Drei Mal Ja: Gemeindeversammlung gibt grünes Licht für Rellerli, Tourismusprojekt und Sporthalle
08.04.2025 GstaadDie Saaner Stimmbürger:innen haben an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom Freitag sämtliche traktandierten Geschäfte deutlich gutgeheissen, darunter die Wiedererschliessung des Rellerli, die Erneuerung des Tourismusgebiets Saanenmöser-Schönried sowie ...
Die Saaner Stimmbürger:innen haben an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom Freitag sämtliche traktandierten Geschäfte deutlich gutgeheissen, darunter die Wiedererschliessung des Rellerli, die Erneuerung des Tourismusgebiets Saanenmöser-Schönried sowie die Planung einer neuen Sport- und Eventhalle in Gstaad.
483 Saaner Stimmberechtigte – rund 13 Prozent der Stimmbevölkerung – befanden vergangenen Freitag über drei grosse Projekte: die Seilbahn Rellerli, das Tourismusgebiet Saanenmöser-Schönried und die Sport- und Eventhalle Gstaad. Ohne grosse Diskussionen genehmigten die Anwesenden alle Geschäfte an der Gemeindeversammlung, die erstmals von Hans Schär als Präsident der Gemeindeversammlung geführt und von Petra Schläppi als Gemeindepräsidentin präsidiert wurde. Nachfolgend eine Zusammenfassung der Entscheide.
Rellerli: Überbauungsordnung genehmigt
Die Stimmbürger:innen entschieden über die Wiedererschliessung des Rellerli mittels einer neuen Gondelbahn (siehe AvS vom 21. März 2025). Die bisherige Bahn wurde 2019 stillgelegt, doch der Verein Freunde des Rellerli will in Zusammenarbeit mit der Mountain View AG eine neue Zehnergondelbahn realisieren. Das Projekt setzt auf naturnahen Tourismus ohne Skipistenpräparation oder Sommerattraktionen wie einer Rodelbahn. Die neue Bahn soll mit moderner, geräuscharmer Technik betrieben werden und bis zu 600 Personen pro Stunde transportieren. Ziel ist es, das Gebiet Rellerli-Hundsrügg ganzjährig zugänglich zu machen. Bau- und Betriebskosten sollen ohne finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand gewährleistet werden.
Wie die zuständige Gemeinderätin Patricia Matti an der Gemeindeversammlung erläuterte, gingen während der öffentlichen Auflage fünf Einsprachen und zwei Rechtsverwahrungen ein. Kritisiert wurden unter anderem die Breite des Seilbahnkorridors, die Lärmbelastung, die fehlende Standortgebundenheit, der ungenügende Landschaftsschutz sowie die mangelhafte Koordination zwischen den verschiedenen Verfahren. Inzwischen wurden zwei Einsprachen zurückgezogen. Der Gemeinderat beantragt dem Kanton, die drei verbleibenden Einsprachen abzuweisen und die beiden Rechtsverwahrungen vorzumerken.
Die Abstimmung betraf die Überbauungsordnung, die nötige Zonenplanänderung sowie eine Änderung des Baureglements
Das Abstimmungsergebnis:
Die Stimmbürger:innen genehmigten das Traktandum mit 387 Ja- zu 77 Nein-Stimmen ohne Wortmeldungen (Anm. d. Red.: Die Enthaltungen werden jeweils nicht angegeben).
Tourismusgebiet Saanenmöser-Schönried nimmt nächste Hürde
Bei diesem Geschäft ging es um die Weiterentwicklung des bisherigen Schneesportgebiets zu einem ganzjährig genutzten Tourismusgebiet. Im Zentrum stehen der Ersatz und Ausbau veralteter Transportanlagen wie der Sessellifte Schönried–Horneggli und Saanenwald–Hornfluh durch moderne Gondel- und Sesselbahnen (siehe AvS vom 21. März 2025). Zudem sollen neue Mountainbike-Trails und ein Kidstrail das Sommerangebot erweitern. Auch die Parkplatzsituation bei der Talstation in Schönried soll optimiert werden. Die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) und Gstaad Saanenland Tourismus (GST) treiben das Projekt gemeinsam voran. Die Stimmberechtigten stimmten über die entsprechende Überbauungsordnung, eine Änderung des Zonenplans sowie Anpassungen des Baureglements ab. Der grössere Speichersee, der ebenfalls Teil des Tourismusgebiets ist, wird in einer separaten Überbauungsordnung abgewickelt.
Auch bei diesem Traktandum übernahm Gemeinderätin Patricia Matti die Erläuterung und informierte über den Stand der Einsprachen. Während der öffentlichen Auflage gingen acht Einsprachen und fünf Rechtsverwahrungen ein. Sieben der Einsprachen wurden in der Zwischenzeit zurückgezogen. Der Gemeinderat beantragt dem Kanton, die verbleibende Einsprache abzuweisen. Laut Matti bezogen sich die Rügen unter anderem auf den Verkehr auf der Hornbergstrasse. Grundsätzliche Oppositionen gegen die Überbauungsordnung selbst habe es jedoch keine gegeben.
Die Voten:
Eine Diskussion über das Geschäfts oder das Projekt gab es keine. Martin Hefti, Präsident der SP Saanen, merkte lediglich an, dass im Baureglement immer noch die Rede von «Sesselbahnen» sei. «Ich würde an dieser Stelle das Wort ‹Gondelbahn› einfügen, damit es keine Widersprüche gibt. Dies könnte dem Baugesuch helfen.»
Das Abstimmungsergebnis:
Die Stimmbevölkerung stimmte auch diesem Projekt mit 430 Ja- zu 33 Nein-Stimmen zu.
Planungskosten für die Sport- und Eventhalle Gstaad gesprochen
Die Stimmbürger:innen stimmten über die Erhöhung eines bestehenden Verpflichtungskredits zur Mitfinanzierung der Planung einer neuen Sport- und Eventhalle auf der Saanematte ab (siehe auch AvS vom 14. März 2025). Die Halle ist Teil eines umfassenden Projekts zur Weiterentwicklung des Sport- und Kulturzentrums Gstaad, das auch eine neue Konzertinfrastruktur (Concert Hall Gstaad) und ein Parkhaus umfasst. Die Bauherrschaft für die Halle liegt bei der Sportzentrum Gstaad AG. Für die Planungskosten der Halle sieht der Finanzierungsplan Beiträge in der Höhe von 300’000 Franken aus Eigenmitteln der Sportzentrum Gstaad AG, 160’000 Franken aus der Neuen Regionalpolitik (NRP) des Kantons sowie 3’885’000 Franken von der Einwohnergemeinde Saanen vor. Über Letztere stimmten die Stimmbürger:innen ab: Dies ist der Kernpunkt der Abstimmung. Über den Gemeindebeitrag von 3,885 Millionen Franken zur Erhöhung des bestehenden Verpflichtungskredits für die Planung. Die Finanzierung der Gstaad Concert Hall hingegen erfolgt durch eine Stiftung und wird primär durch private Mittel von Mäzen:innen getragen.
Nathanael Perreten, Gemeinderat Ressort Finanzen, sprach zudem das Projekt in Rougemont an: Vergangenen Dezember vermeldete der «Anzeiger von Saanen», dass ein privater Investor ebenfalls eine Konzerthalle und ein Museum plant. Der Gemeinderat beobachte dieses Projekt mit «Argusaugen», so Perreten. Sollte das Projekt in Rougemont allerdings vorher Fahrt aufnehmen, habe der Gemeinderat die Kompetenz, die Zahlung der Gelder einzustellen. Allerdings sei das Projekt in Gstaad zurzeit weiter fortgeschritten. «Und wir sind überzeugt, dass es ein Leuchtturmprojekt für die Gemeinde sein wird», so Perreten.
Die Voten:
Ein Stimmbürger stellte einen Rückweisungsantrag mit dem Anliegen, zunächst ein hydrogeologisches Gutachten zu erstellen, bevor das Geschäft erneut der Gemeindeversammlung vorgelegt werde. Er verwies dabei auf Unwetterereignisse in der Vergangenheit, die dieses Areal betroffen hätten. Gemeinderat Nathanael Perreten entgegnete, dass genau solche Abklärungen im Rahmen der Projektplanung vorgesehen seien – hierfür brauche es jedoch den Planungskredit, über den die Versammlung an diesem Abend befinde. Mit 93 Ja- zu 357 Nein-Stimmen wurde der Rückweisungsantrag abgelehnt.
Das Abstimmungsergebnis:
Die Anwesenden hiessen mit 356 Ja- zu 100 Nein-Stimmen die Erhöhung des Verpflichtungskredits um 3’885’000 auf neu 4’330’000 Franken gut.
VERSCHIEDENES: GEMEINDERAT ORIENTIERT ÜBER DEN ERHEBLICHKEITS-ANTRAG
Der an der Gemeindeversammlung vom 8. Dezember 2023 eingereichte Erheblichkeitsantrag von Ernst Frautschi zur Prüfung alternativer Energiequellen wurde an der Versammlung offiziell als erledigt abgeschrieben. Der Gemeinderat orientierte über den aktuellen Stand der Arbeiten. Gemeinderat Klaus Romang erläuterte, dass verschiedene Möglichkeiten geprüft wurden – etwa die Stromgewinnung aus der Palace-Quelle, Photovoltaik-Anlagen an Stützmauern und Fassaden sowie die Nutzung von Biomasse. Eine Berechnung der Palace-Quelle habe gezeigt, dass sie Strom für rund 22 Haushalte liefern könnte – bei hohen Kosten und geringem Ertrag sei das Projekt jedoch nicht weiterverfolgt worden. Chancen sieht die Gemeinde bei der Nutzung von Gemeindeinfrastrukturen wie Strassen oder Werkhofdächern für PV-Anlagen. Auch in der Wasserversorgung wurden in den letzten Jahren Massnahmen zur Energieeinsparung umgesetzt.
Gemeinderat Martin Hefti betonte, dass erneuerbare Energien bei gemeindeeigenen Liegenschaften bereits berücksichtigt würden. Mehrere Gebäude wurden saniert oder mit PV-Anlagen ausgestattet, weitere sollen folgen. Neben Stromproduktion sei auch das Energiesparen – etwa durch bessere Isolation – zentral.
Gemeinderätin Patricia Matti verwies auf die Bedeutung des Ortsund Landschaftsbilds. PV-Anlagen müssten sorgsam und gestalterisch abgestimmt integriert werden. Das sogenannte Kaskadenmodell gebe klare Prioritäten vor: zuerst Dächer, dann Fassaden von Gewerbe- und Ökonomiegebäuden, danach Kunstbauten wie Stützmauern und danach Gebäudefassaden, allerdings nur, wenn bereits eine PV-Anlage auf dem Dach installiert sei. Zudem vermeldete sie, dass das kürzlich gestartete Energieförderprogramm bereits erste Gesuche verzeichnete.
Unter dem Traktandum «Verschiedenes» erkundigte sich Martin Hefti, Präsident der SP Saanen, nach dem aktuellen Projektstand beim Parkhaus Saanen. Er erinnerte daran, dass auf dem Landwirtschaftsland an der Spitalstrasse ein provisorischer Parkplatz erstellt wurde, während die Sanierung des Parkhauses bislang nicht vorangekommen sei. Gemeinderat Klaus Romang verwies auf ein laufendes Verfahren beim Regierungsstatthalter. Aktuell dürfe der Parkplatz auf dem Landwirtschaftsland nur während der Sanierungsphase des Parkhauses genutzt werden. Ein ausführlicher Bericht zum Stand der Dinge werde demnächst im «Anzeiger von Saanen» erscheinen. Damit wolle man die Bevölkerung transparent über die nächsten Schritte informieren.
JOP