Letzte GV besiegelt das Ende der Eisbahn AG
02.06.2026 SaanenMit der letzten Generalversammlung der Eisbahn Gstaad AG endet ein Kapitel Gstaader Dorfgeschichte. Nach fast zwei Jahren Liquidationsarbeit steht die Auszahlung des verbliebenen Vermögens an die Aktionäre bevor. Gleichzeitig nutzten die Anwesenden die Gelegenheit, um nach den ...
Mit der letzten Generalversammlung der Eisbahn Gstaad AG endet ein Kapitel Gstaader Dorfgeschichte. Nach fast zwei Jahren Liquidationsarbeit steht die Auszahlung des verbliebenen Vermögens an die Aktionäre bevor. Gleichzeitig nutzten die Anwesenden die Gelegenheit, um nach den Zukunftsplänen für das Eisbahnareal zu fragen. Die Gemeinde Saanen versichert, dass Eisbahn und Veranstaltungen weiterhin einen wichtigen Platz behalten sollen – auch wenn bis zur Sanierung noch einige Fragen offen sind.
Die Eisbahn Gstaad AG schliesst ihr letztes Kapitel
Mit der letzten Generalversammlung der Eisbahn Gstaad AG verabschiedet sich eine Institution, die das Dorfleben während Jahrzehnten geprägt hat. Nach fast zwei Jahren Liquidationsarbeit können nun die Auszahlungen an die Aktionäre vorbereitet werden. Gleichzeitig gab die Gemeinde einen Einblick in die Zukunft des Eisbahnareals.
SONJA WOLF
«So, jetzt hätten wir die Beerdigung gemacht. Für die Jüngeren weniger emotional, für die Älteren vielleicht sehr emotional.» Mit diesen Worten kommentierte der langjährige Präsident Stefan Romang am Donnerstagabend im Landhaus Saanen den formellen Abschluss der Liquidation der Eisbahn Gstaad AG. Nach fast zwei Jahren Liquidationsarbeit ist die traditionsreiche Gesellschaft praktisch Geschichte.
Damit verabschiedet sich eine Institution, die das Dorfleben in Gstaad über Jahrzehnte geprägt hat. 25 stimmberechtigte Aktionärinnen und Aktionäre vertraten an der letzten Generalversammlung im Hotel Landhaus in Saanen insgesamt 269 Aktienstimmen. Das entsprach 38,4 Prozent der stimmberechtigten Aktien.
Zwei Jahre Liquidationsarbeit
Bereits am 8. August 2024 hatten die Aktionäre die Auflösung der Eisbahn Gstaad AG beschlossen. Seither sei im Hintergrund viel Arbeit geleistet worden, blickte Romang zurück.
Kurz nach dem Liquidationsbeschluss wurde der Parkplatz im Parking Charly’s verkauft. Anschliessend lief während eines Jahres der gesetzlich vorgeschriebene Gläubigeraufruf, auf den sich aber niemand meldete. Gleichzeitig machten sich die Liquidatoren Stefan Romang, Jürg Horn und Peter Brand daran, nicht erreichbare Aktionäre ausfindig zu machen. «Das hat viele Anrufe gebraucht», sagte Romang. Viele seien über Umwege und persönliche Kontakte doch noch gefunden worden.
Die grösste Verzögerung sei jedoch nicht von der Gesellschaft selbst verursacht worden. Über eineinhalb Jahre warteten die Liquidatoren auf die definitive Abrechnung der Grundstückgewinnsteuer nach dem Verkauf des Eisbahnareals an die Gemeinde Saanen. Erst danach konnten die nächsten Schritte eingeleitet werden.
Inzwischen wurden sämtliche Aktionäre angeschrieben, um die notwendigen Bankverbindungen für die Auszahlungen zu erfassen. Nach dem Beschluss der Generalversammlung kann nun die Auszahlung des Aktienvermögens vorbereitet werden. Diese soll laut Romang innerhalb der nächsten sechs Monate erfolgen.
Rund 3,4 Millionen Franken Eigenkapital
Die Generalversammlung genehmigte die Jahresrechnung 2025/26 einstimmig. Diese schliesst mit einem Verlust von rund 14’600 Franken ab. Das Eigenkapital der Gesellschaft beträgt per Ende April 2026 noch rund 3,4 Millionen Franken und bildet die Grundlage für die Ausschüttung an die Aktionäre.
Ebenfalls einstimmig erteilten die Aktionäre dem Verwaltungsrat und den Liquidatoren die Décharge für die Jahre 2024 bis 2026.
Restgelder gehen ans Chinderhuus
Sollte nach Abschluss aller noch offenen Zahlungen und Abrechnungen ein Restbetrag übrigbleiben, wird dieser dem Chinderhuus Ebnit in Gstaad zugewiesen. Die Aktionäre genehmigten den entsprechenden Antrag einstimmig.
Auf Nachfrage wurde zudem erläutert, dass auch allfällige Guthaben nicht auffindbarer Aktionäre zunächst während fünf Jahren auf einem Sperrkonto verbleiben würden. Erst danach würden diese Gelder ebenfalls dem Chinderhuus zukommen. Romang rechnet allerdings nicht mit einem grösseren Betrag.
Gemeinde hält an Eisbahn und Veranstaltungen fest
Für die Zukunft des Areals interessierte sich unter dem Traktandum «Verschiedenes» insbesondere Verwaltungsrat Patrick Zürcher. Er fragte Gemeinderat Elio von Grünigen nach dem Stand des Projekts.
Von Grünigen betonte, dass die Planungsarbeiten weiterlaufen. Im Zentrum stünden weiterhin die Eisbahn sowie die Durchführung von Veranstaltungen. «Der Geist des Areals bleibt der gleiche», sagte er.
Zur Diskussion stehe derzeit die Koordination zwischen dem geplanten Neubau der Mehrzweckhalle des Sportzentrums und dem Projekt auf dem Eisbahnareal. Der Neubau beim Sportzentrum wird voraussichtlich noch fünf bis sechs Jahre beanspruchen. Sollte in dieser Zeit die über 40 Jahre alte Kühlanlage der Eisbahn versagen, suche man nach Möglichkeiten einer mobilen Anlage, um grössere Ausfälle zu verhindern. «Momentan werden mit dem Sportzentrum Präventivmassnahmen geprüft, um den Betrieb sicherzustellen», sagte der Gemeinderat.
Wie Elio von Grünigen nach der Versammlung auf Anfrage erklärte, werden derzeit zudem statische Untersuchungen an bestehenden Bauten auf dem Areal durchgeführt. Die Analysen sollen zeigen, in welchem Zustand sich die Infrastruktur befindet und welche Teile künftig saniert oder ersetzt werden müssen.
Auch die Parkplatzfrage beschäftigt die Planer. Man wolle die Parkplatzdiskussion auf objektive Daten statt auf subjektive Eindrücke stützen. Deshalb habe die Gemeinde im Rahmen einer weiteren Arbeitsgruppe Messungen der Verkehrsströme zu verschiedenen Jahreszeiten in Auftrag gegeben. Auf dem Eisbahnareal konkret seien zusätzliche Parkplätze zwar denkbar, «jedoch nicht in grossem Umfang». Ziel sei es, den Verkehr im Gebiet Untergstaad nicht weiter zu verstärken. Die Lösungsfindung folge in einer nächsten Phase.
Noch fünf Jahre in der Pflicht
Mit einem Apéro riche klang die letzte Generalversammlung der Eisbahn Gstaad AG schliesslich aus. Die Gesellschaft steht damit unmittelbar vor ihrem rechtlichen Ende. Juristisch endet die Gesellschaft zwar mit der Löschung im Handelsregister. Die Liquidatoren werden sich allerdings noch während fünf Jahren um allfällige Ansprüche nicht auffindbarer Aktionäre kümmern müssen.



