Magic Pass bringt Schub – Investitionen bleiben Herausforderung
25.08.2026 PolitikDie Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) blickten an ihrer Generalversammlung auf dem Eggli auf ein Geschäftsjahr mit deutlich höheren Gästezahlen und Umsätzen zurück. Gleichzeitig bleiben die Finanzierung der geplanten Grossinvestitionen und die langwierigen ...
Die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) blickten an ihrer Generalversammlung auf dem Eggli auf ein Geschäftsjahr mit deutlich höheren Gästezahlen und Umsätzen zurück. Gleichzeitig bleiben die Finanzierung der geplanten Grossinvestitionen und die langwierigen Bewilligungsverfahren zentrale Herausforderungen.
ANITA MOSER
Verwaltungsratspräsident Jan Brand bezeichnete das Geschäftsjahr 2025/26 vor den 164 anwesenden Aktionärinnen und Aktionären als ein «Jahr des Wandels». Im Zentrum stehe insbesondere der Magic Pass, der für die BDG weit mehr sei als ein neuer Ticketverbund. Er habe das Geschäftsmodell verändert, die Grundauslastung erhöht und dem Unternehmen mehr Stabilität gebracht. Dennoch sei man «sicher noch nicht am Ziel, was die Finanzierung der Grossprojekte betrifft».
Mehr Planungssicherheit
Nach dem ersten Winter mit dem Magic Pass zog auch Geschäftsführer Matthias In-Albon eine positive Bilanz. Die Frequenzen hätten sich breiter verteilt, gleichzeitig sei die Planungssicherheit gestiegen, weil ein Teil des Umsatzes bereits im Frühling generiert werde.
Auch das bisherige Januarloch habe sich abgeschwächt.
«Der Magic Pass darf nicht auf ein günstiges Abo reduziert werden», betonte In-Albon. Statt weniger Tage mit sehr hoher Auslastung prägten nun mehr Tage mit stabiler Frequenz die Saison. Der Median der täglichen Ersteintritte sei von rund 3660 auf 4900 pro Tag gestiegen. Der Verkehrsertrag von November 2025 bis März 2026 lag bei 27 Millionen Franken, rund sieben Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Ohne Magic Pass hätte dieser Wert nach internen Schätzungen im Geschäftsjahr lediglich bei 17 bis 19 Millionen Franken gelegen. In der Sommersaison nahm der Umsatz um eine Million Franken zu.
Investitionen: Weichen gestellt, Hürden bleiben
Einen Schwerpunkt legte In-Albon auf das Generationenprojekt Horneggli–Hornberg, den zentralen Investitionsschwerpunkt der kommenden Jahre. Er bezeichnete den aktuellen Stand als «fünf vor zwölf». Der Zeitplan bleibe jedoch von Einsprachen, der Geschwindigkeit der Bewilligungsverfahren bei Kanton und Bund sowie von der Finanzierung abhängig.
Im vergangenen Jahr seien wichtige Etappen erreicht worden. Die Gemeindeversammlung habe der Überbauungsordnung Nr. 88 mit grosser Mehrheit zugestimmt. Eine private Einsprache sei noch hängig, zudem laufe eine Teilneuauflage mit Detailanpassungen. Vor zwei Wochen sei das Plangenehmigungsverfahren beim Bund eingereicht worden. Die Unterlagen zum Speichersee Hornberg seien beim Kanton zur Bewilligung, die Baubewilligung werde nächstens erwartet, mit dem Ziel eines Baustarts im Frühling 2027.
Die Investitionen seien zentral, um auch langfristig vom Wintergeschäft profitieren zu können. Gleichzeitig müsse sich die BDG im Sommer weiter diversifizieren.
Projekt Horneggli-Hornberg: Kosten steigen auf rund 120 Millionen Franken
2021 war das Projekt Horneggli-Hornberg auf rund 90 Millionen Franken geschätzt worden. Seither hätten unter anderem Corona, die Ukraine-Krise, die Teuerung und Veränderungen auf dem Markt der Seilbahnhersteller, eine neue Verordnung und vor allem Auflagen seitens Kanton und Bund die Kosten erhöht, so In-Albon. Trotz erheblicher Projektoptimierungen rechnet die BDG mit Mehrkosten von rund 30 Prozent beziehungsweise 30 Millionen Franken.
In-Albon nannte einige Beispiele: Aus dem qualitätssichernden Verfahren ergab sich, dass alle Parkplätze unterirdisch erstellt werden müssen, was ein zusätzliches Untergeschoss beim Parkhaus bedeutet und gut sechs Millionen Franken kostet. Das Parking sei notwendig, da die Naturparkplätze zukünftig aufgrund Schutzzone nicht mehr benutzt werden können. Mehrkosten in Millionenhöhe fielen auch für Einkleidung der technischen Stationen (Tal und Berg) mit Holz an. Während der Eingabephase für den Speichersee habe der Kanton zudem die Verordnung geändert. Der Speichersee fällt unter das Staumauergesetz und die Staumauerverordnung. Aufgrund der Anpassung der Stauanlagenrichtlinie war eine Neubewertung der Einwirkungen am Standort erforderlich. Die gesamten Auflagen erzeugen Mehrkosten in Millionenhöhe. Neben dem Notüberlauf brauche es einen Notablass, u.a. eine verstärkte Bauweise und erhöhte Nachweise.
Dank des Magic Pass sieht sich die BDG laut In-Albon in der Lage, 40 Prozent der Investitionen selbst zu finanzieren. Für die weiteren Mittel sei das Unternehmen jedoch auf Aktionäre und die öffentliche Hand angewiesen. Es gebe gute Signale und Zusagen von bestehenden Aktionären, bei der Kapitalerhöhung zu helfen und mitzuzeichnen, gleichzeitig sei man im Gespräch mit neuen Supportern, die der Region verbunden sind.
An der Gemeindeversammlung vom 18. September kommt zudem ein Nachkredit zur Abstimmung. Dabei gehe es nicht darum, den prozentualen Finanzierungsanteil der Gemeinde zu erhöhen, sondern die Mehrkosten im gleichen Verhältnis von 40 Prozent wie beim ursprünglich auf 90 Millionen Franken veranschlagten Projekt mitzutragen, erklärte In-Albon. Ohne diese zusätzliche Unterstützung lasse sich das Vorhaben nicht finanzieren, betonte auch VR-Präsident Jan Brand.
Mehr Umsatz – mehr regionale Wertschöpfung
Neben den Grossprojekten beschäftigte sich die BDG im vergangenen Jahr mit Gastronomie, Personal, Nachhaltigkeit und Regionalität. Durch die längere und bessere Auslastung und zusätzliche Events wurden mehr Jahresstellen geschaffen. Mit Ausnahme der Monate April und November findet laut In-Albon mittlerweile fast jeden dritten Tag ein Event auf einem Berg statt. Dazu gehören externe Veranstaltungen, Konzerte, Hochzeiten sowie eigene Formate. Entscheidend sei, dass die Veranstaltungen wirtschaftlich sinnvoll seien und dazu beitrügen, Beschäftigungslücken zu füllen.
In der Gastronomie kaufe die BDG stark regional ein, so In-Albon. Der Bereich erziele zwar keine hohen Margen, schaffe aber zusätzliche regionale Wertschöpfung. «Bei den lokalen Lebensmittellieferanten konnte zwischen Faktor 2 und 6 mehr eingekauft werden.»
Auch die Arbeitgeberattraktivität soll weiter verbessert werden. Die BDG bildet vermehrt Lehrlinge aus und will Mitarbeitende stärker in die Entwicklung des Unternehmens einbeziehen. Im vergangenen Geschäftsjahr wurde dazu ein Arbeitgeberversprechen definiert. Ziel sei es, gute Mitarbeitende zu gewinnen, weiterzuentwickeln und langfristig im Unternehmen zu halten.
Solide Basis, aber weiterhin auf Beiträge angewiesen
Finanzchef Sandro Karlen bezeichnete die finanzielle Basis der BDG als solide. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete das Unternehmen selbst rund 6,2 Millionen Franken. Zusammen mit den Betriebs- und Leistungsbeiträgen der Gemeinden waren es rund 10,5 Millionen Franken. Karlen machte gleichzeitig deutlich, wie wichtig diese Beiträge in den vergangenen Jahren waren: «Ohne Gemeindebeiträge wäre die finanzielle Situation deutlich angespannter gewesen.»
Auf Basis der letzten fünf Jahre könne die BDG laut Karlen rund 40 Prozent ihrer Sachanlagen selber finanzieren.
Jahresbericht, Jahresrechnung und Revisionsbericht wurden von den Aktionärinnen und Aktionären genehmigt, ebenso die Übertragung des Bilanzergebnisses von 141’000 Franken auf die neue Rechnung. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung wurden entlastet.
Unter Varia dankte Daniel von Siebenthal, Präsident der Zückerli Wispile AG, der BDG für den geregelten Betrieb der Wispile ab nächstem Winter: über Weihnachten durchgehend und ab Januar jeweils von Donnerstag bis Sonntag.
Geschäftsbericht 2025/26 unter bergbahnengstaad.ch
ANDREAS POSCHUNG NEU IM VERWALTUNGSRAT
Jan Brand wurde als Verwaltungsratspräsident wiedergewählt. Auch die bisherigen Mitglieder des Verwaltungsrats – Monika Bandi Tanner, Frédéric Boder, Patrick Chabloz, Philippe Comet, Holger Schmid und Michael Teuscher – wurden für ein weiteres Jahr bestätigt.
Neu ins Gremium gewählt wurde Andreas Poschung. Er folgt auf Matthias Matti, der nach zwölf Jahren aus dem Verwaltungsrat zurücktritt. Poschung bringt Erfahrung aus der Seilbahnbranche mit. Er arbeitete unter anderem bei den Bergbahnen Gstaad und später bei Garaventa, wo er zuletzt für die weltweite Aussenmontage zuständig war. Heute arbeitet er im Bankwesen und ist Geschäftsstellenleiter der Raiffeisenbank Simmental-Saanenland in Gstaad.
Jan Brand würdigte den scheidenden Matthias Matti als «Brückenbauer». Dieser habe die Entwicklung der BDG von der Krisenphase über die Umstrukturierung bis zur heutigen Entwicklungsphase mitgeprägt und insbesondere Verbindungen zu Tourismus, Gemeinde und Politik geschaffen.
MOA



