Die georgische Pianistin Nino Kupreishvili verzauberte das Publikum in der Kirche von Rougemont mit einem tief bewegenden Konzert für das Gstaad New Year Music Festival – eine Hommage an den mutigen Pianisten Pavel Kuschnir.
ELISA OPPERMANN
Die historische ...
Die georgische Pianistin Nino Kupreishvili verzauberte das Publikum in der Kirche von Rougemont mit einem tief bewegenden Konzert für das Gstaad New Year Music Festival – eine Hommage an den mutigen Pianisten Pavel Kuschnir.
ELISA OPPERMANN
Die historische Kirche von Rougemont wurde am vergangenen Mittwochabend zum Schauplatz eines magischen Momentes. Als die georgische Pianistin Nino Kupreishvili die ersten Töne ihres Programms anschlug, schien die Zeit stillzustehen. Ihr Spiel, zugleich kraftvoll und zart, verwandelte den Raum in ein Kaleidoskop aus Farben und Gefühlen. Bereits der Auftakt des Abends liess erahnen, dass hier eine Ausnahmekünstlerin am Werk war. Der administrative Leiter Çetin Köksal eröffnete mit den Worten: «Ich kenne Nino noch nicht so lange, aber sie begeisterte mich von der ersten Sekunde an. Ein Ausnahmetalent.» Mit Beethoven, Chopin und Tschaikowsky wählte Kupreishvili nicht nur drei Giganten der Klavierliteratur, sondern auch Werke, die die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen umfassen. Es war jedoch nicht nur die Auswahl der Stücke, die das Publikum in ihren Bann zog, sondern auch die Art und Weise, wie die Musikerin sie interpretierte.
Ein Spiel wie ein Farbenmeer
Kupreishvilis Klavierspiel hatte etwas beinahe Malerisches. Mit jedem Anschlag formte sie Klangfarben, die von sanftem Pastell bis zu leuchtendem Purpur reichten. Ihre Finger schienen nicht nur Tasten zu berühren, sondern Geschichten zu erzählen, die direkt aus ihrer Seele kamen. «Wenn ich spiele, dann ist es ein purer Genuss für meine Seele und ich hoffe natürlich, die Zuschauenden empfinden dies ebenfalls», erklärte die 31-jährige Künstlerin im Anschluss an ihre Darbietung. Besonders in Chopins «Nocturnes» schwebte eine melancholische Wärme über dem Publikum. Dann kam Tschaikowsky, und plötzlich kamen die Klänge – klar, präzise und doch voller Wärme. Kupreishvili liess den Flügel nicht nur klingen, sie liess ihn leuchten. Es war, als ob sie eine Welt erschuf, in der Töne und Farben verschmolzen und die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verwischten.
Die Kraft der Erinnerung
Ihr Konzert war nicht nur eine musikalische Darbietung, sondern auch ein emotionales Bekenntnis. Die Hommage an den verstorbenen Pianisten Pavel Kuschnir verlieh dem Abend eine tiefere Dimension. «Ich wollte Pavel ehren und spielte Stücke, die auch ihm gefallen hätten, weil er ein mutiger Mann war», erklärte Kupreishvili nach ihrem Auftritt. Kuschnir, der 2024 im Gefängnis starb, nachdem er den Krieg in der Ukraine öffentlich kritisiert hatte, bleibt für viele ein Symbol der Standhaftigkeit. Kupreishvilis Spiel trug diesen Geist in sich – zart und verletzlich, aber zugleich voller Kraft.
Ein Publikum im Bann der Musik
Die Resonanz des Publikums war überwältigend. Nach jedem Stück füllte tosender Applaus die Kirche und am Ende des Konzerts erhoben sich die Zuhörer:innen zu lang anhaltenden Standing Ovations. Kupreishvili, selbst Mutter einer kleinen Tochter, betonte nach dem Konzert, wie wichtig es ihr sei, diese Leidenschaft für die Musik weiterzugeben. «Es ist ein Traum, an einem solchen Ort Klavier spielen zu dürfen», sagte sie, während sie sich sichtlich gerührt für die Begeisterung des Publikums bedankte.