Die Landi Simmental-Saanenland ist solid unterwegs
28.04.2026 WirtschaftDie Generalversammlung der Landi Simmental-Saanenland nahm am Freitagabend Kenntnis von einem soliden Geschäftsjahr. Fünf Verwaltungsräte und eine Verwaltungsrätin wurden wiedergewählt. Die zwei Kreditbegehren in der Höhe von 2,68 Millionen Franken waren unbestritten, wobei der Kauf ...
Die Generalversammlung der Landi Simmental-Saanenland nahm am Freitagabend Kenntnis von einem soliden Geschäftsjahr. Fünf Verwaltungsräte und eine Verwaltungsrätin wurden wiedergewählt. Die zwei Kreditbegehren in der Höhe von 2,68 Millionen Franken waren unbestritten, wobei der Kauf des Dorfladens an der Lenk respektive mögliche Folgen für den Landi-Laden am Standort Boden zu Diskussionen führten.
ANITA MOSER
«Die Landi Simmental-Saanenland schaut auf ein solides Jahr zurück. Es gab viele Herausforderungen, aber diese wurden auch gemeistert», begrüsste Verwaltungsratspräsident Jonathan Trachsel die 92 Anwesenden, wovon 76 stimmberechtigt waren, am Freitagabend in der Simmental Arena in Zweisimmen zur Generalversammlung. Das Jahr 2025 sei auch für die Landwirte ein solides Jahr gewesen. «Momentan erzielen wir gute Preise beim Verkauf von Rindvieh, aber leiden unter einem sehr schlechten Milchpreis.» Nur die regionalen und kleinen Milchverarbeiter mit eigener Vermarktung seien vom Milchpreissturz kaum betroffen. «Das zeigt, dass es wichtig ist, allgemein regionale Unternehmungen zu stützen und zu fördern», so Trachsel.
Stabile Zahlen
Mario Cairoli, Mitglied der Geschäftsleitung, erläuterte die Zahlen des vergangenen Jahres. Der Warenverkauf belief sich im Berichtsjahr auf rund 32,7 Millionen Franken, der Warenaufwand auf 26,6 Millionen Franken. Gemessen am Gesamtumsatz generiert der Detailhandel mit 57 Prozent das grösste Kuchenstück, gefolgt von der Tankstelle mit 19 Prozent und der Landwirtschaft mit 16 Prozent. Der Umsatz im Detailhandel hat gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent zugelegt, die Landwirtschaft ist gleich geblieben und die fossile Energie nimmt ab. «Das soll ja auch so sein mit der Energiewende», so Cairoli. Das meiste Geld – rund 66 Prozent – verdient die Landi im Detailhandel, gefolgt von der Landwirtschaft mit 14 Prozent sowie der Tankstelle und Diversem mit je neun Prozent. Unter Diverses fallen die Mieten, welche die Landi mit der Vermietung von Liegenschaften und Wohnungen einnimmt. «Diese helfen mit, ein gutes Ergebnis zu erzielen», so Cairoli. Die Personalkosten sind im Vergleich zum Vorjahr marginal gestiegen und schlagen mit gut 4,2 Millionen Franken zu Buche.
Einstimmig und ohne Wortmeldung genehmigte die Versammlung den Geschäftsbericht, die Rechnung sowie die Zuweisung des Bilanzgewinnes von 27’068 Franken in die Reserven.
Verwaltungsrat verkleinert
Der Verwaltungsrat hatte beschlossen, seinen Rat auf sieben Mitglieder zu verkleinern. Die nächsten zwei Abgänge werden deshalb nicht ersetzt. Matthias Kuhnen schied auf diese GV wegen Amtszeitbeschränkung aus dem Rat aus, Präsident Jonathan Trachsel, Vizepräsident Adrian Siegfried, Sekretärin Flavia Gfeller, Jörg Ueltschi, Christoph Bach und Christian Beetschen wurden einstimmig und in globo für eine weitere Amtsdauer bestätigt. Nicht zur Wahl stellen lassen mussten sich Sarah Eschler und Adrian Tschabold.
Matthias Kuhnen wurde vom Präsidenten mit herzlichen Worten aus dem Verwaltungsrat verabschiedet und Mario Cairoli ehrte 13 Mitarbeitende für 5, 10, 15 oder 25 Jahre Treue zur Landi.
Liegenschaft Raiffeisen Gstaad: 480’000 Franken für Renovation und Heizung
Die Raiffeisenbank Obersimmental-Saanenland ist Mieterin der Liegenschaft in Gstaad. Die Liegenschaft wurde 2007 von Raiffeisen für rund 2,8 Millionen Franken umgebaut und den Bedürfnissen der Bank angepasst – der Anteil der Landi belief sich auf 81’000 Franken. Nun wurde der Mietvertrag bis 2036 verlängert, mit einer Option bis 2046, wie Cairoli informierte. Die Raiffeisenbank plane ein so genanntes Refreshing – die Schalterhalle sowie weitere Räume sollen saniert werden, erläuterte Mario Cairoli. Folglich mache es Sinn, gleichzeitig die Aussenhülle sowie das Dach zu sanieren. Weil Coop den seit 2006 bestehenden Heizungsverbund mit der Landi und der Raiffeisenbank per 2027 auflöse, brauche es zudem eine neue Heizung. Für die Liegenschaft der Raiffeisenbank habe man sich für eine interne, autonome Heizung mit einer Wärmepumpe entschieden, sagte Cairoli. Eine Holzschnitzelheizung komme aus Platz- und Kostengründen nicht in Frage, beantwortete er eine entsprechende Frage aus dem Plenum. Auf die Art der Heizung für die Landi habe man sich noch nicht festgelegt, man sei aber unter anderem auch im Gespräch mit den Verantwortlichen der Fernwärme von der EBL.
Einstimmig genehmigte die Versammlung den vom Verwaltungsrat beantragten Kredit über 480’000 Franken für die Renovation der Liegenschaft Raiffeisen Gstaad inklusive der Heizungen für beide Gebäude.
«Ja, aber» zum 2,2 Millionen-Kredit
Unbestritten war auch der Kredit für den Kauf und Umbau der Liegenschaft Dorfladen Lenk. Bedenken aus der Versammlungsmitte wurden ausschliesslich im Hinblick auf die Zukunft des Landi-Ladens auf dem Standort Boden geäussert. Doch der Reihe nach: Der Landi wurde von der Erbengemeinschaft Rieder die Liegenschaft Dorfladen Lenk zum Kauf angeboten – die bisherigen Mieter gehen 2027 in Pension. «Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung sehen den Kauf der Liegenschaft als Chance zur Weiterentwicklung der Genossenschaft», argumentierte Mario Cairoli. Der Laden würde zu einem Volg-Laden (analog in Boltigen), die zwei Wohnungen würden vermietet. «Mit einer Übernahme der Liegenschaft wäre der Lebensmittelverkauf künftig im Dorfzentrum in einem Volg-Laden angesiedelt», erläuterte Mario Cairoli. Und genau das war der Kritikpunkt von mehreren Votanten. Die Lebensmittel aus dem Sortiment zu nehmen, würde den Todesstoss für den Landi-Standort Boden bedeuten, sagte ein Anwesender. Er schlug vor, den Dorfladen zu kaufen und den Landi-Laden am Standort Boden unverändert für die nächsten ein, zwei Jahre weiterzuführen. Ähnlich votierte ein weiterer Anwesender, er warnte vor einem Rückschritt für die Gemeinde Lenk, denn viele Einheimische, aber auch Touristen kauften im Landi-Laden ein. Der Landi-Laden schreibe seit Jahren rote Zahlen – nicht alarmierend rote Zahlen, dass man die Landi schliessen müsste, erklärte Cairoli. Er betonte zugleich, dass man die Landi Simmental-Saanenland als Einheit sehen müsse und nicht jeden Standort einzeln. Vieles laufe standortübergreifend, vor allem auch in Bezug auf das Personal.
Aber bei dieser Abstimmung gehe es nun um den Kauf der Liegenschaft – «wir haben grosses Glück, dass wir als Erste zum Zug kommen», so Cairoli – und nicht um die Zukunft des Landi-Ladens Boden. Aus dem Plenum kam der Antrag, die Liegenschaft zu kaufen und über das weitere Vorgehen an der nächsten oder an einer ausserordentlichen GV zu diskutieren. Bis dahin erwarte man jedoch genaue Zahlen von den einzelnen Standorten. Nach der Zusage vom Verwaltungsrat, diese Zahlen vorzulegen, genehmigte die Versammlung mit einem grossen Mehr bei zwei Enthaltungen den Kredit über 2,2 Millionen Franken für den Kauf und den Umbau der Liegenschaft Dorfladen Lenk.
Pflanzenschutzmittel ab 2027 nur noch mit Bewilligung
Abschliessend wies Anna Gschwind, Standortleiterin Agrar in Gstaad, die anwesenden Landwirte darauf hin, dass die Fachbewilligung Pflanzenschutz – es handelt sich dabei um einen Bundesbeschluss, es geht um die Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung – per Anfang 2026 in Kraft getreten sei. Per 1. Januar 2027 bekämen Landwirtinnen und Landwirte Pflanzenschutzmittel bei der Landi nur gegen Vorweisung dieser Bewilligung. Diese könne bis 30. Juni beantragt werden, wer diese Frist verpasse, müsse eine Prüfung ablegen, so Anna Gschwind.




