Auf Juvenias Spuren an die Topschau
31.10.2024 Landwirtschaft
Juvenias Tag im Stall von Toni Hostettler beginnt früh morgens. Noch weiss sie nicht, dass heute in Gstaad Topschau ist und sie da gleich zusammen mit zwei Kolleginnen aus ihrem Stall in der Oey in Saanen einen wichtigen Auftritt hat. Wie gewöhnlich wird sie von ihrem Besitzer Toni mit Heu und Kraftfutter gefüttert und gemolken. Andrea, Tonis Frau, bürstet sie liebevoll – das fühlt sich fast wie eine Massage an.

Dass Juvenia im Morgengrauen schon an ein Halfter genommen und um die Scheune geführt wird, macht sie stutzig. Das Rätsel ist schnell gelöst: Wie schon vor der Punktierung in Saanen am vergangenen Donnerstag gibt es eine Dusche aus dem Hochdruckreiniger. Brr, draussen ist es schon herbstlich kühl – zum Glück kommt das Wasser warm aus der Düse! Sobald Juvenia kann, folgt sie ihrem Meister schnell wieder in den Stall. Dort liegt noch eine Ruhepause im Stroh drin, es ist nämlich immer noch dunkel draussen.

Aber was ist jetzt wieder los? Es gibt Unruhe im Stall. Sara und Natascha, ihre Kolleginnen, werden geholt und den Geräuschen nach steigen sie in einen Viehtransporter. Nun ist Juvenia an der Reihe. Was soll denn das heute? Die Viehschauwoche ist doch schon vorbei? Beim Aussteigen auf dem Wispileparkplatz löst sich das Rätsel. Andy, Tonis Papa, erwartet die beiden auf dem Platz. Toni trägt bereits ein weisses Hemd, um beim Vorführen mit dem Melchrock passend angezogen zu sein. Andere Kühe werden gebracht, die angebundenen muhen. Es steht schon wieder ein Kärcher bereit, um die schmutzigen Beine zu waschen. «Ach ja, es ist Topschau!», erinnert sich
Juvenia, «da war ich letztes Jahr auch schon dabei!»

Toni holt für seine Kühe die Laufnummern. Juvenia bekommt die 52, ihre Stallkollegin Sara die 53. Zum Glück hat Juvenia eine Kuh neben sich, die sie gut kennt. Das Warten in der Latte ist manchmal ein wenig langweilig.

Aber plötzlich wird es spannend: Die Kategorie Swiss-Fleckvieh II wird aufgerufen. Juvenia wird von Toni in den Schauring geführt, seine Frau Andrea steht hilfreich zur Seite.

Da kreisen nun fünf Kühe der gleichen Rasse und im ähnlichen Alter. Sie werden vom Schaurichter genauestens beobachtet. Da: Die ersten Entscheide werden bekannt gegeben. Juvenia wird aufgerufen, den Ring zu verlassen. Das heisst, sie kommt in den Final und
gehört zu den Anwärterinnen für einen Podestplatz. Welche Freude – auch für Toni! Nun geht das Warten weiter. Stolz über seinen ersten Teilerfolg führt Toni auch noch Sara mit der Nummer 53 in den Ring.

Da kreisen nun fünf Kühe der gleichen Rasse und im ähnlichen Alter. Sie werden vom Schaurichter genauestens beobachtet. Da: Die ersten Entscheide werden bekannt gegeben. Juvenia wird aufgerufen, den Ring zu verlassen. Das heisst, sie kommt in den Final und
gehört zu den Anwärterinnen für einen Podestplatz. Welche Freude – auch für Toni! Nun geht das Warten weiter. Stolz über seinen ersten Teilerfolg führt Toni auch noch Sara mit der Nummer 53 in den Ring.

Mit Stolz und Freude begeben sich Toni und Juvenia in die Warteschlaufe vor dem Schauring. Was kommt wohl auf sie zu? Wie wird Christian Reber,
der Richter, entscheiden? Wenn nicht gerade Kommentare abgegeben werden, ertönen volkstümliche Musik und Jodellieder aus dem Lautsprecher. Hunderte von Interessierten sitzen auf Strohballen um den Ring oder haben sich einen Stehplatz ergattert, von dem aus sie noch etwas sehen können. Es wird genauestens beobachtet – manchmal wird auch mehr oder weniger leise diskutiert und was im Ring geschieht kommentiert.

Nun sind für das Duo Juvenia/Toni die Würfel gefallen. Sie müssen zusammen mit anderen den Ring schon vor den endgültigen Richtentscheiden verlassen. Es hat nicht gereicht, bis zuletzt dabei zu sein. Was hat sich der Richter wohl für Überlegungen gemacht? An der Frühjahrspunktierung in Saanen wurde Juvenia mit dem Maximum 44 44 94 benotet. Der Richter an der Topschau hat absolut keine Angaben zu den vorgeführten Tieren, die er zu beurteilen hat. Er kennt keine Abstammung, kein Kalbedatum, keine Milchleistung. Sein Entscheid, der innert kürzester Zeit gefällt werden muss, stützt sich nur auf das, was er sieht: die Kuh und wie sie sich genau zu diesem Zeitpunkt präsentiert.
An einer Schau ein tolles Resultat zu erzielen, ist für jeden Viehzüchter eine grosse Motivation, weiterzumachen und ein «Nidletüpfi» im Bauernalltag. Aber ein Bauer wie Toni, der sich mit Herzblut für die Landwirtschaft entschieden hat, freut sich an den anderen 364 Tagen im Jahr genau gleich an seinem Viehstand, denn davon kann er leben und seinen Betrieb in Schuss halten.
Toni Hostettler
Seit dem 1. Januar 2023 bewirtschaftet Toni Hostettler einen Pachtbetrieb in der Oey in Saanen. Seinem Vorgänger und Besitzer der Liegenschaft, Toni Kübli, hat er während vier Jahren im Angestelltenverhältnis bei allen Arbeiten geholfen.
Obwohl der 32-Jährige kein Bauernsohn ist, fühlt er sich stark in diesem Berufsstand verwurzelt. Nach der Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker ergänzte der in Bissen aufgewachsene junge Mann sein Wissen mit der landwirtschaftlichen Ausbildung.
16 bis 18 Kühe kann Toni durch den Winter füttern. Diese werden auf dem Hornberg gesömmert. Gegenwärtig ist er in der Viehzucht vielseitig aufgestellt: Es stehen Red-Holstein-, Holstein-, Swissfleckvieh- und Simmentaltiere in seinem Stall. Seine Frau Andrea teilt mit ihm die Freude an gefälligen Kühen. Sie unterstützt ihren Mann zusammen mit den Eltern Hostettler im Betrieb. Auch sein ehemaliger Chef, Toni Kübli, ist in dieser Sache ein zuverlässiger Wert.
Während des Winterhalbjahrs geht der jüngere Toni als Holzer und Maschinenmechaniker auf den Nebenerwerb. Vmu
Orlando Juvenia
Haldis Orlando Juvenia, wie Toni Hostettlers Kuh richtig heisst, wurde am 2. Oktober 2020 auf der Gütschihalten in Saanen, bei Yvonne und Erich Haldi, geboren.
Als Kalb wurde sie von Toni Kübli gekauft. Bei der Betriebsübergabe übernahm der nachfolgende Toni Hostettler Juvenia. Bei ihm gebar sie 2023 ihr erstes Kalb und schloss die Laktation mit 5424kg Milch ab. Am 24. März 2024 kam ihr zweites Kalb, das noch immer bei Hostettlers im Stall steht, zur Welt. Im Frühjahr 2024 wurde sie als Klasse-3-Kuh mit dem Maximum 44 44 94 punktiert. An der Punktierung in der vergangenen Woche wurde dieses Resultat in der Klasse 4 bestätigt. vmu









