Beim 147-Millionen-Projekt «Eiger» fürs Kunstmuseum Bern geht es offiziell um Kultur. Tatsächlich diskutieren wir aber vor allem über Beton, Architektur und Millionenkosten. Immer grössere Summen sollen in Neubauten, Planung und Infrastruktur investiert werden. ...
Beim 147-Millionen-Projekt «Eiger» fürs Kunstmuseum Bern geht es offiziell um Kultur. Tatsächlich diskutieren wir aber vor allem über Beton, Architektur und Millionenkosten. Immer grössere Summen sollen in Neubauten, Planung und Infrastruktur investiert werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie viel davon am Ende tatsächlich bei der Kultur selbst ankommt. Gerade aus Sicht des ländlichen Raums entsteht aus meiner Sicht zunehmend ein Ungleichgewicht. Während in Bern Millionenprojekte vorangetrieben werden, profitieren Regionen wie das Berner Oberland davon kaum direkt. Viele kleinere Kulturveranstalter, Vereine und lokale Institutionen kämpfen Jahr für Jahr um bescheidene Beiträge und leisten mit viel Freiwilligenarbeit einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben.
Kultur entsteht nicht nur in grossen Prestigegebäuden in der Hauptstadt. Kultur lebt auch in den Regionen – in Konzerten, Theaterprojekten, Ausstellungen, Brauchtum und lokalen Veranstaltungen. Dort wäre das Geld oft näher bei den Menschen investiert. Es braucht deshalb eine Kulturpolitik mit Augenmass und regionaler Fairness. Mehr Geld für Kultur heisst meines Erachtens nicht automatisch mehr Geld für Beton.
DOMINIK BLATTI, GROSSRAT EDU, OBERWIL IM SIMMENTAL