Madora Praxiszentrum: Mondescu und Hoyer gehen

  17.03.2023 Gstaad

Die Hausärzte Dr. Mirela Mondescu und Dr. Nikolaus Hoyer verlassen das Praxiszentrum Madora in Gstaad. Die Medaxo Services AG sucht nun händeringend nach einer Nachfolgelösung – und stösst dabei auf einige Schwierigkeiten. Die Behörden sind alarmiert.

JOCELYNE PAGE
Die Herausforderungen rund um die medizinische Grundversorgung im Saanenland nehmen weiterhin zu: Gleich zwei Hausärzte verlassen nächstens das Praxiszentrum Madora, wie Thomas Mattmann, CEO der Medaxo Services AG, auf Anfrage bestätigt. Dr. Nikolaus Hoyer hat bei der Medaxo-Gruppe gekündigt und wird seine Tätigkeit am 1. Juli beenden. Zuvor scheidet seine Kollegin Dr. Mirela Mondescu aus der Praxis aus, da sie ihre Fortbildung zur Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin an einem grösseren Spital fortsetzen muss. Eine Anstellung als Assistenzärztin beim Spital Zweisimmen der Spital STS AG sei nicht zustande gekommen und weitere Angebote, die der Medaxo-Gruppe versprochen wurden, konnten nicht konkretisiert werden, führt Mattmann aus. «Dies finden wir sehr schade, da Frau Mondescu sehr gerne in Gstaad geblieben wäre.» Mit Dr. Beat Michel geht diesen Sommer zudem der dritte und letzte Hausarzt des Praxiszentrums in Pension.

Die Medaxo-Gruppe setzt nun alle Hebel in Bewegung, um eine Nachfolgelösung präsentieren zu können. Die Rekrutierung ist noch nicht abgeschlossen. Die Patientinnen und Patienten der drei Hausärzte würden von den verbliebenen und zukünftigen Kollegen zu gegebener Zeit betreut.

Die Herausforderungen sind vielfältig
Die Suche gestaltet sich schwierig. Einen bedeutenden Grund sieht Mattmann in den neuen Zulassungsbedingungen, die Bern und weitere Kantone 2022 einführten. «Die Rekrutierung von Ärzten ist schweizweit zu einer enormen Herausforderung geworden, seit der Zulassungsstopp Anfang 2022 in Kraft getreten ist. Dieser besagt, dass ein Arzt nur mit Krankenkassen abrechnen kann, wenn er drei Jahre an einer anerkannten Weiterbildungsstätte tätig war.» In vielen Kantonen bekomme der Arzt auch keine Berufsausübungsbewilligung. «Zudem ist es umso schwieriger, Ärzte zu finden, die bereit sind, in einer Randregion wie Gstaad zu arbeiten. Dort, wo ein Arzt auch sehr viele Notfalldienste übernehmen muss, welche finanziell auch sehr schlecht abgegolten sind», sagt Mattmann. Erschwert werde die Rekrutierung durch den Mangel an bezahlbaren Wohnungen in der Region. Und am Ende sind Ärztinnen und Ärzte auch «nur» Menschen: «Ärzte sind heutzutage nicht mehr bereit, über die normalen Arbeitsstunden pro Woche zu arbeiten und achten auf eine ausgewogene Work-Life-Balance», so Mattmann.

Gstaad bleibt ein Sorgenkind
Seit der Übernahme 2022 habe die Medaxo-Gruppe für die Rekrutierung von Hausärzten «sehr viele» Gespräche geführt, welche unter anderem aufgrund der genannten Problematiken nicht erfolgreich waren, so Mattmann. «Wir würden es sehr begrüssen, wenn die Gemeinden uns unterstützen würden.» Die Hilferufe kamen bei den Gemeinden an: Wie Toni von Grünigen, Saaner Gemeindepräsident, auf Anfrage sagt, hätten bereits runde Tische stattgefunden, unter anderem mit den Gemeinden aus dem Saanenland, mit den bestehenden Hausärzt:innen, der Gesundheit Simme-Saane, der Spital STS AG, der Apotheke und der Medaxo-Gruppe. «Gemeinsam haben wir die Situation besprochen, um gezielt Massnahmen treffen zu können.» Denn die Situation werde sich weiter zuspitzen. Die Gemeinden würden nun mit den Verantwortlichen Projekte besprechen, die zukünftig die medizinische Grundversorgung im Saanenland aufrechterhalten sollen. «Zurzeit ist noch nichts spruchreif. Wir arbeiten aber alle mit Hochdruck an Lösungen, die wir dringend brauchen», sagt von Grünigen.


PILOTPROJEKT FÜRS BERNER OBERLAND LANCIERT

Gemäss Gesundheitsgesetz des Kantons Bern sind alle Ärztinnen und Ärzte mit Berufsausübungsbewilligung verpflichtet, Notfalldienste zu leisten. «Aufgrund des zunehmenden Ärztemangels in der Grundversorgung verschärfen sich die Engpässe bei der personellen Besetzung der Notfalldienste», schreibt die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) in einer Medienmitteilung. Ein Pilotprojekt soll es nun richten: Die GSI, die Ärztegesellschaft des Kantons Bern (BEKAG) und die Spitäler Frutigen Meiringen Interlaken AG (fmi AG) haben gemeinsam das neue Projekt «Hausärztlicher Notfalldienst» erarbeitet. Dabei soll der hausärztliche Notfalldienst der Kreise des Ärztlichen Bezirksvereins Berner Oberland der BEKAG an Wochenenden und Feiertagen sichergestellt werden. Das Projekt sieht vor, dass eine diensthabende Ärztin/ein diensthabender Arzt zentral vom Spital Interlaken aus den Ausrückdienst für den ganzen Perimeter des Bezirksvereins Berner Oberland wahrnehmen soll. Im Spital Interlaken wird im Rahmen des Projekts ein Bereitschaftszimmer für Notfalldienst leistende Ärztinnen und Ärzte ausgerüstet und auch die benötigte Ausrüstung zur Verfügung gestellt. «Somit wird es möglich, dass sich auch Ärztinnen und Ärzte des ganzen Kantons für Notfalldienste in dieser Region melden können», so die GSI.

Der diensthabende Arzt erfüllt eigenverantwortlich sämtliche Aufgaben des Hausbesuchsdienstes (Ausrückdienst) wie zum Beispiel Todesfeststellung, Verfügung der ärztlichen fürsorgerischen Unterbringung (FU), Hafterstehungsfähigkeitsbeurteilung (HEFB), Hausbesuche und Besuche in Institutionen. Die Ärztinnen und Ärzte rechnen die von ihnen erbrachten Leistungen im Rahmen der Wochenend- und Feiertagsdienste direkt und über die eigene ZSR-Nummer ab. Zusätzlich wird der Bereitschaftsdienst mit 700 Franken pro Tag vergütet.

«Es ist nicht das Ziel, mit diesem Projekt den Notfalldienst im Bezirksverein zu ersetzen. Vielmehr geht es darum, an Wochenenden und Feiertagen eine alternative Lösung für die Übernahme der Ausrückdienste anzubieten, zu etablieren und somit eine Entlastung zu erreichen», ergänzt die GSI. Das Pilotprojekt werde wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Sollte es sich als valable Lösung erweisen, sei die Ausdehnung des Modells auf weitere Bezirksvereine vorgesehen.

PD

 


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