Der sympathische, bodenständige Paul Eggimann erklärte in seiner Sattlerwerkstatt in Grünen (Sumiswald) die Herstellung seiner Schwingerhosen.
Paul Eggimann, Sie sind gelernter Sattler, Tapezierer und Bodenleger. Aber Sie stellen Schwingerhosen her. ...
Der sympathische, bodenständige Paul Eggimann erklärte in seiner Sattlerwerkstatt in Grünen (Sumiswald) die Herstellung seiner Schwingerhosen.
Paul Eggimann, Sie sind gelernter Sattler, Tapezierer und Bodenleger. Aber Sie stellen Schwingerhosen her. Wie kam es dazu?
Mein Vater, der Sattler war, schwang mit mässigem Erfolg in der näheren Umgebung. Er war ein sogenannter «Pintenschwinger». Einmal, als er die Hosen anzog, sagte er sich: Die kann ich auch anfertigen. Gesagt, getan! Im Jahr 1945 begann er mit der Fabrikation von Schwingerhosen. 1971 lernte ich bei meinem Vater den Beruf des Sattlers. Es ist naheliegend, dass ich auch in die Kunst des Hosenschneiders eingeführt wurde.
Sie übernahmen den Betrieb Ihres Vaters. Sind Sie beruflich ausgelastet?
Ja, «gäng». Mit Treichelriemen, Glockenriemen und Schwingerhosen. Matratzen mache ich nicht mehr.
Von wo beziehen Sie den Stoff für die Schwingerhosen?
Der Stoff für die Schwingerhosen nennt sich Flachs. Das ist ein zäher Leinenstoff. Hergestellt wird dieser in einer Fabrik in Deutschland.
Wie heisst diese Fabrik?
Das ist und bleibt ein Geheimnis!
Welches sind die Arbeitsprozesse für die Herstellung von Schwingerhosen?
Mittels einer Schablone zeichne ich die Abmessungen der Hosenbeine in drei verschiedenen Grössen. Danach folgt das Zuschneiden, das Einleimen der Säume und das Nähen mit der Nähmaschine. Schwingerhosen haben keine Ösen, sondern eine Schlaufe, durch die der Ledergurt gezogen wird.
Woher ist das Leder für den Gurt?
Ich kaufe gegerbte Rindshaut mit den Abmessungen von 1,60 auf 1,90 Metern. Es handelt sich um Schweizer Leder. Wahrscheinlich bin ich noch der einzige, der Schweizer Leder verwendet. Ich schneide 3 Zentimeter breite, verschieden lange Streifen, nähe die Säume und fixiere am Gurt die Chromstahlschnalle.
Welches sind die Probleme beim Herstellen von Schwingerhosen?
Guten Stoff zu bekommen. Bei meiner Fabrikation muss der Stoff nicht schön sauber sein, es dürfen auch einzelne Fäden hervorstehen. Ich will groben, soliden Stoff. Seit vielen Jahren beziehe ich den Stoff von der gleichen Firma. Die wissen, was ich will. Ich bin sehr zufrieden mit den Lieferungen!
Als Sattler weiss ich, wo man gut drei bis vierfach nähen muss, wo es halten muss. Im Schritt, wo es besonders zerreissfest sein muss, nähe ich mit einem dicken, synthetischen Faden Verstärkungen aus Leder ein. Die Hosen sehen daher nicht schön aus. Aber das ist für mich sekundär. Wichtig ist einzig und allein die Zerreissfestigkeit. Mit meinen Hosen könnte man einen Lastwagen abschleppen.
Erhalten Sie Rückmeldungen von Ihren Kunden?
Ja, ja, die erhalte ich. Auch Schwingerkönige melden sich bei mir, und sagen: «In deinen Hosen bin ich am wohlsten.» Auch Roschi David, Wenger Kilian, Meli Karl, von Weissenfluh Christian, Stucki Christian und weitere mehr trugen meine Schwingerhosen. Ihre Besuche in meiner Werkstatt machen mich stolz.