Bärtschi mit Bestresultat wiedergewählt, knapper Ausgang um letzten Sitz
31.03.2026 PolitikDie Berner Kantonswahlen 2026 sind entschieden. Astrid Bärtschi erzielt das beste Resultat und wird klar wiedergewählt. Um den letzten Sitz im Regierungsrat kommt es zu einem engen Rennen: Reto Müller (SP) setzt sich gegen Daniel Bichsel (SVP) durch. Und bei den ...
Die Berner Kantonswahlen 2026 sind entschieden. Astrid Bärtschi erzielt das beste Resultat und wird klar wiedergewählt. Um den letzten Sitz im Regierungsrat kommt es zu einem engen Rennen: Reto Müller (SP) setzt sich gegen Daniel Bichsel (SVP) durch. Und bei den Grossratswahlen sind die Bisherigen Anne Speiser (SVP) und Hans Schär (FDP) wiedergewählt. Simon Bach (SVP) schaffte den Einzug ins Kantonsparlament.
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Das Berner Stimmvolk hat gesprochen, die neue Kantonsregierung steht fest. Astrid Bärtschi (Die Mitte, bisher) erreicht mit 138’672 Stimmen das beste Ergebnis und bestätigt ihre starke Stellung in der Regierung. Ebenfalls wiedergewählt sind Evi Allemann (SP), Philippe Müller (FDP) und Pierre-Alain Schnegg (SVP). Neu in die Kantonsregierung gewählt wurden Raphael Lanz (SVP) und Aline Trede (Grüne). Besonders umkämpft war der siebte und letzte Sitz: Reto Müller (SP) sichert ihn sich mit 99’021 Stimmen. Er liegt damit rund 7000 Stimmen vor Daniel Bichsel (SVP), der den Einzug verpasst.
Thuner Stapi zieht in die Kantonsregierung ein
Für Aufmerksamkeit sorgt das Resultat von Raphael Lanz. Der Thuner Stadtpräsident erzielt 109’078 Stimmen und setzt sich im parteiinternen Duell deutlich gegen Daniel Bichsel durch. Auch den bisherigen SVP-Regierungsrat Pierre-Alain Schnegg lässt er hinter sich. Gegenüber SRF sagte Lanz: «Es ist überwältigend, ich habe nicht damit gerechnet.» Zugleich findet er versöhnliche Worte: «Für Daniel Bichsel tut es mir leid. Wir sind gute Kollegen und haben einen guten Wahlkampf gemacht.»
An den Kräfteverhältnissen ändert sich nichts. Die SVP und die SP halten je zwei Sitze, dazu kommen je ein Sitz für FDP, Die Mitte und die Grünen. Die bürgerlichen Parteien behalten damit ihre Mehrheit im Regierungsrat, können sie jedoch nicht ausbauen.
Grosser Rat: Schär und Speiser bleiben, Bach zieht ein
Aus dem Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen ziehen bekannte und neue Gesichter in den Grossen Rat ein. Hans Schär (FDP West, Schönried) wurde mit 3491 Stimmen wiedergewählt, ebenso Anne Speiser (SVP West, Zweisimmen) mit 6541 Stimmen. Neu gewählt ist Simon Bach (SVP West, Turbach), der 6195 Stimmen erzielt hat.
Er habe zwar versucht, Stimmen in seinem persönlichen Umfeld zu mobilisieren, «aber ich habe trotzdem nicht mit einer Wahl gerechnet», sagt Bach auf Anfrage. «Deshalb habe ich mich natürlich über dieses Resultat sehr gefreut.» Während des Wahlkampfs habe er viele spannende Begegnungen gemacht.«Ich habe viele gute Leute kennengelernt, sei es aus der Politik oder der Wirtschaft. Diesen werde ich nun bestimmt wieder begegnen oder auch mit ihnen zusammenarbeiten. Darauf freue ich mich.»
Das Echo nach der Wahl sei gross gewesen. «Die Drähte laufen heiss», sagt Bach lachend. Er sei noch immer daran, allen persönlich zurückzuschreiben, die ihm gratuliert haben. Sein politisches Interesse bestehe schon länger. «Ich war
immer an Gemeindeversammlungen dabei und habe mich auch beruflich mit agrarpolitischen Themen beschäftigt.» Zur Kandidatur sei es auf Anfrage seiner Parteisektion gekommen. «Das hat mich zusätzlich motiviert, diesen Schritt zu machen.»
Vertretung der Region ausgebaut
Hans Schär zeigt sich erfreut über die Unterstützung aus seinem Umfeld und über sein Wahlergebnis. Die FDP habe viel erreicht und könne ihre beiden Sitze im Berner Oberland halten. Für ihn ist es die dritte direkte Wahl. «Die Motivation ist nach wie vor da», sagt Schär.
Besonders hebt er die Wahl von Simon Bach hervor. «Es freut mich, dass wir künftig zu zweit aus dem Saanenland anreisen und uns für die Region einsetzen können. Das gibt unserer Region mehr Gewicht», so Schär. Es sei wichtig, regionale Anliegen einzubringen, da Regionen ohne Vertretung Gefahr liefen, politisch weniger berücksichtigt zu werden. «Wie ich immer zu sagen pflege: Ist eine Region nicht vertreten, geht sie vergessen.»
Der gleichen Ansicht ist auch die Zweisimmner Politikerin Anne Speiser. Mit Hans Schär und neu auch Simon Bach verfüge man über «eine gute Truppe», welche die Anliegen der Region kenne und einbringe. «Eine zusätzliche Stimme gibt unserer Region mehr Gewicht.»
Für Speiser ist es die letzte Amtszeit. «Ich freue mich, diese letzte Legislatur noch einmal mit meiner Erfahrung anzugehen. Umso mehr freut es mich, dass ich mit einem solchen Ergebnis wiedergewählt wurde», sagt sie. Eine Wiederwahl sei keine Selbstverständlichkeit. «Ich habe auch erlebt, wie Kolleginnen und Kollegen abgewählt wurden. Das ist nie angenehm.»
Besonders freut sie sich auf ihre künftige Funktion: Ab Juni wird sie Grossratspräsidentin. «Das ist für mich eine grosse Ehre, der ich mit Respekt und Demut begegne», sagt Speiser. Als zweisprachige Politikerin wolle sie zudem den Austausch mit den französischsprachigen Regionen im Kanton pflegen.
SVP und SP gewinnen Sitze, Mitteparteien verzeichnen Verluste
Kantonsweit zeigt sich ein deutlicher Trend zugunsten der SVP. Sie gewinnt sieben Sitze hinzu und baut ihre Position im Grossen Rat aus. Auch die SP legt zu und gewinnt vier zusätzliche Mandate. Verluste verzeichnen hingegen mehrere Mitteparteien. Die EVP verliert vier Sitze und ist neu noch mit fünf Mandaten vertreten. Auch Die Mitte büsst drei Sitze ein und kommt noch auf neun. Die Grünen verlieren zwei Sitze und halten neu 17 Mandate, die GLP gibt einen Sitz ab und ist künftig mit 15 Sitzen vertreten.
«Bürgerliche im Grossrat werden konservativer»
Der Politikwissenschaftler Marc Bühlmann sagt gegenüber SRF, der Erfolg der SVP sei unter anderem auf eine starke Mobilisierung zurückzuführen. Auch der Antritt mit drei Regierungsratskandidaten habe eine Rolle gespielt. Die SVP habe vor allem auf Kosten der Mitteparteien gewonnen, nicht aber zulasten der FDP. Und: «Die Bürgerlichen im Grossrat werden konservativer», so Bühlmann.
Obersimmental-Saanen glänzt mit höchster Stimmbeteiligung
Die Stimmbeteiligung lag kantonsweit bei 33,8 Prozent. Im Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen beteiligten sich 41 Prozent der Stimmberechtigten an der Wahl. Damit liegt der Kreis gemäss den vorliegenden Zahlen an der Spitze im Kanton.




