Kämpfen für ein besseres Leben
10.04.2026 VorschauAm Montag, 13. April, zeigt das Filmpodium Saanenland den preisgekrönten Film «L’histoire de Souleymane» von Boris Lojkine, Frankreich 2024, im Kino Gstaad.
Mit halsbrecherischem Tempo rast Souleymane (Abou Sangare) auf dem Velo durch die Strassen von ...
Am Montag, 13. April, zeigt das Filmpodium Saanenland den preisgekrönten Film «L’histoire de Souleymane» von Boris Lojkine, Frankreich 2024, im Kino Gstaad.
Mit halsbrecherischem Tempo rast Souleymane (Abou Sangare) auf dem Velo durch die Strassen von Paris. Seine Arbeit als Velokurier ist allerdings illegal. Denn weil er keine Arbeitserlaubnis hat, nutzt er das Profil eines Freundes
– und ist entsprechend auf dessen Goodwill angewiesen, um den Lohn zu erhalten. Das Geld braucht er, um seine Papiere zu erhalten. Diese wiederum benötigt er dringend für sein Gespräch mit den Behörden, das entscheidet, ob er in Frankreich bleiben darf.
Ursprünglich aus Guinea stammend, musste Souleymane alles hinter sich lassen – inklusive seiner Verlobten –, um die beschwerliche Reise übers Mittelmeer anzutreten. Entsprechend viel steht auf dem Spiel. Während seiner Velokurierfahrten lernt er die Geschichte auswendig, die ihm eine Organisation für Flüchtlinge verfasst hat. Diese entspricht zwar nur sehr begrenzt der Wahrheit, soll aber seine Chancen erhöhen, in Frankreich zu bleiben. Allerdings hat Souleymane Mühe damit, sich als etwas zu verkaufen, was er gar nicht ist.
Die Geschichte von Souleymane ist nicht neu, der Schweizer Film «Die Anhörung» zeigt eindrücklich, wie Asylbewerber ihre Geschichten gegenüber der Behörde erzählen. Boris Lojkine liess sich von den vielen Essenskurieren inspirieren, die mit ihren grossen Rucksäcken auf dem Velo nicht nur in Paris überall zu sehen sind. Er erzählt die Geschichte von Souleymane jedoch in einem Tempo und mit einer Authentizität, die aussergewöhnlich sind. Durch die Arbeit mit Laienschauspieler:innen – auch der Hauptdarsteller Abou Sangare stammt aus Guinea und hat alle Stationen der Migration selber erlebt – wirkt der Film sehr direkt und eher wie ein Dokumentar- als wie ein Spielfilm. Wir begleiten die Darsteller sehr nahe und mit all den Geräuschen des Grossstadtdschungels durch ihre Geschichten. Dabei lebt der Film vor allem auch durch die schauspielerische Leistung von Abou Sangare, der für seine Darstellung am Filmfestival von Cannes 2024 mit dem Preis für den besten Schauspieler ausgezeichnet worden ist.
Boris Lojkine, ein Franzose, kam über ein Philosophiestudium und über Auslandaufenthalte zum Film. Nach kürzeren Dokumentarfilmen wurde er durch seine Spielfilme «Hope» (2014, über Flüchtlinge in Afrika vor ihrer Flucht) und «Camille» (2019, über eine Kriegsreporterin, die in Zentralafrika umgekommen ist) bekannt und mehrfach ausgezeichnet. Seine Filme kreisen um die Themen Überleben, Resilienz und Identität. Um Identität geht es auch für Souleymane, der letztlich seine eigene Geschichte nicht hinter der eingeübten Geschichte für die Asylkommission verstecken kann.
Boris Lojkine möchte mit seinen Filmen Geschichten von Menschen aus anderen Lebenswelten erzählen und uns so die Möglichkeit geben, unsere Perspektiven zu wechseln und Empathie für diese Menschen zu spüren – kommen Sie ins Kino und erfahren Sie es selber!
Das Filmpodium Saanenland zeigt «L’histoire de Souleymane» am kommenden Montag, 13. April, um 20.30 Uhr im Kino Gstaad. Nichtmitglieder sind herzlich willkommen und zahlen an der Abendkasse.

