Julien Finkbeiner: «In Gstaad können die Spieler entschleunigen»
10.07.2026 SportDas EFG Swiss Open Gstaad gehört zu den traditionsreichsten Tennisturnieren der Welt. Gleichzeitig muss es sich im internationalen Wettbewerb behaupten. Im Interview spricht Julien Finkbeiner, CEO der Grand Chelem Event SA, über den Boom der vergangenen Jahre, die besondere ...
Das EFG Swiss Open Gstaad gehört zu den traditionsreichsten Tennisturnieren der Welt. Gleichzeitig muss es sich im internationalen Wettbewerb behaupten. Im Interview spricht Julien Finkbeiner, CEO der Grand Chelem Event SA, über den Boom der vergangenen Jahre, die besondere Atmosphäre in Gstaad, die steigenden Anforderungen der ATP und seine Vision für die Zukunft des Turniers.
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Nach Wimbledon gehört das EFG Swiss Open Gstaad zu den ältesten und damit traditionsreichsten Tennisturnieren der Welt. Gleichzeitig muss es sich Jahr für Jahr im internationalen Wettbewerb behaupten. Wie gross ist der Druck, diesem Erbe gerecht zu werden und das Turnier gleichzeitig weiterzuentwickeln?
Für uns ist es vor allem ein Privileg und eine Ehre, dieses besondere Turnier seit mehr als 20 Jahren organisieren zu dürfen. Wir geben jeden Tag unser Bestes, damit die Besucherinnen und Besucher unvergessliche Momente voller Emotionen erleben können. Und dann entfalten Gstaad und das Berner Oberland jedes Mal aufs Neue ihre ganz besondere Magie.
Viele Besucherinnen und Besucher haben in den vergangenen Jahren den Eindruck gewonnen, dass das Swiss Open wieder an Dynamik gewonnen hat. Tagestickets waren mehrfach ausverkauft, das Village war belebt. Entspricht diese Wahrnehmung auch Ihren Zahlen? Falls ja: Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?
Ja, absolut. Seit 2021 verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen. Zwischen 2019 und 2025 hat sich die Zahl der Zuschauerinnen und Zuschauer sogar verdoppelt. Das freut uns enorm und zeigt, dass sowohl das sportliche Niveau als auch die Qualität unseres Empfangs geschätzt werden. Wir haben diesen beiden Bereichen in den vergangenen Jahren besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Gemeinsam mit dem Verwaltungsrat der Swiss Open Gstaad AG unter der Leitung von Michel Brand haben wir alles daran gesetzt, ein möglichst hochkarätiges Teilnehmerfeld zusammenzustellen. Gleichzeitig haben wir erheblich in die Infrastruktur des Tennis Village und in die Qualität unseres Hospitality-Angebots investiert.
Wie präsentiert sich die Situation in diesem Jahr? Wie läuft der Vorverkauf?
Zu unserer grossen Freude läuft der Vorverkauf sehr gut. Wir hoffen, die Zuschauerzahl gegenüber der Austragung 2025 um rund zehn Prozent steigern zu können. Das wäre erneut ein Rekord.
Wenn Sie einem ATP-Spieler, der noch nie in Gstaad war, das Turnier mit wenigen Worten schmackhaft machen müssten: Was würden Sie ihm sagen?
Gstaad gehört zu den schönsten Orten, die ich kenne. Im Sommer, mitten zwischen Chalets und Bergen, wirkt das Dorf wie eine Postkarte. Dazu kommen hervorragende Hotels. Unter solchen Bedingungen Tennis zu spielen, bereitet einfach Freude.
Das Turnier findet zwischen Wimbledon und den US Open statt. Ist dieser Termin eher ein Vorteil oder eine Herausforderung bei der Verpflichtung von Spielern?
Dieser Termin mitten im Sommer zwischen zwei Grand Slams hat Tradition. Das Turnier existiert seit 1915 und blickt auf mehr als 110 Jahre Geschichte zurück. Deshalb sehe ich diesen Zeitpunkt eher als Vorteil. Das Turnier ist seit Jahrzehnten erfolgreich und erfreut sich weiterhin grosser Beliebtheit.
Gstaad ist ein ATP-250-Turnier und damit eines der kleineren Turniere im Kalender. Trotzdem gelingt es immer wieder, namhafte Spieler ins Saanenland zu holen. Was macht Gstaad für Profis attraktiv?
Vor allem das einzigartige Umfeld. Die Spieler auf der ATP-Tour stehen das ganze Jahr unter enormem Druck. Bei Grand-Slam-Turnieren wie Roland Garros oder Wimbledon sind sie ständig von Medien und Fans umgeben. In Grossstädten wie Paris, London oder New York kommen oft lange Fahrzeiten zwischen Hotel und Anlage hinzu. In Gstaad ist alles anders. Der Slogan «Come up, slow down» beschreibt es perfekt. Hier können die Spieler entschleunigen und in einer entspannteren Atmosphäre Tennis spielen.
Sie sprechen es an: Gstaad bietet keine Grossstadt, sondern kurze Wege, Nähe und ein kleines Turnierdorf. Fehlt manchen Spielern dennoch die Anonymität grosser Turnierstandorte?
Ich denke, gerade diese Nähe gehört zu den grössten Stärken von Gstaad. Hinzu kommt, dass die Einheimischen den Umgang mit prominenten Persönlichkeiten gewohnt sind. Sie respektieren deren Privatsphäre. Die Spieler werden während ihres Aufenthalts deshalb kaum belästigt.
Was schätzen die Spieler sonst noch besonders an Gstaad? Ist es die Atmosphäre, die Natur, die Ruhe oder etwas ganz anderes?
Von allem etwas. Besonders geschätzt wird aber auch der herzliche Empfang durch unsere freiwilligen Helferinnen und Helfer sowie alle Mitarbeitenden des Turniers. Dazu gehören die Ballkinder, die Fahrerinnen und Fahrer oder die Teams, welche die Plätze pflegen.
Gibt es Spieler, die Jahr für Jahr ganz bewusst nach Gstaad zurückkehren?
Ja, davon gibt es mehrere. Einer der bekanntesten ist Casper Ruud. Er hat das Turnier bereits zweimal gewonnen und kommt sehr gerne mit seiner Familie und seinem gesamten Team nach Gstaad.
Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ist kaum sichtbar, was ein ATP-Turnier hinter den Kulissen alles bieten muss. Welche Infrastruktur erwarten die ATP sowie die Spieler und ihre Teams heute?
Ein ATP-Turnier ist wie ein Eisberg: Das Publikum sieht nur einen kleinen Teil davon. Besonders stark entwickelt hat sich in den vergangenen Jahren der Bereich Gesundheit. Wir stellen den Spielern ein komplettes medizinisches Team mit Ärzten, Physiotherapeuten, Masseuren und Ernährungsberatern zur Verfügung. Zudem gibt es zahlreiche Einrichtungen wie einen Fitnessraum, Innenund Aussenbereiche zum Aufwärmen, einen Erholungsbereich nach den Spielen, Eisbäder und seit diesem Jahr sogar einen Raum für mentale Vorbereitung und Entspannung.
Die Anforderungen der ATP entwickeln sich laufend weiter. Welche Veränderungen haben Sie in den vergangenen Jahren besonders gespürt?
Neben der Gesundheit der Spieler hat sich vor allem der Bereich TV-Rechte und Datenanalyse stark entwickelt. Rund um den Platz erfassen heute etwa 20 Kameras sämtliche Ballwechsel für das elektronische Liniensystem, das die Linienrichter ersetzt hat. Die gewonnenen Daten werden von Trainern und Spielern detailliert analysiert. Die Technologie entwickelt sich sowohl auf als auch neben dem Platz rasant weiter.
Wo stösst die heutige Infrastruktur in Gstaad an ihre Grenzen?
Vor allem bei den Garderoben und den Räumen im Infrastrukturtrakt, die den Spielern und ihren Teams zur Verfügung stehen. Das geplante Projekt zur Erneuerung des Eisbahnareals würde dem Turnier künftig deutlich bessere Voraussetzungen für die Organisation bieten.
Schauen wir in die Zukunft: Wo soll das Swiss Open Gstaad in fünf bis zehn Jahren stehen?
Ich wünsche mir, dass Gstaad weiterhin zu den attraktivsten ATP-250-Turnieren der Welt gehört. Und natürlich wäre es schön, wenn Spieler, die künftig in Gstaad gewinnen, später auch Grand-Slam-Titel feiern würden.
Gibt es Visionen oder Projekte, die heute noch Zukunftsmusik sind, langfristig aber Realität werden könnten?
Mit der Erneuerung des Eisbahnareals werden wir über eine hochwertige Infrastruktur verfügen, von der insbesondere die Zuschauenden profitieren werden. Gleichzeitig möchten wir das Erlebnis rund um die Spiele weiter ausbauen und den Eventcharakter stärken. Denkbar wäre beispielsweise eine vollständige Beleuchtung des Center-Courts, sodass künftig auch Abendspiele möglich wären.
Starkes Teilnehmerfeld mit Wawrinkas Abschied
Das Teilnehmerfeld des diesjährigen Swiss Open Gstaad verspricht hochklassiges Sandplatztennis. Angeführt wird die Entry List vom Titelverteidiger Alexander Bublik (ATP 11). Ebenfalls am Start sind der zweimalige Gstaad-Sieger Casper Ruud (ATP 12), Matteo Berrettini (ATP 51), der das Turnier bereits 2018 und 2024 gewann, sowie Stefanos Tsitsipas (ATP 87). Weitere Namen unter den Top 50: Valentin Vacherot (ATP 20, aus Monaco), Arthur Rinderknech (ATP 28, Frankreich), Ignacio Buse (ATP 34, Peru). Laut der ATP-Website beläuft sich das Preisgeld in Gstaad auf 612’620 Euro, wovon beispielsweise der Gewinner 93’175 Euro erhält, der zweite Finalist 54’360 Euro. Die Gewinner des Doppels erhalten 32’410 Euro, dies pro Team.
Drei Wildcards – zwei bekannt
Aus Schweizer Sicht steht vor allem Stan Wawrinka im Mittelpunkt. Der dreifache Grand-Slam-Sieger bestreitet in Gstaad seinen letzten Auftritt als Profi und wird bereits am Sonntag vor Turnierbeginn gemeinsam mit Musiker Bastian Baker mit einer öffentlichen Abschiedsfeier verabschiedet. Sportlich greift der Romand am Swiss Day vom Dienstag erstmals im Einzel ins Geschehen ein. Bereits am Montag dürfte er zusammen mit dem Schweizer Jérôme Kym im Doppel antreten. Kym hat eine Wildcard erhalten.
Auch Dominic Stricker erhielt eine Wildcard für das Hauptfeld. Während Kym nach seinem Viertelfinaleinzug im vergangenen Jahr zurückkehrt, bestreitet Stricker nach überstandenen Verletzungen sein erstes ATP-250-Turnier der Saison. Eine dritte Wildcard wird kurzfristig vergeben. Die Organisatoren rechnen erneut mit einem grossen Publikumsaufmarsch. Für Freitag und Samstag sind bereits fast alle Tickets verkauft.
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Das Village lebt
Nicht nur auf dem Center-Court ist während der Turnierwoche viel los. Im Village erwartet die Besucherinnen und Besucher täglich ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Den Auftakt macht am Sonntag die öffentliche Abschiedsfeier für Stan Wawrinka mit einem Konzert von Bastian Baker, Autogrammstunde und DJ-Set. Für das Interview mit Wawrinka kündigen die Organisatoren zudem einen Überraschungsgast an. Im Verlauf der Woche folgen unter anderem der Swiss Tennis Family Day, Fashion Shows, traditionelle Musik, Alphornklänge, Konzerte sowie Public Viewings der Fussball-Weltmeisterschaft. Der Zugang zum Village bleibt die ganze Woche kostenlos. «Zudem laden die Bar und das Restaurant im Turnier Village täglich und bis in den Abend hinein zum Verweilen und Geniessen ein», sagt Selina Flückiger von der Grand Chelem Event SA.
Neu sind seit dem vergangenen Jahr die Sicherheitskontrollen an den Eingängen zum Village. Die Organisatoren betonen jedoch, dass sich am kostenlosen Zugang nichts geändert habe. Die Massnahmen entsprechen den verschärften Sicherheitsvorgaben der ATP und dienen der Sicherheit von Spielerinnen und Spielern, Mitarbeitenden sowie Besucherinnen und Besuchern. Auch auf den Tribünen gelten zusätzliche Kontrollen. Rucksäcke und grössere Taschen müssen dort an den dafür vorgesehenen Ablageorten deponiert werden.
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