Spital Zweisimmen: ein Jahr der Entscheide, Proteste und Zäsuren
Vom offenen Prozess zur konkreten Neuausrichtung
Nach dem turbulenten Jahr 2024 begann 2025 mit der Suche nach einem neuen Betriebskonzept für den Spitalstandort Zweisimmen. Die Spital STS AG bekräftigte im Februar ihren Entscheid vom Juli 2024, den Standort als Akutspital mit 24-Stunden-Notfall weiterzuführen, machte aber deutlich, dass Inhalt und Ausgestaltung des Konzepts noch offen seien. In Gesprächen mit Gemeinden, Politik, Ärzteschaft und der Maternité Alpine wurden verschiedene Szenarien geprüft – vom bisherigen Betrieb bis zu deutlich reduzierten Strukturen. Klar war früh: Personalmangel, rückläufige Fallzahlen und das hohe Defizit setzten enge Grenzen.
Frühjahr: Chirurgie wird infrage gestellt
Im Frühling verdichteten sich die Hinweise, dass die chirurgische Tätigkeit in Zweisimmen kaum mehr aufrechterhalten werden kann. Mitte April kündigte die Spital STS AG an, den Operationsbetrieb an Wochenenden einzustellen; personelle Abgänge und eine angespannte Situation im OP-Bereich verschärften die Lage zusätzlich. Ende April folgte die entscheidende Mitteilung: Das neue Betriebskonzept sieht den Ausbau des 24-Stunden-Notfalls, eine flexible Bettenstation und Investitionen von rund drei Millionen Franken vor. Gleichzeitig sollen alle Operationen nach Thun verlegt werden. Ziel sei es, das Defizit zu reduzieren und die Versorgung langfristig abzusichern.
Politischer Widerstand und breite Mobilisierung
Die Pläne lösten in der Region starke Reaktionen aus. Im Grossen Rat wurden dringliche Motionen eingereicht, die eine Einhaltung der Spitalversorgungsverordnung forderten und den Erhalt der Chirurgie verlangten. Parallel dazu lancierte Grossrat Nils Fiechter eine Petition, diese wurde innert sieben Tagen über 7000-mal unterzeichnet. Mitte Juni kulminierte der Protest an einer «Landsgemeinde» in Därstetten, wo Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Bevölkerung die kantonalen Entscheide scharf kritisierten und eine wohnortsnahe Grundversorgung einforderten.
Sommer: Information in Zweisimmen
Im Juni stellten STS AG und Kanton das Betriebskonzept an einer öffentlichen Informationsveranstaltung vor. Die Verantwortlichen betonten, dass Zweisimmen ein Akutspital bleibe, der Notfall ausgebaut werde und viele Leistungen erhalten blieben. Die Verlagerung der Chirurgie sei kein Abbau, sondern eine notwendige Anpassung an medizinische und wirtschaftliche Realitäten. Gleichzeitig wurde zugesichert, dass Patiententransporte organisiert und finanziert würden. Dennoch blieben in der Bevölkerung Zweifel, insbesondere bezüglich Sicherheit, Kosten und Auswirkungen auf die Region.
Herbst: Geburtshaus, offene Briefe und neue Fronten
Im September wurde bekannt, dass der Operationsbetrieb per 1. Oktober 2025 vollständig eingestellt wird. Für die Maternité Alpine bedeutete dies einen tiefen Einschnitt. In Verhandlungen mit der STS AG einigte man sich darauf, dass das Geburtshaus ab Sommer 2026 als Mieterin am Spitalstandort einziehen kann; das Angebot soll bis dahin unverändert weiterlaufen. Gleichzeitig verschärfte sich der Ton der Debatte: «Engagierte Bürgerinnen» veröffentlichten offene Briefe, kritisierten das Betriebskonzept scharf und brachten die Gründung einer Genossenschaft als Alternative ins Spiel.
Jahresende: Der Regierungsrat zieht einen Schlussstrich
Im November erklärte der Regierungsrat des Kantons Bern, dass das Betriebskonzept beschlossen und seit Oktober in Kraft sei. Die Vorwürfe der Bevölkerung wies er zurück und kündigte an, auf weitere Schreiben nicht mehr einzugehen. Damit endete 2025 mit einer klaren politischen Festlegung: Das Spital Zweisimmen bleibt bestehen – jedoch ohne Chirurgie, mit gestärktem Notfall und integrierter Versorgung, getragen von der Spital STS AG und unter kritischer Beobachtung der Region.
Verwaltungen unter Druck: Wachstum, Finanzen und Strukturfragen
Saanen: mehr Personal für mehr Aufgaben
Die Gemeindeverwaltung Saanen stand 2025 vor einem strukturellen Wendepunkt. Aufgrund steigender Aufgaben, vieler Überstunden und externer Mandate beschloss die Gemeinde im Rahmen der Neuorganisation der Verwaltung, die Stellenprozente innerhalb von drei Jahren um 1600 Prozent zu erhöhen. Abteilungen wie Bildung, Soziales, Sicherheit, Bau/Raumplanung/Infrastruktur sowie Finanzen und Liegenschaften werden aufgeteilt und personell neu geführt. Für die zusätzlichen Lohnkosten wurde im Budget 2025 eine Reserve von 750’000 Franken eingestellt; eine unmittelbare Steuererhöhung ist nicht vorgesehen, mittelfristig aber möglich.
Gsteig: Defizite, Steuerperspektiven und Reglementsarbeit
In Gsteig genehmigte die Gemeindeversammlung das Budget 2026, das bei gleichbleibender Steueranlage ein Defizit von rund 1,25 Millionen Franken vorsieht. Gründe sind sinkende Steuereinnahmen, steigender Aufwand und der Wegzug eines Grosssteuerzahlers. Der Finanzplan sieht ab 2027 eine moderate Steuererhöhung vor. Gleichzeitig verabschiedete die Versammlung mehrere revidierte Reglemente, darunter zum Schulwesen, zu den Kurtaxen und zur Bewältigung ausserordentlicher Lagen, sowie Verpflichtungskredite für Gstaad Saanenland Tourismus und das Projekt Skifuture.
Lauenen: Schule sorgt für Emotionen
In Lauenen rückte an der Gemeindeversammlung vor allem die Zukunft der Schule in den Fokus. Der Weggang von drei Lehrpersonen innerhalb kurzer Zeit führte zu emotionalen Wortmeldungen aus der Bevölkerung. Kritik betraf insbesondere Führungsstrukturen, Kommunikation und Zuständigkeiten. Gemeinderat und Schulkommission sagten zu, die Situation ernst zu nehmen und Massnahmen zu prüfen, baten jedoch um Geduld. Die traktandierten Geschäfte selbst wurden einstimmig genehmigt.
Zivilschutz: Fusion als gemeinsame Lösung
Ebenfalls in Lauenen beschlossen die Stimmberechtigten die rechtlichen Grundlagen für die Fusion der Zivilschutzorganisationen zur neuen ZSO BEO WEST, die ab 1. Januar 2026 in Kraft tritt. Ziel sind effizientere Strukturen, bessere Einsatzplanung und langfristige Sicherung des Zivilschutzes trotz sinkender Bestände. Die Kosten für Lauenen bleiben stabil. Zudem genehmigte die Versammlung die Jahresrechnung 2024, die mit einem Überschuss von rund 1,13 Millionen Franken deutlich besser ausfiel als budgetiert.
Neue Verantwortungsträger und prägende Abschiede
Von Turbach nach Bern
Mit Marieke Kruit steht seit dem 1. Januar 2025 eine Frau an der Spitze der Stadt Bern, deren Wurzeln im Turbach liegen. Die SP-Politikerin blickte im Jahresverlauf mehrfach auf ihre Kindheit im Saanenland zurück und betonte, wie stark sie der Kontrast zwischen Land und Stadt geprägt habe. Ihre Haltung, Verbindendes über Trennendes zu stellen, prägt heute auch ihre Arbeit als Stadtpräsidentin.
Abschied eines erfahrenen Regierungsstatthalters
Nach 16 Jahren im Amt kündigte Michael Teuscher an, sich nicht mehr zur Wiederwahl als Regierungsstatthalter Obersimmental-Saanen zu stellen. Er blieb bis zum Ende der Amtsperiode im Einsatz und leitete eine geordnete Übergabe ein. Sein Entscheid markierte das Ende einer über drei Jahrzehnte langen Tätigkeit in der kantonalen Verwaltung.
Die Nachfolge von Michael Teuscher wurde im Mai geklärt: Matthias Matti (Die Mitte) wurde bereits im ersten Wahlgang zum neuen Regierungsstatthalter Obersimmental-Saanen gewählt und trat sein Amt am 1. Januar 2026 an. Für das Amt des Regierungsstatthalters kandidierten auch Stefan Janzi (FDP) und Christoph Stalder (SVP).
Matti kündigte an, sämtliche politischen und wirtschaftlichen Mandate abzugeben, um die Unabhängigkeit des Amtes zu wahren. Der Wahlkampf war geprägt von Podiumsdiskussionen und klaren Positionierungen der Kandidaten.
Wahlen und neue Gesichter an der Gemeindespitze
2025 standen gleich mehrere Gemeinden im Zeichen personeller Erneuerung. Toni von Grünigen übergab nach acht Jahren (2017–2024) das Amt als Gemeindepräsident von Saanen an Petra Schläppi. Insgesamt war er während rund 20 Jahren in der Gemeindepolitik engagiert. Mit seinem Rücktritt schloss er eine lange politische Laufbahn ab und ermöglichte einen geplanten Übergang an der Spitze der Gemeinde. In Gsteig kam es ebenfalls zu einem Wechsel: Auf Markus Willen folgte Barbara Kernen als Gemeindepräsidentin. In Lauenen wurde Ruth Oehrli klar für eine zweite Amtszeit bestätigt, während Heinz Annen neu in den Gemeinderat gewählt wurde.
Führungswechsel in den Regionen
In den Berg- und Planungsregionen Obersimmental-Saanenland und Kandertal kam es zu einem bedeutenden Wechsel: Andreas Grünig trat nach 18 Jahren als Geschäftsführer zurück. Seine Nachfolge übernahm Evelyne Coleman Brantschen, die bereits frühzeitig in die Arbeit eingebunden wurde. Gleichzeitig wurde die Geschäftsstelle personell verstärkt, um die wachsenden Anforderungen in Raumplanung und Regionalentwicklung zu bewältigen.
Neuausrichtung der Bergregion
An der Delegiertenversammlung der Bergregion Obersimmental-Saanenland wurde David Schmid als neuer Co-Präsident gewählt. Gleichzeitig präsentierte die Region ein neues Leitbild, das nach kontroversen Abstimmungen auf Respekt, Kollegialität und Vertrauen setzt – eine Folge der Abstimmungen über das Gesundheitsnetz Simme Saane.
Verwaltung im Wandel
Mit Tanja Brunner trat in Saanen eine neue Verwaltungsdirektorin ihr Amt an. Die Gemeinde Saanen leitete in dieser Zeit eine Reorganisation der Gemeindeverwaltung ein, welche Brunner operativ umsetzte und begleitete. Dazu gehörten die Neubesetzung von Abteilungsleitungen sowie die Bearbeitung zentraler Dossiers wie Wohnraum, Energieplanung und Schulstrategie.
Parteiarbeit erneuert
Auch auf Parteiebene kam es zu Veränderungen: Die GLP Obersimmental-Saanenland wählte mit Michel Hediger und Fabian Blum ein neues Co-Präsidium. Der bisherige Präsident Philippe Marmet trat zurück, um sich auf sein Amt als Gemeinderat von Saanen zu konzentrieren.
Grossprojekte, Richtungsentscheide und offene Dossiers
Saanen und seine Grossprojekte: Die Gemeindeversammlung stimmte fleissig ab
An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung im April gaben die Stimmberechtigten von Saanen grünes Licht für gleich drei zentrale Projekte. Genehmigt wurde die Überbauungsordnung zur Wiedererschliessung des Rellerli mit einer neuen Gondelbahn, die ohne finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand realisiert werden soll. Das Projekt wurde vom Verein «Freunde des Rellerli» gemeinsam mit der Mountain View AG initiiert. Sie setzen sich für eine neue Gondelbahn aufs Rellerli ein, die moderne Technik mit naturnahem Tourismus verbinden soll. Ebenfalls klar angenommen wurde die Weiterentwicklung des Tourismusgebiets Saanenmöser–Schönried, inklusive neuer Transportanlagen, Sommerangebote und Anpassungen bei der Erschliessung. Zustimmung erhielt zudem die Erhöhung des Planungskredits für die Sport- und Eventhalle Gstaad um 3,885 Millionen Franken; ein Rückweisungsantrag wurde deutlich abgelehnt. Die Sport- und Eventhalle steht im Zusammenhang mit der Gstaad Concert Hall: dem Neubau und Ersatz für das heutige Festzelt des Gstaad Menuhin Festivals.
An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung im September stimmte die Bevölkerung nochmals über das Projekt ab: Sie stimmten der Weiterentwicklung des Sport- und Kulturzentrums mit Concert Hall zu. Zustimmung fanden zudem mehrere richtungsweisende Beschlüsse: die neue Überbauungsordnung für das Parkhotel Gstaad, der Ersatzneubau des Speichersees Hornberg zur Sicherung der Beschneiung sowie die Neufinanzierung von Gstaad Saanenland Tourismus für die Jahre 2026–2029. Die Stimmberechtigten lehnten jedoch den Kauf des ehemaligen Postgebäudes in Schönried für 2,12 Millionen Franken deutlich ab.
Zum Abschluss erklärten die Stimmberechtigten zwei Erheblichkeitsanträge für erheblich: Einer betrifft die Prüfung einer Barriere an der Grubenstrasse, der andere verlangt Massnahmen gegen den Massentourismus zugunsten von Qualitätstourismus. Beide Anträge müssen nun vom Gemeinderat weiterbearbeitet und später erneut vorgelegt werden.
Sanierung des Parkhauses Saanen lässt auf sich warten
Die Sanierung des Parkhauses Saanen ist blockiert: Wegen eines laufenden Rechtsverfahrens mit einem Bauunternehmen verzögert sich der Baustart voraussichtlich bis Frühling 2026. Das Parkhaus muss saniert werden, da es undichte Stellen aufweist.
Gsteig sagt Ja zur Deponieerweiterung
In Gsteig genehmigte der Souverän die Erweiterung der Aushubdeponie Saali inklusive Baugesuch, trotz Einsprachen von Umweltorganisationen, die abgewiesen wurden.









