Am Landwirtschaftsanlass der Saanen Bank zeigte Katrin Schneeberger, Direktorin des Bundesamts für Umwelt, das Verantwortlichkeitsspektrum ihres Amtes auf und SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh sprach über die politische Zukunft, die sich für die Landwirtschaft entwickeln ...
Am Landwirtschaftsanlass der Saanen Bank zeigte Katrin Schneeberger, Direktorin des Bundesamts für Umwelt, das Verantwortlichkeitsspektrum ihres Amtes auf und SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh sprach über die politische Zukunft, die sich für die Landwirtschaft entwickeln positiv könnte, wenn die richtigen Signale gesendet würden.
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«Sprechen wir den grossen weissen Elefanten im Raum an, denjenigen im Wolfspelz.» Der Wolf ist aktuell der tägliche Begleiter von Katrin Schneeberger. Als Direktorin des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) ist dieses Dossier das, welches sie zur Zeit am meisten beschäftigt. Sie gab anlässlich des gut besuchten Landwirtschaftsanlasses der Saanen Bank vergangenen Freitag einen Einblick in die drei Themen, mit denen sie sich als BAFU-Direktorin am meisten auseinandersetzt. Beim Wolf, aber auch bei vielen anderen Dossiers wie Wald-Wild oder Naturgefahren, betonte sie immer wieder, dass ein Weg gefunden werde müsse, bei welchem dem Schutz und Nutzen die gleiche Priorität beigemessen werde. Oft gäbe es viele Interessen, die aufeinander treffen würden wie beispielsweise bei Stadt-Land-Debatten. Ihr Fazit: «Mit einem offenen Blick kann man gut voneinander profitieren.»
Probleme als Chance sehen
Sie zeigte jedoch auch auf, dass die Herausforderungen nicht nur als Schwierigkeiten, sondern auch als Chancen für die Region wahrgenommen werden müssten. Indem der Klimawandel zu weniger Schneesicherheit führe, müsse der Tourismus seinen Fokus auf den Ganzjahrestourismus richten. «Im Sommer, wenn in den Städten die Hitze vorherrscht, kommt ein Ausflug oder eine Auszeit im kühleren Saanenland gelegen», so Schneeberger. Auch die Landwirtschaft könne den Klimawandel für sich nutzen, denn dieser führe zu längeren Vegetationsperioden, die Möglichkeiten für neue Anbauweisen und -arten bieten würden. Und auch hier sieht sie den Schlüssel im Austausch und im gegenseitigen Lernen voneinander, weshalb das BAFU dran sei, ein Netzwerk zwischen Bund, Kanton und Gemeinden aufzubauen.
Hoher Druck auf Landwirt:innen
Auch der Kandergrunder SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh war Referent am Landwirtschaftsanlass. Er sprach über die Risiken und Chancen der Agrarpolitik (AP) 2030+, über welches das nächste Parlament befinden wird. Es betreffe die gesamte Landwirtschaftspolitik, weshalb das Gesetz wegweisend sein werde, so Wandfluh. Darin sieht er eine Aufgabe: Die Position der Berggebiete stärken, jedoch nicht auf Kosten der Talgebiete. Die Direktzahlungen für Berggebiete sollen seiner Meinung nach steigen, der Teuerungsausgleich angewendet werden, ohne die Zahlungen für das Tal zu kürzen. «Das Agrarbudget soll aufgestockt werden», so Wandfluh.
Die Landwirtschaft stehe unter hohem Druck, so der SVP-Nationalrat. Viele Auflagen müssten erreicht werden, damit keine Direktzahlungen gestrichen würden, der mentale Druck bei Bäuerinnen und Bauern sei angestiegen und bei vielen Familienhöfen gebe es keine Nachfolgeregelung. Der Bund müsse deshalb bestimmte Rahmenbedingungen einführen, die den Druck auf die Landwirtschaft senke, beispielsweise dem Tier seinen verdienten Wert zurückgeben, einen guten Grenzschutz beim Fleisch einführen oder Verkäsungszulagen erhöhen, so Wandfluh.
Sich für Holz stark machen
Nach den zwei Vorträgen leitete Erich von Siebenthal, alt Nationalrat und Saanen-Bank-Verwaltungsratsmitglied, die offene Diskussion. Über verschiedene Themen wurde lebendig diskutiert, wie über den Hirsch, der viel Landwirtschafts- und Kulturland zerstöre, den Gewässerabstand zu Landwirtschaftszonen oder den Preis einheimischen Holzes. Letzterem werde zu wenig Wert beigemessen, auch in der lokalen Baubranche, so der Tenor. Das Fällen von Bäumen, damit der Wald verjüngt werde, zahle sich oftmals finanziell nicht aus, die Arbeit sei jedoch aufwendig. Als Tourismusregion wäre es wünschenswert, dass vermehrt Schweizer oder sogar regionales Holz verbaut werde, meinte ein Votant.